Bürstadt

Aus der Wahl nichts gelernt?

Zu den geplanten Neubaugebieten in Biblis:

Den Berichten „Baupläne für Gelände an der Bahn“ und „Biblis ist stark gefragt“ , ist zu entnehmen, dass die Gemeinde Biblis erneut beabsichtigt, die Entwicklung des Baugebiets und die Grundstücke und deren Bebauung Investoren und nicht den bauwilligen Biblisern selbst zu übertragen. „Sahnestücke“ sind den Investoren willkommen, auf Grundstücken mit zu erwartenden Auflagen zu Lärmschutzmaßnahmen soll die Gemeinde tätig werden.

Erstaunlich, dass man aus den Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit nichts gelernt hat. Ein Großteil der so entwickelten Grundstücke im Westen von Biblis ist (aus Kostengründen?) noch nicht vergeben bzw. noch nicht bebaut.

Jahrzehntelang war in Biblis die Handhabung bei der Entwicklung der Baugebiete und der Vergabe der Bauplätze eine völlig andere: Erstellung der Bebauungspläne, Parzellierung der Grundstücke, Erschließungsmaßnahmen zur Ver- und Entsorgung und Straßenbau wurden im Vorfeld der Vergabe durch die Gemeinde vorgenommen, diese Kosten bei der Vergabe an den einzelnen Bauherrn von den Käufern der Grundstücke an die Gemeinde erstattet.

Größter Vorteil dieser Abwicklung waren Kosteneinsparungen für die Bauherren. Da Zwischenhändler, Investoren (oder gar Grundstücksspekulanten) nicht zwischen Kommune und Bauherr eingeschaltet waren, fielen Kosten dafür bei den Grundstückskäufern nicht an.

Familien unterstützen

Wäre es – nicht zuletzt mit Blick auf die letzten Wahlergebnisse in Biblis – höchste Zeit, wieder zu der ursprünglichen Handhabung zurückzukommen? Die Stimmenzahl bei beiden „Volksparteien“ sollte eigentlich Anlass sein, einiges auch aus diesem Bereich zu überdenken. Ist man dort noch lernfähig?

Neben Berücksichtigung von Maßnahmen des sozialen Wohnungsbaus mit der Schaffung bezahlbarer Wohnungen sollten die Wege zum Bau von Einfamilienhäu-sern geprüft werden. Bei entsprechenden Vorgaben (z. B. junge Familien, Familien mit Kindern etc.) im Vergabeverfahren könnten Baugrundstücke von Interessenten aus Biblis direkt von der Gemeinde kostengünstiger erworben werden.

Jahrzehntelang war das so üblich. Und es war erfolgreich üblich. Zwischengeschaltete Investoren, Immobilienhändler u.ä. wären nicht notwendig, könnten auch keine Kosten von den Käufern geltend machen. Grunderwerbsteuer würde nur den Baugrund und nicht auch die Bausubstanz umfassen.

Vorgaben zu Energiesparmaßnahmen wie z.B. Bau als Niedrigenergiehaus, Einsatz erneuerbarer Energien und ähnliches lassen sich auch in den Bebauungsplänen festschreiben und umsetzen, ohne dass Investoren zwischengeschaltet sind.

Wie sieht künftig Bürgernähe bei den nächsten Bebauungsplänen, Grundstücksvergaben und Bebauungen in Biblis aus? Die Beschlüsse zum „Werrtor“ und „Nördlich des Rübgartens“ könnten zeigen, ob Biblis nur bei den Investoren oder auch bei den Bauherren stark gefragt ist. Reinhold Bauer, Biblis

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