Bürstadt

Geschichte Johann Theodor Hartmann ließ vor 200 Jahren eine Andachtsstätte in Bürstadt errichten

An Kapelle erinnert

Archivartikel

Bürstadt.„Dort, wo sein Esel stehen bleiben würde, wollte er eine Kapelle bauen lassen – sofern er aus dem Krieg nach Bürstadt zurückkehrt.“ Helmuth Gärtner erinnert sich gerne an diese Geschichte, die ihm seine Großmutter Apollonia Heiser erzählt hat. Denn die Kapelle hat ein Verwandter von ihm tatsächlich errichtet: Sie stand auf dem Friedhof, und zwar an der südwestlichen Ecke. „Ältere Bürstädter können sich noch gut daran erinnern“, ist Gärtner überzeugt. Als „ehemalige Andachtskapelle“ ist sie auch im Bürstadt-Bildband von 1985 erwähnt.

Besuchen kann Gärtner die Kapelle leider nicht mehr. Der Bürstädter Heimatforscher schätzt, dass sie beim Umbau des Friedhofs Anfang der 1970er Jahre abgerissen wurde. Damals entstand die heutige Friedhofskapelle, die 1972 eingeweiht wurde. Viel wichtiger ist Gärtner aber, dass er inzwischen herausgefunden hat, welcher Verwandte das Gotteshaus Anfang des 19. Jahrhunderts errichten ließ: Johann Theodor Hartmann. Gärtner weiß aus Kirchenbüchern in Mainz, dass Hartmann am 16. Februar 1777 geboren wurde und am 17. Mai 1847 starb.

Esel stoppt auf freiem Feld

„Er ist in den Napoleonischen Kriegen erblindet und hatte sich geschworen, eine Marienkapelle zu errichten, sollte er wieder nach Hause kommen.“ Der Esel sei vor rund 200 Jahren nördlich von Bürstadt auf freiem Feld stehen geblieben. „Die heutige Martinstraße war zu der Zeit der Ortsrand von Bürstadt, weiter ging die Bebauung nicht“, erklärt Gärtner. In Büchern hat der Heimatforscher zudem nachgelesen, dass es im Jahr 1800 gerade mal 1354 Einwohner in Bürstadt gab. Etwa um diese Zeit sei die Kapelle entstanden.

Doch 1860 habe der damalige Kirchen- und Gemeinderat beschlossen, die Kapelle abzutragen und einige Schritte weiter – auf dem neuen Friedhof – wieder aufzubauen. „Der Friedhof war zuerst zwischen Jahn-, Friedhof-, Main- und Kanalstraße und ist dann an seine heutige Stelle versetzt worden“, erklärt Gärtner. Dort fand das kleine Gebäude dann seinen Platz – zumindest für gut 100 Jahre bis zum Abriss.

Im Sippenbuch konnte Helmuth Gärtner seinen Verwandten Johann Theodor Hartmann aber nicht finden. Jetzt weiß er weshalb: Dessen Vater Franz Hartmann ist 1744 nicht in Bürstadt, sondern in Gundheim zur Welt gekommen. „Er war der Ururgroßvater meiner Großmutter und Schulmeister in Klein-Rohrheim.“ Gestorben sei er dann im Mai 1807 in Bürstadt. Johann Theodor sei ein Sohn aus erster Ehe und Küfer von Beruf gewesen. „Er hatte einen Betrieb auf dem Boxheimerhof“, weiß Gärtner. Dort wurden viele Fässer gebraucht, da Schnaps gebrannt wurde. Und das noch bis vor einigen Jahren. An den Ofen samt Schornstein auf dem Boxheimerhof kann sich Gärtner gut erinnern – wie viele Bürstädter. cos

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