Bürstadt

Stadtentwicklung Horst Strecker und Alfons Haag empfehlen, der Baugenossenschaft im Sonneneck V Grundstücke zu überlassen

Altbürgermeister machen sich für sozialen Wohnungsbau stark

Bürstadt.Die beiden ehemaligen Bürstädter Bürgermeister Horst Strecker und Alfons Haag (beide CDU) melden sich zu Wort: In einem Schreiben an die Lokalpresse fordern sie die Politik auf, jedwede Möglichkeit zur Schaffung sozialen Wohnraums zu ergreifen. Hintergrund ist die Entscheidung der Stadtverordneten, im Neubaugebiet Sonneneck V keine Grundstücke für die Gemeinnützige Baugesellschaft (GBG) zu reservieren und damit keinen sozialen Wohnungsbau in diesem Gebiet zuzulassen. Wir treffen die Herren zum Gespräch auf der Gasthaus-Terrasse am Marktplatz.

Der heute 79-jährige Horst Strecker war von 1975 bis 1983 Bürgermeister, Alfons Haag (73) von 1989 bis 2013. Haag ist heute noch Mitglied im Aufsichtsrat der Baugenossenschaft. „Und ich bin der Baugenossenschaft seit meiner Zeit als Bürgermeister bis heute sehr verbunden“, sagt Horst Strecker.

Beide betonen die Dringlichkeit des Anliegens angesichts der Situation auf dem Wohnungsmarkt im Allgemeinen und dem sozialen Wohnungsbau im Speziellen. Politik und Verwaltung hätten in Bürstadt schon immer darauf geachtet, bei neuen Baugebieten Grundstücke für die Baugenossenschaft planerisch zu bevorraten. Und gerade heute sei das wichtiger denn je. Haag wie Strecker betonen, sich keinesfalls in die aktuelle Tagespolitik einmischen zu wollen. Gleichwohl halten sie fest, das Vorgehen beim Sonneneck passe nicht in die Zeit.

4,77 Euro pro Quadratmeter

Die Baugenossenschaft rufe eine Durchschnittsmiete von 4,77 Euro pro Quadratmeter auf. „Das kann ein privater Bauherr nicht hinkriegen“, sagt Strecker. Im Übrigen würde die Stadt den aktuellen Empfehlungen der Expertenkommission der Bundesregierung folgen, wenn sie die GBG im Sonneneck berücksichtigte.

Laut Haag ist nach dem Sonneneck „erstmal Schluss mit größeren Neubaugebieten in Bürstadt. Das wäre also bis auf Weiteres die letzte Möglichkeit, hier etwas zu tun“. Wenn eine Kommune keine Grundstücke vorhalte, könne sie auf kommenden Bedarf auch nicht reagieren, ergänzt er.

Die Mehrheitskoalition aus CDU und FDP in der Stadtverordnetenversammlung möchte im Sonneneck gehobenen Wohnungsbau ermöglichen. Für Haag und Strecker ist das kein Widerspruch. Die GBG habe ihre Gebäude-Architektur in aller Regel in die Umgebung eingepasst und hässliche Klötze vermieden, erklären beide. Auch achte die Genossenschaft sehr auf die Sozialverträglichkeit ihrer Mieter. Haag hält auch eine dreistöckige Bauweise, wie von der SPD erfolglos gefordert, für „absolut zumutbar“. Er wohnt in Flur 21/22 mit dreistöckigen Häusern gegenüber. „Wir haben in Bürstadt doch keine Villenviertel“, so Haag.

„Passt da nicht hin“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jürgen Eberle weist den Vorstoß der Altbürgermeister auf Nachfrage entschieden zurück: „Sozialer Wohnungsbau passt nicht ins Sonneneck. Wir wollen dort Platz für einkommensstarke Familien.“ Bürstadt gebe sozialem Wohnungsbau genügend Raum, etwa in der Burgunder- oder Römerstraße. Oli II komme noch hinzu.

Franz Siegl, SPD-Fraktionschef, sagt, „man muss Horst Strecker und Alfons Haag zugute halten, dass sie in ihrer Zeit wirklich viel getan haben für mehr Wohnraum, auch sozialen“. Soweit wären CDU und FDP heute dagegen längst nicht. Allerdings erklärt Siegl, dass auch die SPD sozialen Wohnungsbau „draußen im Sonneneck nicht sieht. Sozialer Wohnungsbau muss zur Integration der Menschen zentrumsnah sein“.

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