Bürstadt

Kirche Gemeinsame Position gegen Fremdenfeindlichkeit

Angebot für Gespräch steht

Bürstadt.Die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Bürstadt haben sich für den Abbau von Ängsten gegenüber Fremden starkgemacht. Pfarrerin Johanna Kluge, Pfarrer Peter Kern und Michael Held, Gemeindereferent in St. Michael, erklärten in einen Pressegespräch, jedem, der Ängste und Sorgen wegen der Flüchtlinge in der Stadt hat, das Gespräch anzubieten. "Flüchtlinge und Gastfreundschaft aus christlicher Sicht" lautete das Thema der Einladung.

Dass die bevorstehende Bundestagswahl und der Zulauf bei der AfD Anlass zu dem Gespräch war, wollten Kluge, Kern und Held nicht direkt bestätigen. Sie bestritten es aber auch nicht. "Wir wollen uns nicht einmischen, wir geben keine Wahlempfehlung ab. Das ist nicht unser Auftrag", sagte Kluge. Kern ergänzte, es könne sich jeder seinen Reim darauf machen, wer hier gemeint ist.

Er sehe sich vielmehr angespornt von seinem neuen Bischof, so Kern. Peter Kohlgraf hatte dazu aufgefordert, sich einzumischen. "Wir haben eine Meinung dazu und wollen sie kundtun", erklärte Johanna Kluge. Flucht habe es schon immer gegeben und die Ängste vor Fremden auch. Deshalb setzten sie und ihre Mitstreiter auf die Begegnung. Wer bereit sei, Fremde kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen, der könne auch Ängste abbauen, so Kluge.

Gelegenheiten dazu gebe es in Bürstadt, sagte Michael Held und erinnerte an zahlreiche öffentliche Veranstaltungen und Einrichtungen, die den Kontakt ermöglichten. "Alle Menschen sind verschieden und doch gleich wertvoll", heißt es unter anderem im Positionspapier der Kirchengemeinden. Integration bedeute nicht vollkommene Anpassung, niemand solle seine eigene Identität unterdrücken müssen, betonte Held. "Wir sind nicht blind vor Begeisterung für die Integration. Wir wissen auch, dass sie uns immer wieder vor große Probleme stellt."

Am Telefon beschimpft

Pfarrerin Kluge auf die Frage, wie Kirche die erreicht, die ihrer Einladung zum Gespräch oder zur Begegnung nicht folgen: "Wenn jemand unverrückbar an seiner Meinung festhält, haben wir keine Chance." "Ja, es kommen nur die Leute mit einer offenen Grundhaltung", bestätigt Held. "Ich habe mich mal auf dem Marktplatz in eine Menschenkette gestellt. Dafür bin ich am Telefon beschimpft worden. Sich mit den Anrufern auszutauschen, war nicht möglich", erinnert sich Pfarrer Kern. Ihr Appell richte sich an jene, die Ängste oder Unsicherheiten hegten - und die darüber sprechen wollten. mas

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