Bürstadt

Rückblick Bürstadt hat gleich mehrere Großprojekte in Arbeit / Bahnhof und Sport- und Bildungscampus beschäftigen Politiker

Baustelle erfordert große Geduld

Archivartikel

Bürstadt.Sogar die Kritiker sind durchweg angetan: Der verkehrsberuhigte Teil der Nibelungenstraße in Bürstadt präsentiert sich frisch saniert, blitzsauber und wohlgeordnet: Fußgänger, Radfahrer und Autos haben jetzt deutlich voneinander angegrenzte Bereiche. Der neue Kreisel an der Einmündung zur Nibelungenstraße entlockt allerdings so manchem Passanten eine spöttisch-bissige Bemerkung.

Nach dem Umbau der Nibelungenstraße hat sich Bürstadt für 2020 noch weitere Großprojekte vorgenommen: Am Bahnhof läuft die Umgestaltung weiter, und für den Bildungs- und Sportcampus soll im Frühling der Startschuss fallen. Und auch der zweite Abschnitt der Nibelungenstraße soll im Frühjahr umgestaltet werden.

Nach der verkehrsberuhigten Zone ist der Bereich bis zum Viadukt an der Reihe. Allerdings wird die Sanierung hier weit weniger aufwendig. Den Asphalt will die Stadt nicht aufreißen. Aber auch hier sollen die Parkplätze übersichtlicher sortiert, neue Bäume gepflanzt werden. Und den Radfahrern wird mit Fahrbahnmarkierungen mehr Platz eingeräumt. In der verkehrsberuhigten Zone haben sie eine eigene Spur erhalten und dürfen – anders als die Autos – auch in Gegenrichtung der Einbahnstraße fahren.

Den Radverkehr verbessern und sicherer machen, ist eine der Vorgaben, die sich Bürstadt gemacht hat. Eine weitere: Staus vor dem Historischen Rathaus bis weit hinein in die Nibelungenstraße hinein sollen der Vergangenheit angehören. Über eine Lösung für dieses Problem wurde ausgiebig und heftig diskutiert. Die Bürger finden sich zum Ortstermin ein und schauen sich an, welche Ausmaße der neue Kreisel einnehmen soll. Mittlerweile verbindet tatsächlich ein großzügiger Rundkurs die Nibelungen- mit der Mainstraße. Für Fans eine gute Lösung. Für Kritiker ein riesiges Unikum, das den Verkehr ausbremst, statt für einen stetigen Fluss zu sorgen.

Streit um Lieferverkehr

Ein handfester Streit entzündet sich auch am Thema Lieferverkehr. Vor allem Michael Gärtner von der Metzgerei Doll fordert eine Parkmöglichkeit für die 40-Tonner, die ihn mit Waren versorgen. Schließlich ist ein Kompromiss gefunden, in direkter Nähe zur Metzgerei wird eine Lieferzone eingerichtet. Die Bürstädter Geschäftsleute haben mit den Bauarbeiten allerdings noch ein Problem der ganz anderen Art: Ab 11. Mai reißen die Bagger den Platz rund ums Historische Rathaus auf, gerade mal zwei Wochen nach dem Ende des strengen Lockdowns im Frühjahr. Kaum dürfen die Läden ringsum wieder öffnen, entsteht eine Baustelle vor der Tür. Fürs Bistro Flair ist damit während der kompletten Freiluftsaison gar keine Außenbewirtung möglich. Bis in den Dezember hinein dauert es, bis die Arbeiten abgeschlossen sind. Solange müssen die Kunden für ihre Erledigungen immer neue Umwege in Kauf nehmen.

Dabei haben Politik und Verwaltung den Beginn der Adventszeit als Zielmarke festgelegt. Die Unternehmer sollten nach der Krise wenigstens das Weihnachtsgeschäft ohne Einbußen mitnehmen können – das endet wegen des zweiten Lockdowns allerdings schon eine Woche vor Heiligabend.

Heftige Diskussionen gibt es auch um das zweite große Städtebauprojekt: den Bereich nördlich des Bahnhofs. Die große Frage lautet: Bleibt der Raiffeisenturm stehen oder soll er fallen? Für die einen ist er eine überflüssige Industrieruine, für andere ein Bürstädter Wahrzeichen. Der zuständige Ausschuss hat sich zwar schon vor Monaten für den Abriss ausgesprochen. Inzwischen stehen aber gleich mehrere Investoren für das ehemalige Raiffeisengelände bereit. Sie wollen den Turm erhalten – und nutzen. Die endgültige Entscheidung verschieben die Politiker aufs Frühjahr. Bis dahin wollen sie die Konzepte der verschiedenen Interessenten prüfen.

Unabhängig davon laufen die Arbeiten im nördlichen Bahnhofsbereich weiter: Es gibt neue Bahnsteige, Park & Ride-Plätze und Abstellboxen für Fahrräder. Zudem sollen neue Fahrstühle Reisende zum oberen Gleis befördern.

Spatenstich im Frühjahr

Für das vielleicht größte Bürstädter Bauprojekt, den Bildungs- und Sportcampus, sind bis Ende des Jahres alle Argumente ausgetauscht, alle Kämpfe gefochten: Jahrelang diskutieren die Parteien über die Wünsche der Sportvereine, streiten über zu hohe Pflege- und Abschreibungskosten. Die Detailplanung gleicht einer Art Riesenpuzzle-Spiel, so sehr werden die verschiedenen Sportplätze und Trainingsfläche ineinander verschachtelt. Es werden Konzepte für eine ausgefeilte Beleuchtung und eine hocheffiziente eigene Stromerzeugung vorgelegt, eine ganze Reihe an Bäumen gefällt. Förderbescheide von Bund und Land flattern ins Haus. Demnächst kann es endlich losgehen: Im April, spätestens Mai, soll der Spatenstich stattfinden.

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