Bürstadt

Europawahl Vom Dürresommer über Landwirtschaft bis zum Kernkraftwerk – hessische EU-Politiker sehen viele Berührungspunkte

Brüssel regiert bis ins Ried

Bürstadt.Was hat die EU mit Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim zu tun? Gut eine Woche vor der Europawahl hat der Südhessen Morgen diese Frage den hessischen EU-Abgeordneten gestellt. Und die einhellige Meinung ist: Es gibt jede Menge Berührungspunkte.

„Umweltpolitik wird in Brüssel gemacht. Und gerade für Südhessen hat der Klimawandel gravierende Folgen.“ Grünen-Politiker Martin Häusler (Bild) greift für seine Antwort direkt zum Telefonhörer. Im Ried kennt sich der gelernte Biobauer aus und hat schon oft Kollegen vor Ort besucht. Dass hier Spargel und Gemüse wächst, der Boden oft sandig ist, ist ihm bekannt, „Wenn hier die Niederschläge ausbleiben, kann das sehr schnell dramatisch werden.“ Für die Grünen sitzt er im europäischen Agrar- und Umweltausschuss. Zuhause in Nordhessen bewirtschaftet er seinen eigenen Biohof. Seit dem vergangenen heißen Sommer beschäftigten sich viele Menschen mit dem Klimawandel, hat er festgestellt. In der EU würden die wichtigsten Weichen dafür gestellt. „Nie war das Thema wichtiger als jetzt“, sagt er.

„Europa beeinflusst unseren Alltag, jeden Tag“, stellt Michael Gahler (Bild) fest. Der CDU-Politiker lebt in Hattersheim am Main und sitzt seit 1999 als Abgeordneter für Südhessen im EU-Parlament. „Natürlich kenne ich das Ried gut“, stellt er klar. Schon allein, weil er zuvor im Auswärtigen Amt fürs Baltikum zuständig gewesen sei und sich ein enger Kontakt mit dem Litauischen Gymnasium entwickelt habe. Die Regeln der EU würden die Menschen hier genauso betreffen, wie alle Bürger in Europa, ob es das Trinkwasser, die Landwirtschaft oder die Vorschriften für technische Produkte betreffe. „62 Prozent des hessischen Außenhandels findet mit Europa statt“, betont er.

„Im Europaparlament machen wir Gesetze, die das Leben der Menschen direkt vor Ort betreffen“, betont Udo Bullmann (Bild), gemeinsam mit Katarina Barley SPD-Spitzenkandidat für Europa. So habe seine Fraktion durchgesetzt, dass für ganz Europa der Grundsatz gleicher Lohn für gleiche Arbeit gelte. Damit ende „die Ausbeutung des polnischen Bauarbeiters und des rumänischen Metzgers“. Davon profitierten aber auch die Menschen in der Region. Der „Betrieb um die Ecke“ könne mit Hungerlöhnen schließlich nicht mithalten. Der Gießener vertritt seit 20 Jahren die südliche Hälfte Hessens im EU-Parlament, und sei dort auch regelmäßig unterwegs. „Darauf bin ich stolz“.

Die Region von Lampertheim bis Groß-Rohrheim profitiere besonders von der EU, findet Thorsten Lieb (Bild). Der Frankfurter will als Nachfolger für Wolf Klinz als hessischer FDP-Kandidat ins Europaparlament einziehen. Und kennt sich auch in Südhessen gut aus, wie er berichtet. Mit dem Rhein, und den Straßen- und Schienenverbindungen von Nord nach Süd liege das Ried an wichtigen europäischen Verkehrsachsen. Diese zentrale Lage könne – nach dem Aus fürs Atomkraftwerk – dazu beitragen, den „schwierigen Strukturwandel gerade rund um Biblis“einfacher zu gestalten.

Zumal in den vergangenen fünf Jahren rund 14 Millionen Euro an Fördergeldern in den Kreis Bergstraße geflossen seien. „Mit diesem Betrag sind vor allem die Landwirtschaft und der Städtebau unterstützt sowie soziale Projekte verwirklicht worden.“ Bilder: Häusling, dpa, Bullmann, Lieb

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