Bürstadt

Schule Bürstädter EKS verabschiedet Ursula Müller in den Ruhestand / Nachfolgerin steht bereits fest

Als Pädagogin die Welt kennengelernt

Archivartikel

Bürstadt.Ursula Müller hat ihre Dienstzeit an der Bürstädter Erich Kästner-Schule (EKS) schon zweimal verlängert. Seit Beginn der Sommerferien ist ihre Zeit dort definitiv zu Ende. Sie geht mit zwei weinenden Augen, das ergab die Nachfrage eines Kollegen. Denn sie hat ihre Aufgabe als Lehrerin für Deutsch und Französisch mit Hingabe erfüllt.

Doch ihr Weg führte sie erstmal rund um die Welt, bevor sie 1997 an der EKS ankam. Die Liebe zu Frankreich ist bereits in ihrer Kindheit entstanden, als Ursula Müller noch auf dem heimischen Weingut in Rheinhessen lebte. Da entstand ihr Wunsch, die Sprache zu lernen, nicht zuletzt, weil eine Cousine Kontakte ins Nachbarland hatte. Das hat sie 1965 in Lausanne bei einem Ferienkurs getan und war vor dem Abitur bereits als Au-pair-Mädchen in der Nähe von Paris tätig. Als die Frage nach einem Studium anstand, wählte sie Romanistik und Germanistik an der Universität Heidelberg.

Von da aus ging es erst einmal weit weg nach China. In Kanton unterrichtete sie junge und ältere Wissenschaftler aus den Bereichen Technik und Medizin in Deutsch. „China wollte, dass die Wissenschaftler in Deutschland studieren und hier ihre Doktorarbeit machen können“, erzählt Ursula Müller. Ihre nächste Station war dann Hongkong, wo sie an einer deutsch-schweizer Schule unterrichtete. „Das war eine Weltmetropole, und es herrschte ein sehr toller Kulturmix“, schwärmt sie.

Bei Designerin gearbeitet

Wegen ihres damaligen Freundes, der Engländer war, zog sie im Anschluss nach London, wo sie vier Jahre blieb. Auch an diesen „Zwischenstopp“ hat sie gute Erinnerungen. Sie hat dort für Catherine Walker gearbeitet, eine französische Designerin, die unter anderem Outfits für Prinzessin Diana kreiert hat. Dann kam die Zeit, in der die Pädagogin nach Deutschland zurückkehrte. Sie zog nach Darmstadt. „Ich arbeitete neun Jahre für eine Arbeitsvermittlung in Frankfurt“, berichtet Müller weiter. In Darmstadt wohnt sie auch noch heute und ist immer nach Bürstadt gependelt. „Ich war es jahrelang gewohnt, in den Großstädten rund anderthalb Stunden Weg zur Arbeit zu haben“, lacht sie.

Müller hat viele Generationen von Bürstädter Schülern in Deutsch und Französisch unterrichtet. „Ihr eilte der Ruf voraus, dass sie streng und fordernd ist. Aber dafür hat sie viele Schüler zur Höchstleistung angetrieben“, lobt Schulleiterin Stephanie Dekker. Sie hat viele auf das „DELF-Zertifikat“ vorbereitet, mit dem die Französisch-Sprachkenntnisse offiziell nachgewiesen werden können.

Besonders geblieben ist die Liebe zu Frankreich. Es gab etwa 20 Begegnungen in all den Jahren mit Schülern der achten Klasse aus beiden Ländern. „Und aus diesen haben sich viele private Kontakte ergeben, wovon beide Seiten profitiert haben“, meint sie.

Das Wort „Ruhestand“ kann Müller nicht ausstehen – genauso wenig wie den „Übersetzer“ von Google. Und da sich die Pädagogin immer engagiert hat, mag sie es nicht, wenn sich jemand nicht anstrengen will. Jetzt macht Müller zunächst Urlaub in der Provence. Wie es dann für sie weitergeht? „Ich hab‘ bisher noch niemals in Paris gelebt“, merkt sie lachend an, aber lässt alles Weitere offen. Wie es an der EKS weitergeht, steht dagegen schon fest: Als Nachfolgerin kommt Elisabeth Scherer an die Gesamtschule nach Bürstadt.

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