Bürstadt

Landwirtschaft Krug experimentiert mit Bärlauch

Drahtwurm zerstört den Ginseng

Archivartikel

Bürstadt.Statt Ginseng wächst nun Bärlauch unter der Photovoltaikanlage von Hermann und Alexander Krug in Rosengarten. Sollte der Bärlauch gut gedeihen, wollen die Landwirte ihn auch unter den Solarzellen auf dem Boxheimerhof anpflanzen. „Es ist nicht so einfach mit den Schattengewächsen“, erklärt Alexander Krug auf Anfrage. Bärlauch wachse zwar im Wald, doch er treibe im Frühjahr aus, wenn die Bäume noch keine Blätter tragen, und nutze das kräftige Sonnenlicht. „Doch bei mir gibt es das ganze Jahr über das gleiche Licht unter den Solarmodulen. Wir werden sehen, wie er darauf reagiert.“

Ursprünglich hatte Krug Ginseng angepflanzt und für medizinische Zwecke verkaufen wollen (wir berichteten). Doch der Drahtwurm habe der asiatischen Heilpflanze den Garaus gemacht. Denn sobald der Schädling in den Kopf des Ginsengs beiße, treibe dieser im Folgejahr nicht mehr aus, erklärt Krug. „Es gibt auch kein Mittel, ihn zu bekämpfen. Auf einigen Feldern können deswegen keine Kartoffeln mehr angepflanzt werden.“ Das sei ein Problem in der Region. Nach drei Jahren habe er sich schweren Herzens entschlossen, das Ginseng-Projekt zu beenden.

Wertvolles Ackerland verbaut

Im Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung hatte der Biologe und Verwaltungsmitarbeiter Henry Riechmann den Bürstädter Politikern berichtet, dass sich Krug vom Anbau des Ginsengs zurückgezogen hat. Riechmann beobachtet, was auf den fünf Hektar Land passiert. Denn Krug ist verpflichtet, die Fläche unter der Solaranlage zu bepflanzen. „Es ist wertvolles Ackerland verwendet worden“, erinnerte Burkhard Vetter (FDP) in der Sitzung. „Wir haben damals nur zugestimmt unter der Maßgabe, dass der Anbau der Kulturen dort kontrolliert wird.“

Richard Kohl (CDU) lobte Krugs „Bereitschaft, dieses Pilotprojekt für Bürstadt“ fortzuführen. Das bestätigt der Landwirt im Telefonat: „Ich bin dran und rührig, aber es ist nicht so leicht. Aber wenn es einfach wäre, würden es alle machen. Massenprodukte bringen keine guten Preise.“ Wegen der hohen Investitionskosten wolle er abwarten, wie sich die Pflanze nach dem Winter entwickelt. Gesät wurde in Rosengarten bereits vor einem Jahr, geerntet wurde noch nichts. „Das ist wie beim Spargel: Die ersten Blätter schneiden wir nicht ab, weil es zu großer Stress für die Pflanze wäre.“ Er hofft, dass der Bärlauch im Frühjahr kräftig gedeiht.

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