Bürstadt

Das kann weg!?

Ist das Kunst oder kann das weg? Diese Frage hat meistens etwas Herablassendes. Und fast immer greift sie zu kurz. Denn ein Gegenstand, der für die einen nur Schrott darstellt, hat für die anderen etwas Erhaltenswertes, Famoses. Kurz: Mehr, als die einen auf den ersten Blick erkennen mögen.

Gut möglich, dass die Kunst-oder-weg-Frage auch den Verantwortlichen des VfR Bürstadt und den städtischen Begutachtern in den Sinn kam, als sie vor der charakteristischen Anzeigetafel des Robert-Kölsch-Stadions standen und beschlossen: kann weg. Dass der VfR im Zuge der Neubebauung seiner früheren Zweitliga-Spielstätte lieber alle alten Zöpfe abschneiden will, ist nachvollziehbar. Warum aber die Stadt Bürstadt so wenig Feingefühl für ihre eigene Geschichte beweist, verwundert.

Nicht für vieles ist Bürstadt deutschlandweit bekannt, als einst „kleine Stadt im großen Fußball“ schon. Die Sehenswürdigkeiten sind an einer Hand abzuzählen.

Erinnerung getilgt

Niemanden würde es einen Zacken aus der Krone brechen, dem Ergebnisanzeiger einen charmanten Ehrenplatz zu schaffen: in der Innenstadt, vor dem Rathaus, auf dem Freizeitkicker – oder auf dem angedachten Bildungs- und Sportcampus. Dort sollen schließlich künftige Fußballergenerationen heranwachsen, die sicher nicht nur über Erzählungen und Fotos von den großen Bürstädter Fußballzeiten erfahren wollen. Ein Transport von A nach B ist kaum teurer als der Weg in die Schrottpresse – wenn überhaupt.

Marodes Material

Der VfR muss sich vorwerfen lassen, die Anzeigetafel in 44 Jahren nie restauriert zu haben. Das Material ist marode, und die Zeit, um nach rettenden Händen zu suchen, mal wieder knapp. Wobei der Druck jetzt von der Stadt kommt. Wenn die Stadionuhr in Kürze das Zeitliche segnet, ist also unabhängig von der Dringlichkeit des neuen Geländes festzuhalten: Bürstadt beraubt sich nicht nur seines altehrwürdigen Stadions, sondern auch des letzten Relikts eines bedeutsamen Kapitels seiner Historie – und das ohne allzu große Not.

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