Bürstadt

Neujahrsempfang Bürgermeisterin Bärbel Schader benennt Umweltschutz, Verkehswende und das soziale Miteinander als zentrale Themen für die Zukunft

Bürstadt will besseres Klima schaffen

Bürstadt.Mit dem Stück „Colors of Wind“ aus dem Disney-Film Pocahontas stimmt Tobias Molitor die Besucher im Bürstädter Bürgerhaus am Klavier auf den Neujahrsempfang der Stadt ein. Dieser kennt vor allem ein Thema: den Klimaschutz. Das Lied erinnere sie daran, „wie wundervoll unsere Schöpfung ist“, erklärt Bürgermeisterin Bärbel Schader zu Beginn ihrer Rede. Die Bewahrung und Achtung der Schöpfung sei ein Auftrag, den man nur als Gemeinschaft bewältigen könne.

Dabei sieht sie jeden Einzelnen in der Pflicht, benennt aber die besondere Rolle der Kommunen, „die jetzt handeln können und jetzt handeln müssen“. Diese Verantwortung habe das Stadtparlament in seinen jüngsten Beschlüssen dokumentiert. Basis für die Realisierung der Ziele sei die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes, für das Geld im Haushalt eingeplant sei. Als zukunftsweisend lobt sie das Energiekonzept für den Bildungs- und Sportcampus. Im Haushaltsplan verankert sind auch mehr Bäume für das Stadtgebiet, die Umsetzung des Pappelkonzeptes, die Aufwertung des Biotops im Flur 21/22 und weitere Grünflächen sowie die Entwicklung einer Grün-Charta. Für das Jahr 2020 und die Folgejahre stelle die Stadt deshalb jährlich ein Budget von 80 000 Euro für Maßnahmen im Bereich Naturschutz bereit.

Ideengeber und Koordinator

Die Stadt sei nicht nur als Investor, sondern auch als „Ideengeber und Koordinator für weitere Klimaschutzaktivitäten vor Ort“ gefragt, die Akteure zusammenbringe, Konzepte initiiere und Überzeugungsarbeit leiste. Explizit nennt sie die „unzähligen Solaranlagen auf privaten Hausdächern und Werkshallen“ sowie die Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der TSG- und der TV-Halle, die die Energiegenossenschaft Starkenburg gemeinsam mit den Bürgern gebaut hat.

In den Kontext ordnet die Bürgermeisterin auch die Mobilität ein: „Ohne uns Kommunen wird die Verkehrswende nicht klappen“, ist sich Schader sicher. Deshalb müsse es gelingen, den Individualverkehr in der Stadt und den Ortsteilen zu reduzieren. Radfahren und Laufen müssten attraktiv und sicher werden. Der Plan zum Ausbau des Radwegenetzes werde im Frühjahr vom Kreis vorgestellt. Um gleich tätig werden zu können, habe die Stadt 100 000 Euro bereitgestellt. Außerdem verweist Schader auf das Fahrradverleihsystem des VRN, das vier Stationen in Bürstadt hat. Eine soll künftig in Bobstadt stehen. Bürstadt beteilige sich außerdem am ÖPNV-Angebot des Kreises Bergstraße, habe in die Gleisquerung am Bahnhof investiert, um damit einen kurzen Weg zwischen Innenstadt und Steinlache herzustellen. Und derzeit beteiligt sich die Stadt an den Kosten für die Aufzüge zur S-Bahn.

Schader will aber nicht nur etwas für das Weltklima tun, sondern auch für das soziale Klima in der Stadt. Sie weist auf die Herausforderungen der Digitalisierung hin, ist sich klar darüber, dass dann nicht mehr so viele menschliche Kontakte stattfinden, sondern viele Behördengeschäfte am Computer und über das Internet abgewickelt werden. Zugleich will die Stadt aber auch neue Formen des nachbarschaftlichen Zusammenlebens fördern. Sie will Orte und Anlässe der Begegnung und der Beratung schaffen. Hier spielt für Schader das neu eingerichtete Quartiermanagement eine zentrale Rolle.

Wohnungsbau im Fokus

Die Stadt plant mit Hilfe von Förderprogrammen Investitionen in Höhe von 14,5 Millionen Euro. Vieles fließe in die Verbesserung der Infrastruktur, vom Kanalbau über den öffentlichen Nahverkehr bis in die Kinderbetreuung. Aber auch der Wohnungsbau soll gestärkt werden mit den Neubaugebieten im Sonneneck und Langgewann. Mit der Baugenossenschaft sei die Stadt im Gespräch, ein Projekt im sozialen Wohnungsbau anzugehen. Für das Obdachlosenkonzept stehen 250 000 Euro zur Verfügung. Und die Bürstädter Grundstücksentwicklungsgesellschaft arbeite an einem Wohnraumentwicklungskonzept. Gemeinsam mit allen will die Bürgermeisterin die Herausforderungen für ein besseres Klima bewältigen.

Pfarrerin Johanna Gotzmann dankte der Bürgermeisterin für deren „zukunftsweisende Worte“. Auch sie sieht viele Aufgaben vor sich, für Vereine, die Kirche, die Gesellschaft. Sie appellierte an die Anwesenden, in sich selbst zu vertrauen und in andere. Und in Gott.

Vertrauen war auch ein zentrales Thema für Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Eberle, vor allem das Vertrauen in die Demokratie. Diese müsse allerdings lebendig sein und gestaltet werden. Dafür brauche es Menschen, für die Demokratie Lebensstil und innere Überzeugung sei. Und gleichzeitig den Mut zu neuem Denken.

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