Bürstadt

Weltfriedenstag Rund 400 Menschen protestieren in Bürstadt gegen Gauland-Besuch im Bürgerhaus / Laute Sprechchöre und ideenreiche Plakate

Bunte Ballons als Zeichen der Vielfalt

Archivartikel

Bürstadt.Kunterbunte Luftballons stiegen über der Bürstädter alla hopp!-Anlage in den Himmel – während im Bürgerhaus AfD-Politiker um Stimmen warben. Mehrere hundert Menschen hatten sich davor versammelt, um gegen die Veranstaltung – und vor allem gegen den Auftritt von Alexander Gauland – zu demonstrieren. Gleichzeitig fand eine Kundgebung zum Weltfriedenstag statt, bei der zum Abschluss Ballons in allen Farben als Zeichen der Vielfalt in den Himmel stiegen.

Schon auf dem Weg zum Bürgerhauspark waren Fahnen in bunten Regenbogenfarben zu sehen. Mit Bannern und Plakaten bezogen ganze Familien entlang den Absperrungen deutlich Position: „Menschenrechte statt rechte Menschen“, war zu lesen. Oder auch „Bürstadt ist bunt“. Ein sehr plastischer Flamingo prangte auf einem Schild – ein Storch war durchgestrichen. Lieber ein bunter Vogel als AfD-Politikerin Beatrix von Storch, sollte die Botschaft wohl lauten.

Wer den mit Gittern gesicherten Weg ins Bürgerhaus entlanglief, wurde von vehementen Pfiffen und Sprechchören begleitet: „Nazis raus“ und „Wir sind mehr“ – was die Teilnehmer der AfD-Veranstaltung entweder ignorierten oder aber mit „Idioten“ und noch heftigeren Schimpfworten beantworteten. Einzelne blieben sekundenlang stehen und hörten grinsend den Sprechchören zu. Hauptredner Alexander Gauland ließ sich allerdings nicht blicken. Er wurde über den Hintereingang in Bürgerhaus geschleust – und verließ so auch wieder den Ort des Geschehens.

Forell: Keine Plattform bieten

Wie viele Menschen in der gepflegten Parkanlage Stellung bezogen, stand gestern noch nicht eindeutig fest. Die Polizei sprach von ungefähr 400. Manfred Forell schätzt die Zahl der Teilnehmer eher auf 500. Als Sprecher der Initiative gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit hatte er die erste von zwei Kundgebungen angemeldet.

Drei ausgewählte Wahlkampfauftritte der AfD suchte sich die Initiative für ihre Gegendemonstrationen aus: am vergangenen Sonntag in Bensheim-Auerbach, diesen in Bürstadt und am 27. Oktober in Waldmichelbach. „Wir achten sehr genau darauf, der AfD keine zu große Plattform zu bieten“, sagt Forell.

Dass es im Bürgerhauspark keine 1200 Teilnehmer wie in Auerbach werden, war für ihn frühzeitig abzusehen. „Schlechtes Wetter, Sonntagmorgen“ – alles Gründe, doch zuhause zu bleiben, meinte der ehemalige Lehrer an der Bensheimer Karl-Kübel-Schule. Und wirft einen kritischen Blick in den Himmel: Die Lautsprecher durften keinen Regen abbekommen. Also platzierten die Organisatoren die Anlage im Karussell der alla hopp!-Anlage, das Dach diente als Regenschutz.

Kurz darauf waren Forell und auch die nachfolgenden Redner von einer Menschentraube umringt. Gegen rechte Hetze und für Vielfalt und Toleranz machte er sich stark, genau wie der Bürstädter Philipp Ofenloch von den Jusos Bergstraße und DGB-Kreisvorsitzender Sven Wingerter.

„Frieden beginnt im Herzen“

Nahtlos ging die Kundgebung der Initiative dann in die Veranstaltung zum Weltfriedenstag über. Der Ausländerbeirat und das Interkulturelle Büro der Stadt Bürstadt hatten dazu aufgerufen, für Werte wie Demokratie und Frieden einzustehen. „Bürstadt lebt Vielfalt und Toleranz“, stand auf dem Plakat, dass Bürgermeisterin Bärbel Schader während der Kundgebung hochhielt. „Frieden beginnt im eigenen Herzen und in der eigenen Gemeinde“, legte sie ihren Zuhörern nahe. Fatma Aya als Vorsitzende des Ausländerbeirats hatte die Zuhörer zuvor begrüßt. Und auch Jürgen Knödler vom Interkulturellen Büro war vor Ort.

Der katholische Pfarrer Peter Kern und seine evangelische Kollegin Johanna Gotzmann stießen ebenfalls zu den Rednern und riefen gemeinsam zu Frieden und Verständnis auf. Acht Minuten lang läuteten anschließend die Friedensglocken. In der Anlage herrschte Stille. Nur die Glocken sollten sprechen, lautete die Verabredung. Kurz darauf boten die fliegenden Ballons ein hübsches Bild.

Dennoch wurde es wenig später noch mal laut im Park: Etliche AfD-Gegner hatten an den Absperrgittern ausgeharrt und meldeten sich lautstark mit Sprechchören zu Wort, als die Bürgerhaus-Besucher ins Freie strömten. Diesmal machten einzelne Anhänger der AfD an den Absperrgittern halt. Die Polizei verhinderte allerdings, dass es zu Wortwechseln kam, und schickte die Leute weiter.

Dagegen griffen die Ordnungshüter nicht ein, als einige Besucher der Bürgerhaus-Veranstaltung die Demonstranten mit dem Handy filmten. „Das ist nicht verboten“, klärte ein Beamter eine Frau auf, die sich über das Filmen beschwert hatte. Ein Fotograf, der sich als Mitarbeiter eines AfD-nahen Mediums zu erkennen gab, machte zudem wiederholt Aufnahmen von einzelnen Teilnehmern der Demonstration. „Jetzt reicht’s aber. Sie haben uns jetzt schon dreimal fotografiert“, beschwerte sich eine weitere Frau. Erst daraufhin packte der Mann die Kamera weg.

Ansonsten verlief die Kundgebung friedlich, wie die Polizei berichtet. Es habe lediglich einen Platzverweis gegen einen 30-Jährigen gegeben, der den Hitlergruß gezeigt hatte.

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