Bürstadt

Abendmusik Gunter Brenner gibt sonntags Ein-Mann-Konzerte auf dem Jahnplatz / Viele Zuhörer auf den Balkonen

Beim Zuhören den Alltag vergessen

Archivartikel

Bürstadt.Seit sechs Wochen macht Gunter Brenner jeden Sonntagabend Musik auf dem Bürstädter Jahnplatz. Damit möchte er den Senioren im betreuten Wohnen den Alltag etwas abwechslungsreicher gestalten. „Ich mach das sehr gerne“, betonte er.

Der 60-Jährige ist seit 1970 bei der Katholischen Kirchenmusik (KKM). Mit seinen Ein-Mann-Konzerten folgt er damit der Aufforderung des hessischen Blasmusikverbands, wie viele seiner Kollegen auch. Die Noten stellt der Verband zur Verfügung. „Ich bearbeite sie manchmal noch ein bisschen, damit sie auf mein Instrument angepasst sind“, verriet Brenner.

Er spielt sein Euphonium – ein Verwandter des Flügelhorns – etwa eine halbe Stunde lang und hat ein breites Repertoire. Die „Ode an die Freude“ und kirchliche Lieder sind mit dabei, aber auch Stücke, die in die Jahreszeit passen wie „Der Mai ist gekommen“. „Da können alle Zuhörer sogar mitsingen. Ich teile vorher immer an alle, die draußen auf den Bänken Platz nehmen, Texte aus. Am vergangenen Sonntag hab ich die Texte schon früher verteilt, weil es regnete“, erzählte Brenner.

Der frühere Bürgermeister und langjähriger Stadtverordnetenvorsteher Horst Strecker ist sein Nachbar und oft mit dabei, wenn Brenner für die Senioren spielt. Strecker informierte auch unsere Redaktion über die musikalischen Abende, weil er Brenners Engagement gewürdigt wissen will.

Brenner selbst war sehr lange im Vorstand der KKM, die Musik ist ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Und diese Freude an der Musik will er weitergeben an die Senioren, die gerade in dieser Corona-Zeit fast noch mehr Einschränkungen hinnehmen müssen als jüngere Bürger.

Gemeinschaft mit KKM-Musikern

Beim Zuhören vergessen viele die Sorgen des Alltags, schwelgen in Erinnerungen und kommen auf andere Gedanken, weiß er. „Mir gibt es sehr viel zurück, wenn ich weiß, dass die Senioren eine Zeit lang von den Sorgen um ihre Gesundheit abgelenkt sind“, erzählte der 60-Jährige. Was ihn besonders freut, ist die Gemeinschaft mit vielen anderen Musikerkollegen aus der KKM. Pünktlich, kurz nach 18 Uhr, ertönt an ganz vielen Stellen in Bürstadt Musik von den einzelnen Instrumenten des Blasorchesters, von Balkonen, Fenstern oder manchmal aus dem Hof. Brenner wohnt direkt neben der Wohnanlage in der Jahnstraße, und so wird er oft schon samstags von Senioren über den Balkon hinweg gefragt: „Spielst du morgen wieder?“ Und auch das gibt ihm das gute Gefühl, mit seinen Auftritten eine Lücke zu füllen und den Menschen etwas zu geben, dass ihnen gerade in diesen Tagen fehlt.

Am Sonntag hieß das Motto des Blasmusikverbandes „Lieder, die verbinden“. Unter anderem spielte er das Stück „Die Gedanken sind frei“. Von den Regentropfen, die abends fielen, ließ sich er sich nicht abhalten. Er begrüßte wie immer seine Zuhörer, die recht zahlreich auf den Balkonen erschienen waren. „Die Musik soll Hoffnung geben, Ideen hinaustragen, und die Stimme soll erhoben werden für eine bessere Welt“, zitierte er dabei die Vorstellungen des Musikverbands, holte Luft und ließ sein Euphonium erklingen.

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