Bürstadt

Prozess 25-Jähriger nach Überfall auf Pizzaboten verurteilt

Bürstädter muss ins Gefängnis

Archivartikel

Bürstadt/Darmstadt.Für drei Jahre und neun Monate soll ein 25-jähriger Bürstädter in Haft. Das Landgericht Darmstadt hat den einschlägig vorbestraften Mann am Mittwoch wegen schwerer räuberischer Erpressung und Verstoßes gegen die Führungsaufsicht verurteilt. Das Gericht entsprach damit dem Antrag von Staatsanwalt Tobias Stewen.

Der geständige Mehrfachtäter hatte im Januar 2019 mit einem Komplizen einen Pizzaboten mit einer Waffe bedroht und ausgeraubt. Dass es sich dabei lediglich um eine Spielzeugpistole gehandelt haben soll, war für das Opfer nicht erkennbar. Die klägliche Beute des Überfalls: 145 Euro Bargeld und ein Handy. Das Motiv des räuberischen Duos: Geldprobleme.

Der Komplize – ein 22 Jahre alter, bislang unbescholtener Fachabiturient – ist bereits im Februar verurteilt worden: Er kam mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten sowie 1000 Euro Schmerzensgeld an den Geschädigten davon. Der drei Jahre ältere Bürstädter war zum Prozesstermin vor knapp drei Monaten nicht erschienen, daraufhin wurde Haftbefehl erlassen. Kurze Zeit später stellte sich der 25-Jährige in Begleitung seines Vaters der Polizei und trat eine Ersatzfreiheitsstrafe in der JVA Frankfurt-Preungesheim an.

Vermummt und mit Waffe bedroht

Am späten Abend des 27. Januar 2019 hatten die beiden deutschen Männer bei einem Pizzaservice in Mannheim ihre Bestellung aufgegeben – mit dem Handy eines Nachbarn. Sie erwarteten den Aushilfsfahrer um Mitternacht an einem entlegenen Ort. Vor Gericht gab der Angeklagte zu, vermummt gewesen zu sein und den Pizzaboten mit einer Scheinwaffe bedroht zu haben. „Ich habe mir gedacht, das gibt eine schnelle Sache“, sagte er. Seinen Komplizen bezeichnete der 25-Jährige als eigentlichen Drahtzieher des Überfalls. Er selbst will nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben.

„Für mich war es keine Spielzeugwaffe. Für mich war es ein Original“, erklärte der Geschädigte beim Prozess. Er habe niemals damit gerechnet, „dass in Deutschland so etwas passiert“, sei den Forderungen der Räuber nachgekommen und still geblieben: „Die beiden sind dann zu Fuß abgehauen.“ An der Aussage des Pizzaboten hegte der Vorsitzende Richter Christoph Trapp „nicht den geringsten Zweifel“. Zum Angeklagten sagte er: „Sie haben mit der Waffe direkt auf den Zeugen gezielt und versucht, ihre Beteiligung an dem Überfall kleinzureden.“

Staatsanwalt Tobias Stewen wies in seinem Plädoyer auf die zahlreichen Vorstrafen des 25-Jährigen und die hohe kriminelle Energie seines Vorgehens hin. Zusätzlich strafschärfend wertet er, dass sich der Bürstädter der vom Gericht angeordneten Führungsaufsicht entzogen und über ein Jahr lang keine Termine mit seiner Bewährungshelferin wahrgenommen habe. Verteidigerin Inga Berg aus Mannheim beantragte für ihren Mandanten eine Bewährungsstrafe. Das sah das Gericht allerdings anders. gs

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional