Bürstadt

Gewerbeflächen Finanzielle Beteiligung an neuer Erschließungsstraße angekündigt / Kleintierzüchter und Pferdehof dürfen bleiben

Bahn redet beim Mittelfeld mit

Archivartikel

Bobstadt.Das Bobstädter „Mittelfeld“ hat für den Schienenverkehr eine ganz besondere Bedeutung: Wenn der Bahnübergang im Ortsteil geschlossen werden muss, führt keine Straße mehr zum Bahnsteig in Richtung Frankfurt. Damit kommt die neue Zufahrt ins Spiel, die künftig von der B 44 ins Mittelfeld und damit auch zu den Zügen führen soll. Wird für die Trasse rechtzeitig Baurecht hergestellt, beteilige sich die Bahn an den Kosten, berichtet Planer Michael Schweiger im Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung.

Etwa 20 Hektar zwischen Gleisen und B 44 sollen Platz für Gewerbe bieten. Die Dietz AG will den südlichen Bereich entwickeln und hat dazu eigens den Kreisel am Brückelsgraben finanziert. Von dort aus soll dann die Straße zum Mittelfeld führen. Für die Bahn ist das eine perfekte Möglichkeit, so auch die Gleise in Richtung Norden anzubinden, wie Michael Schweiger vom Büro Schweiger und Scholz erläutert. Weil die Züge alle halbe Stunde fahren sollen, müsse die Strecke möglichst frei von Störungen – und eben von Bahnübergängen – sein.

Schon für 2023 will sich die Bahn ein Zeitfenster sichern, in dem sie am Rückbau arbeiten kann, erläutert Schweiger. Weil dann keine Züge mehr fahren dürfen, müsse mit langer Vorlaufzeit geplant werden. Damit komme eine „gewisse Dynamik auf“, wie Bürgermeisterin Bärbel Schader betont. Eigentlich war das Jahr 2025 angepeilt, um erste Grundstücke in dem Bereich anbieten zu können.

Eile ist also geboten. Mit einem prall gefüllten Aktenordner voller Gutachten zu Lärmschutz und Artenvielfalt ist Planer Schweiger zur Sitzung gekommen. Knapp tausend Seiten, die es in kurzer Zeit von den Mitgliedern des Gremiums durchzuarbeiten galt, wie Franz Siegl (SPD) schon zu Anfang der Sitzung bemängelt. „Das ist tatsächlich eine Zumutung“, räumt Schweiger ein. Allerdings sei es für Bürstadt durchaus sinnvoll, hier mit der Bahn gemeinsame Sache zu machen: Ein großer Teil der Kosten für die neue Erschließung werde übernommen, stellte der Planer in Aussicht – ohne konkrete Zahlen zu nennen.

„Grünste Plan“ der Stadt

Mittlerweile könne die Planung auf die Zielgerade einbiegen. „Das wird der grünste Plan, den Bürstadt je hatte“, stellt Schweiger fest. So müssen 75 Prozent der Dachflächen begrünt werden. Außerdem soll das komplette Niederschlagswasser innerhalb der rund 20 Hektar über Mulden im Erdreich versickern. Auch jede Menge Bäume seien vorgesehen. Die Straßenbaubehörde Hessen Mobil hat sich zudem vorbehalten, dass ein 20 Meter breiter Streifen Abstand zur B 44 eingehalten wird. „Unsere Erschließungsstraße dürfen wir aber dennoch bauen“, versichert der Planer.

Für das Mittelfeld sind inzwischen einige Hürden aus dem Weg geräumt. So können der Kleintierzuchtverein und der Pferdehof bleiben, wie Schweiger versichert. Dabei habe es durchaus Bemühungen gegeben, beide Einrichtungen zum Wegzug zu bewegen. Die Lösung: Der Bebauungsplan weist das Mittelfeld Nord nicht als reines Gewerbegebiet aus. Unter speziellen Auflagen sind damit sowohl die Kleintierzüchter als auch die Pferdepension genehmigungsfähig. „Allerdings wird es weit weniger paradiesisch“, weist Schweiger daraufhin, dass aus einem Großteil der Koppeln Bauland werde. In Ausnahmefällen sind auch Wohnungen direkt am Betrieb erlaubt. Vorgesehen ist der nördliche Bereich vor allem für kleinteiliges Gewerbe. Den Vorzug sollen zunächst Betriebe aus dem Stadtgebiet erhalten. „Wir sollten das Gebiet behutsam entwickeln“, regt Alexander Bauer (CDU) an. „Sie sollten sich die Firmen genau ansehen“, hat zuvor auch Schweiger seinen Zuhörern ans Herz gelegt.

15 Meter hohe Bebauung

Bauchweh bereitet den Politikern allerdings, dass im nördlichen Mittelfeld bis zu 15 Meter hoch gebaut werden darf. „Das entspricht der Höhe der Rossmann-Halle. Und das erscheint mir zu hoch“, macht Franz Siegl (SPD) deutlich. Im Mittelfeld Nord dürfen die Gebäude höchstens zwölf Meter erreichen. Uwe Metzner (Grüne) drängte darauf, weitere Logistik-Betriebe auszuschließen. Ohnehin ist ihm der zusätzliche Flächenverbrauch für die neuen Gewerbegrundstücke ein Dorn im Auge. Noch konnten nicht alle benötigten Flächen angekauft, berichtet Michael Schweiger.

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