Bürstadt

Bäschdädder Babbler „Metzelsupp“ und „Werschinggemies“ aufgetischt

Deftiges aus der Mundartküche

Archivartikel

Bürstadt.Hätte sich ein im Norden der Republik aufgewachsener Besucher am Mittwochabend zufällig in den Briebelsaal des Alten- und Pflegeheims St. Elisabeth in Bürstadt verirrt, hätte sich dieser sprachlich auf einem anderen Stern gewähnt. Denn an diesem Abend hob Frank Gumbel mit einigen Akteuren die „Bäschdädder Babbler“ in breiter Mundart aus der Taufe. „Abgeguggt“ vom „Lambada“ Gegenstück, das durch Kalle Horstfeld und Kerstin Zecher vertreten wurde, die auch ihren humoristisch-sprachlichen „Senf“ dazu gaben. So drehte sich vieles an diesem Abend um kulinarische Bäschdädder Köstlichkeiten, sprachliche Besonderheiten und eine musikalische Liebeserklärung an die Stadt.

Versteckte Talente traten dabei ebenso zutage. Es wurden Kindheitserinnerungen ausgetauscht, und die musikalische Schilderung eines Wochenendes im Ried begeisterte das Publikum und versetzte alle in nostalgische Stimmung. Dass dazu „Dörrfleisch mit Werschinggemies“ gehörte, ließ die Zuhörer ebenso schmunzeln. Wer nicht in Bürstadt aufgewachsen ist, musste bei Wörtern wie „Mores“, „Zores“, „Geelerieb“ oder „Schlawiener“ sicher einen ortkundigen Übersetzer bemühen. So versteckte und benutzte Doris Keinz, SKK-Büttenass früherer Jahre, alleine 37 Bäschdädder Mundart-Wörter in ihrem Text.

Mit einem weit verbreiteten Irrtum räumte zudem Frank Gumbel auf. Als Sohn der „Owweloch Anna“ und „imm Gumbels Hermann soin Bu“ hatte ihn die Mär, er hätte vermeintlich Lambada Wurzeln, – was fast einer Verleumdung gleich kommt – „hart getroffe“. Schorsch Hemberger – Bürstädter Fastnachtsprinz vergangener Jahre – ist schon lange in Bobstadt zu Hause. Er berichtete mit Witz und Charme über landesübliche Hausmannskost im südlichen Ried.

Auch altes Pfälzer Deutsch und besondere Flecken im Städtchen bekamen die Zuhörer verbal serviert: Dazu erinnerte Gerhard Winkler an „Metzelsupp“ und an die Lächnergärten. Dort, wo heute ein asiatischer Futtertempel steht. Frühere Kindheitserinnerungen in breitester Mundart steuerten auch Hans-Dieter Niepötter und Jürgen Manske bei, der eigentlich aus dem Odenwald kommt, sowie Hans-Jürgen Gumbel, der seit langem Zuflucht in Nordheim gefunden hat.

Auch die gebürtige Bürstädterin Margit Kühn, die in Hofheim lebt und damit heute politisch korrekt als „Lombada Mädche“ gilt, trug mit ihrem Beitrag vom „Babba seine Kartoffelbrie“ augenzwinkernd zum Gelingen der Auftaktveranstaltung bei. Auch wenn Frank Gumbel so manchen der Babbler erst kurzfristig zum Mitmachen animieren konnte, schoss Hermann Hofmann als musikalischer Bäschdädder Geschichtenerzähler sprichwörtlich den Vogel ab. Sich selbst am Klavier begleitend, war er Frank Gumbel in die Falle gegangen. Denn seine gutmütige Zusicherung: „Ei, wann de was brauchschd, soach Bescheid“ hatte dieser wortwörtlich umgesetzt und so die Falle zuschnappen lassen. So oder ähnlich erging es wohl auch den anderen Babblern.

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