Bürstadt

Sport- und Bildungscampus Abriss der Tribüne beim VfR Bürstadt fast abgeschlossen / Charakter der Spielstätte des Traditionsclubs verändert sich deutlich

An ein Stadion erinnert jetzt nicht mehr viel

Archivartikel

Bürstadt.Die Tage des Bürstädter Robert-Kölsch-Stadions sind gezählt. Spätestens seit dieser Woche ist dieser Satz mehr als eine schnöde Redewendung: Am Montagmorgen begann der Abriss der 1972 errichteten Stadiontribüne, dem Prunkstück der früheren Zweitliga-Spielstätte. Bis zum frühen Mittwochabend waren knapp drei Viertel des Bauwerks abgetragen. „Morgen Abend ist sie weg“, sagte ein Bauarbeiter am Mittwoch dem Südhessen Morgen.

Mit dem Abriss der Stehränge hatte das Ende des Robert-Kölsch-Stadions vor drei Wochen konkrete Formen angenommen. Die Banden vor der Haupttribüne sind ebenfalls schon abgebaut.

Auch wenn der Abriss schon seit Mai vergangenen Jahres beschlossene Sache ist: Die Verantwortlichen des VfR Bürstadt tragen Trauer. „Mit dem Abriss der Tribüne geht ein Stück Bürstädter Fußballgeschichte unwiderruflich verloren“, erklärte VfR-Pressewart Norbert Krezdorn. „Es ist nun einmal so entschieden worden“, sagte der langjährige Platzwart Richard Stockmann. Beide stellten gleichwohl klar, nichts gegen den vorgesehenen städtischen Bildungs- und Sportcampus zu haben.

Der 1910 gegründete Fußballverein verbindet eine lange Tradition mit dem Gelände. 1924 war der Waldsportplatz auf dem heutigen Areal fertiggestellt worden. 1948 erfolgte die Einweihung des Waldstadions, das 1990 nach dem langjährigen Vereinsgönner Robert Kölsch benannt wurde.

Zwischen 1977 und 1985 spielten die Schwarz-Weißen vier Saisons in der Zweiten Bundesliga. Im Juni 1984 stieg der Deutsche Amateurmeister von 1975 zum letzten Mal in die zweithöchste Spielklasse auf. Unvergessen ist dabei der 4:0-Heimsieg vor mehr als 10.000 Zuschauern im Aufstiegsspiel gegen Top-Favorit 1860 München. Doch die großen Jahre forderten ihren Tribut: 2002 trat der wirtschaftlich schwer angeschlagene VfR sein Stadion an die Stadt ab. Ob sich das Robert-Kölsch-Stadion in der kommenden Saison überhaupt noch Stadion nennen darf, ist Ansichtssache. Der Duden definiert das Wort Stadion als eine „mit Rängen, Tribünen für die Zuschauer versehene, große Anlage für sportliche Wettkämpfe und Übungen, besonders in Gestalt eines großen, oft ovalen Sportfeldes“.

Zumindest der Teil mit den Rängen und Tribüne ist nun weggefallen. Vom Stadioncharakter wird bis auf den Rasenplatz, die Anzeigetafel und dem Grundriss der einstigen Zuschauerränge nicht mehr viel übrig bleiben.

Für den Bildungs- und Sportcampus wird mit einer sogenannten interaktiven Tribüne geplant, allerdings ohne überdachte Sitzplätze, wie die Planer zum Baustart Anfang Juni erläutert haben. Immerhin versprechen sie, dass es weiterhin Umkleiden und öffentliche Toiletten geben soll.

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