Bürstadt

Vereine und Corona Schon im April ins Online-Training gestartet und seit Juni wieder in der Halle / Erste Mannschaft fiebert Zweitliga-Turnier im Dezember entgegen

Bürstädter Judoka sehnen sich nach Wettkämpfen

Archivartikel

Bürstadt.Die Sportvereine eint derzeit ein Problem: Wie das Beste aus einer Situation machen, die es so noch nie gab? Nach Beginn der Corona-Pandemie kam der Trainings- und Wettkampfbetrieb auch beim Judo-Club Bürstadt quasi über Nacht vollständig zum Erliegen.

„Ab dem 16. März wurde alles eingestellt“, erinnert sich Nadine Müller, Trainerin der Judoka, an den Tag, an dem der Club der sportliche Lockdown ereilte. Zwei Wochen später und somit als einer der ersten Vereine der Region, begann man mit dem Online-Training. Übungen ohne Partner, doch immerhin mit visuellem Kontakt zur Mannschaft, sollten zweimal wöchentlich Athletik und Motorik, aber auch das Gemeinschaftsgefühl aufrecht erhalten.

Im Juni startete wieder das Teamtraining in der Halle der Erich Kästner-Schule. Eine vorherige Anmeldung samt Gesundheitsbescheinigung sind auch jetzt noch nötig, um an den Einheiten teilnehmen zu dürfen. Für die Wettkämpfer ist das ein Fortschritt, aber freilich noch längst nicht zufriedenstellend.

Gerade die erste Mannschaft der Judoka hatte 2020 Großes vor, stand sie doch vor einer vielversprechenden Saison in der Zweiten Bundesliga. Die Vorfreude war groß, bevor das Virus dem ehrgeizigen Projekt ein – zumindest vorläufiges – Ende setzte. „Das ist für uns eine schwierige Situation. Denn wenn man nicht kämpfen darf, fragt man sich, wofür man eigentlich trainiert“, äußert Müller. Sie hält die Maßnahmen, welche die Ausbreitung der Pandemie stoppen sollen und so auch den Sport lahmgelegt haben, für angemessen und bescheinigt dem 1. JC den optimalen Umgang mit der prekären Lage.

Der erste Vorsitzende des Vereins, Reinhold Schober, sieht das ähnlich. In Eigeninitiative habe man versucht, das Maximum für die Mitglieder zu ermöglichen. Besonders das Engagement der Trainer hebt er hervor. „Wir haben eine gelungene Kombination aus professionellen Strukturen und Zusammenhalt im Verein“, glaubt er das Erfolgsrezept zu kennen.

Finanziell sei ein Loch in vierstelliger Höhe entstanden. Die Judo-Safari, das Krümel-Randori, die Bezirks-Einzelmeisterschaft, drei Wettkampftage in der Zweiten Bundesliga, das Sommerfest, der Weihnachtsmarkt und mehrere Workshops in den ebenso angebotenen Kampfsportarten Jiu Jitsu und Modern Arnis: „Die Liste der Ausfälle ist groß und staatliche Zuschüsse bekommen wir nicht.“ Einig sind sich im Verein alle darüber, dass sich das Geschehen erst dann wieder gänzlich normalisiert, wenn ein Impfstoff gegen Covid 19 gefunden ist.

Damit das Wettkampfjahr 2020 nicht gänzlich verloren geht, plant der Hessische Judoverband in den kommenden Wochen die Durchführung der Hessenmeisterschaften in den Bereichen U13 und U15. Am 12. Dezember wird die erste Mannschaft ihren Auftritt haben. Dann soll die Zweite Bundesliga an einem Tag, quasi als Turnier, ausgetragen werden. Einen Absteiger gibt es nicht in diesem denkwürdigen Jahr. Mit 2021 verbinden die Kämpfer nicht nur sportliche Ziele, sondern in erster Linie eine Sache: den Wunsch nach Normalität.

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