Bürstadt

NABU Naturschützer bitten Gartenbesitzer, mit dem Rückschnitt von Hecken zu warten

Dichtes Grün schützt Vogelnachwuchs

Bürstadt.Dichte Hecken und Sträucher bieten Jungvögeln Schutz vor Nesträubern. Die Aufzuchtzeit ist jetzt im Juli noch längst nicht vorbei. Denn viele Vögel brüten nicht nur einmal im Jahr. Deshalb kann auch noch im Juli ein Heckenschnitt verheerende Folgen für den Vogelnachwuchs haben.

Der NABU Hessen bittet in einer Pressemitteilung Gartenbesitzer darum, mit dem Rückschnitt noch vier Wochen zu warten. Auch wenn es den einen oder anderen Hobbygärtner schon in den Fingern jucke, wenn die Pflanzen tüchtig gewachsen seien. Dieser Bitte schließen sich die Bürstädter Naturschützer Michael Held und Peter Petermann im Gespräch mit dem Südhessen Morgen an.

Spät angekommen

Petermann ist beim NABU Bürstadt Ansprechpartner für Fragen rund um die Vogelwelt. Einige Zugvögel seien erst verspätet hier angekommen, berichtet er. So habe der Gelbspötter, der gerne in Hecken brüte, erst spät seine Eier ins Nest gelegt. Auch der Neuntöter habe Verspätung gehabt. Er bevorzuge ebenso wie die Dorngrasmücke Büsche, um Nester für den Nachwuchs anzulegen.

NABU-Landesvorsitzender Gerhard Eppler erinnert in einer Mitteilung an die kühlen Nächte im Mai. Dadurch hätten viele Vögel ihre erste Brut verloren. „Jetzt ist es besonders wichtig, dass sie bei den Nachbruten Erfolg haben. Wer jetzt seine Sträucher schneidet, riskiert das Leben der fröhlichen Sängerschar.“

Nicht nur Nesträuber wie Katzen können bei ausgedünntem Blattwerk die Jungtiere leichter finden. Umfangreiche Schnittarbeiten erschrecken die Elterntiere. Sie würden dann die Brut aufgeben. Deshalb sei in Gärten und Parkanlagen besondere Vorsicht geboten.

Falls ein leichter Rückschnitt trotzdem notwendig erscheine, sollte auf jeden Fall die betreffende Hecke oder der entsprechende Busch vorsichtig auf Nester abgesucht werden, rät Michael Held vom Bürstädter NABU. Ist dann tatsächlich ein Nest zu sehen, sollte die Baumschere noch nicht zum Einsatz kommen. „Bitte in diesem Bereich nicht schneiden“, sagt der Naturschützer eindringlich.

Eppler weist in seinem Schreiben auf die Artenschutz-Bestimmungen des Hessischen Naturschutzgesetzes hin, die für die freie Landschaft sowie Gärten und andere Grünflächen in Dörfern und Städten gelte. „In der Zeit von März bis Ende September darf nur der Jahreszuwachs von Hecken und Gebüsch entfernt werden. Das Abrasieren ganzer Hecken ist in dieser Zeit verboten.“

Noch etwas ist während der Aufzuchtzeit der Vögel zu beachten. Wenn Jungtiere sich außerhalb des Nestes aufhalten, sollten sie in Ruhe gelassen werden. „Sie werden von den Elterntieren weitergefüttert“, erklärt Peter Petermann. „Würde man sie zurück ins Nest bringen, springen sie wieder heraus.“ Das machen nicht nur Heckenbrüter, sondern auch andere Vögel wie die Meisen, die Nisthöhlen nutzen. Die jungen Meisen sitzen gern mal im Busch oder auf einem Ast und warten dort auf die Elterntiere, die Futter bringen. Es sei jedoch sinnvoll, Jungtiere, die sich am Boden aufhalten, vorsichtig mit den Händen aufzuheben und auf einen Ast zu setzen. Ansonsten seien sie leichte Beute für andere Tiere. Wird der Vogelnachwuchs aber mit Karton und Käfig ins Haus getragen, könnten die Eltern sich nicht mehr um ihren Nachwuchs kümmern.

Gerade in Städten sei es sinnvoll, den Vögeln Wasserstellen zum Trinken anzubieten, ergänzt Petermann. Erhöhte Stellen seien sinnvoll. Gerade Amseln und Drosseln würden bei Trockenheit schnell Probleme bekommen. Um für die Vögel einen guten Lebensraum zu schaffen, sei eines ganz wichtig, betont Petermann: „Gärten sollten nicht nur aus Steinen bestehen, denn die bringen den Vögeln gar nichts.“

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