Bürstadt

Naturschutz IG „Ackerflächen erhalten“ strebt Bürgerbegehren an / 1310 Unterschriften sind dafür nötig

„Die Bürger sollen entscheiden, nicht nur die Politiker“

Bürstadt. Die IG „Ackerflächen erhalten“ startet eine Unterschriftenaktion: Mit einem Bürgerbegehren will die Interessengemeinschaft gegen Verschwendung von wertvollen Äckern rund um Bürstadt vorgehen. Die Listen liegen bereits in zahlreichen Geschäften aus und bleiben dort bis 16. April liegen.

Anlass für die Aktion war, dass in der Stadtverordnetenversammlung am 20. Februar der Bebauungsplan für die Langgewann in Bobstadt verabschiedet wurde und künftig auch noch weitere Bereiche bebaut werden sollen. „Darüber sollten eigentlich die Bürger entscheiden und nicht allein die Politiker“, war die Ansicht von Uwe Metzner, Ortsvorsteher von Bobstadt.

Felder weichen Bauplätzen

Zusammen mit dem ehemaligen Bürgermeisterkandidaten Steffen Lüderwald und dem Riedroder Landwirt Thorsten Reski sprach er sich dafür aus, nicht noch mehr Flächen für Bebauung – ob mit Wohnhäusern oder Gewerbegebieten – zu opfern.

Auch gegen zwei weitere Projekte wird die IG aktiv: So werde über eine neue Verbindung von der Straße Im Röschen zum Boxheimerhof nachgedacht. Von der Kreisstraße 42 zum Roßmann-Regionallager soll es ebenfalls eine neue Verbindung geben. „Damit würden Ackerflächen zerschnitten und zwar so, dass sie nicht mehr vernünftig bearbeitet werden können“, befürchtete Metzner. Sorge macht ihm auch der angedachte Übernachtungsplatz für Lkw am Roßmann-Lager: Dieser würde noch mehr Fahrer anlocken und ebenfalls Flächen kosten.

Viele Bürger seinen nicht mit dem Vorgehen der Stadt einverstanden, berichtete Metzner. „Das bewegt die Leute. Wenn wir so weitermachen wie bisher, gibt es in hundert Jahren keine Ackerflächen mehr“, bestätigte Reski. Der Hofheimer SPD-Politiker Lüderwald betonte: „Wir sind nicht gegen den Wohnbau.“ Vielmehr will er eine Lösung finden, wie mehr Wohnraum geschaffen werden könne, ohne weitere landwirtschaftliche Flächen zu verbrauchen: „Wir planen, das im gesamten Ried zu besprechen, denn das betrifft nicht nur Bürstadt.“

Kein Ankauf mehr

Inzwischen tauschen die Landwirte schon die Äcker untereinander, um eine gewisse Fruchtfolge einhalten zu können. Denn nur so würden die Böden ertragreich bleiben. Mit Getreide sei längst kein großer Gewinn mehr zu machen. „Wir dürfen auch nicht den Erholungswert in der Freizeit vergessen. Es gibt genügend Jogger und Spaziergänger – mit und ohne Hund, die sich in der Natur erholen wollen“, gab Reski zu bedenken.

Mit der Aktion will die IG „Ackerflächen erhalten“ die Bürger zum Nachdenken bringen. Es gilt jetzt, mindestens 1310 Unterschriften zu sammeln. Die Listen müssen dann spätestens acht Wochen nach der Entscheidung der Stadtverordneten an die Verwaltung übergeben und dort geprüft werden. Kommen genügend Unterschriften zusammen, kann das Bürgerbegehren gestartet werden. „Dann sind erneut die Bürstädter gefragt“, sagte Metzner. Das große Anliegen der IG: Die Bürger sollen dagegen stimmen, dass die Stadt Ackerflächen ankauft – „damit dort keine weiteren Baugebiete errichtet werden“, erläuterte Metzner.

Wenn 25 Prozent der Bürstädter zur Stimmabgabe gehen und die Hälfte für das Bürgerbegehren stimmt, war die Interessengemeinschaft erfolgreich. Damit sei die Stadt dann verpflichtet, für die nächsten drei Jahre keine Felder aufzukaufen.

„In dieser Zeit können wir über neue Lösungsansätze nachdenken. Alle Ackerflächen, die versiegelt oder bebaut werden, sind für die Nahrungsproduktion verloren. Wir fordern ein Umdenken von der Politik hin zu einem nachhaltigen Denken, damit auch unsere Kinder und Enkel noch in einer lebenswerten Umgebung aufwachsen können“, meinte Lüderwald.

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