Bürstadt

Literatur Der Bürstädter Autor Roland Kirsch arbeitet derzeit parallel an drei ganz unterschiedlichen Werken / Großer Erfolg mit elektronischen Ausgaben

„Edelbrand“ erscheint zur Buchmesse

Archivartikel

Bürstadt.Roland Kirsch sprüht vor Energie. Der Krimi-Autor hält meistens mehrere Eisen im Feuer. In der Redaktion des „Südhessen Morgen“ erzählt der 67-Jährige, mit was er sich gerade beschäftigt.

Herr Kirsch, arbeiten Sie wieder an mehreren Projekten gleichzeitig?

Roland Kirsch: Tatsächlich sitze ich am dritten Band meiner Krimi-Reihe, dabei begegnen wir alten Bekannten um den Kommissar Robert Krump. Vorrang hat allerdings die Anthologie zum zweiten Lampertheimer Schreibwettbewerb „… auf Sand gebaut“. Zudem will ich das zweite Songbuch mit Liedern von Bodo Kolbe herausbringen. Ich bin großer Fan von seinem Blues und den Mundarttexten.

Und wie weit sind Sie?

Kirsch: Die Anthologie wird noch vor der Sommerpause erscheinen. Den Roman habe ich etwa zur Hälfte fertig. Das Songbuch machen wir zu dritt und schicken uns E-Mails und tauschen uns aus.

Zu dritt? Wie funktioniert das?

Kirsch: Bodo Kolbe schreibt die Gitarrengriffe mit der Hand nieder. Der Profimusiker Andreas Keil hört sich die Singstimme auf den alten Platten an und notiert die Noten. Und ich füge beides zusammen. Am Ende setzen wir uns noch einmal zusammen, um dem Ganzen den letzten Schliff zu verleihen. Letztes Mal saßen wir dafür bis in die Nacht in meiner Gartenhütte. Heißen soll es „Saure Gummern“, weil Bodo mal eine Band mit diesem Namen hatte.

War das erste Songbuch denn ein Erfolg? Wie oft wurde es verkauft?

Kirsch: Darauf kommt es mir gar nicht an. Es geht nicht darum, einen Bestseller zu landen, sondern darum, etwas zu bewahren. Weil es das wert ist. Mundartpoeten werden oft belächelt – oder in die Blödelecke gestellt. Bodos Sachen sind auch lustig, aber alles hat einen tieferen Sinn. Ich finde es großartig, was er macht.

Wie wichtig ist dabei die Buchmesse?

Kirsch: Ich bin Gründungsmitglied im Selfpublisher-Verband und dort am Messestand zu finden. Hier treffen sich viele Kollegen. Ein Beispiel: Vergangenen Herbst bin ich mit Bodo Kolbe bei der Buchmesse aufgetreten, um unser Songbuch „Die frühen Jahre“ vorzustellen. Das fand die Autorin Ulrike Busch aus Hamburg, die für ihre Nordsee-Krimis bekannt ist, so fantastisch, dass Bodo und ich in einer Szene ihres neuen Romans vorkommen sollen. Der wird auch zur Buchmesse fertig. Das ist einfach ein fester Termin, an dem sich viele orientieren.

Verraten Sie schon den Titel Ihres dritten Krimis mit Robert Krump?

Kirsch: „Edelbrand“ soll er heißen. Das ist doppeldeutig zu verstehen: Es geht nicht nur um Schnaps, sondern auch um ein Feuer und einen Besoffenen, der im Verdacht steht, den Brand gelegt zu haben. Was dabei passiert, habe ich in den ersten beiden Romanen schon angedeutet.

Ihre Reihe ist auf fünf Krimis angelegt – wussten Sie also vorab, was in jedem einzelnen passiert?

Kirsch: Über meinem Schreibtisch hängt eine riesige Tafel mit Skizzen und den Inhalten in groben Zügen.

Von allen fünf Bänden?

Kirsch: Ja, das Gerüst steht schon lange fest. Die Feinheiten muss ich mir beim Ausformulieren dann überlegen. Das ist leichter gesagt als getan und nicht mal eben zwischendurch gemacht. Am besten ist es, wenn ich drei oder vier Stunden am Stück Zeit habe, meistens dienstags und donnerstags am Vormittag.

Trotzdem nehmen Sie sich Zeit fürs Songbuch?

Kirsch: Wenn was zur Routine wird, wird es leicht langweilig. Zumindest bei mir ist das so. Ich liebe die Abwechslung und habe Spaß daran, Neues auszuprobieren. Deshalb verfolge ich gleich mehrere Projekte gleichzeitig. Die WIL hat es mir besonders angetan im Moment.

WIL – ist das die Wortinitiative Lampertheim? Neben der Musikerinitiative MIL und der Künstlerinitiative KIL?

Kirsch: Genau. Diese hat sich nach dem ersten Schreibwettbewerb in Lampertheim im Frühjahr 2016 gegründet. Da mischen auch Bürstädter wie ich und Bibliser mit.

Stimmt es, dass der Radiosender hr 2 Kultur bei Ihnen war?

Kirsch: Ja. Den Kontakt zum Sender gibt es schon länger, weil ich mich mit Bodo Kolbe am Projekt „Literaturland Hessen“ vom Land Hessen und hr 2 beteiligt habe. Das Kulturamt der Stadt Lampertheim hatte uns dafür engagiert. In der Folge hat hr 2 dann auch meine Bücher besprochen, was mich natürlich ehrt. Derzeit plant der Sender ein neues Format, und dafür wurde ich als Erster vorgestellt. Ich weiß nur noch nicht, wann das ausgestrahlt wird.

Vom Radio zum Buch: Wie viele Krimis haben Sie mittlerweile verkauft?

Kirsch: Als ich angefangen habe mit dem Schreiben, hätte ich nie gedacht, wie wichtig ebooks sind, also die elektronischen Ausgaben. Und da läuft es sehr gut. Mit ist es zwar nach wie vor wichtig, dass man die Krimis in einer Buchhandlung bestellen kann. Aber über ebooks erreiche ich viel mehr Leser.

Und wegen der ebooks haben Sie sich an den Marktgiganten Amazon gebunden?

Kirsch: Ja, das ist ein zweischneidiges Schwert. Amazon ist Kapitalismus pur, mit all seinen Schattenseiten, aber für mich die einzige Möglichkeit, viele Leser zu erreichen. Im Moment hat Amazon „Kartoffelblues“ in der Ausleihe für Prime-Kunden gelistet. Und bei Kindle Unlimited von Amazon ist es ebenfalls zu bekommen. Jetzt steht mein Krimi auf Platz 1500 – das ist angesichts der Masse von anderen Büchern enorm. Die Leser können ja zwischen Millionen Werken auswählen.

Und wenn man sich Ihren Roman herunterlädt aufs ebook, bekommen Sie Geld?

Kirsch: Ja, darin unterscheiden sich ebooks nicht von gedruckten Büchern. Wenn jemand ein Exemplar erwirbt, erhält der Autor seinen Anteil.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional