Bürstadt

Sozialausschuss Bürgermeisterin will Möglichkeiten ausloten

Ein Bürgerbus für Bürstadts Stadtteile

Bürstadt.Bürger fahren Bürger – so lautet das Motto beim Projekt Bürgerbus. Das Prinzip ist einfach: Das Land stellt kostenlos einen Kleinbus zur Verfügung, ehrenamtliche Fahrer bringen ihre Mitmenschen zum Bäcker, zum Arzt oder zur nächsten öffentlichen Haltestelle. Laufende Kosten müssen durch Werbeflächen und Spendenbeiträge gedeckt werden. In vielen Kommunen rollt das Projekt bereits. Auch Bürstadt will nun von dem Landesprogramm profitieren. Noch ist allerdings fraglich, ob die Stadt als Mittelzentrum überhaupt für eine Förderung infrage kommt. Denn die Offensive „Land hat Zukunft“ richtet sich an den „dünn besiedelten, ländlichen Raum“.

Die Verwaltung will die Möglichkeit auf Unterstützung bei der zuständen Landesstiftung „Miteinander in Hessen“ dennoch ausloten. Die Vorteile liegen für die Stadt auf der Hand. „Mobilitätseingeschränkte Männer könnten sonntags wieder zum Fußball, Frauen sich wieder mit Freundinnen im Café treffen“, machte es Bürgermeisterin Bärbel Schader in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses deutlich. Für die Rathauschefin ist das Projekt ein Mittel gegen Vereinsamung und für die Teilhabe.

Unterstützung erhält sie dabei aus Fischbachtal. In der 2600 Einwohner zählende Gemeinde rollt der Bus seit einem Monat – und ist schon jetzt eine Erfolgsstory. Davon berichteten Bürgermeister Philipp Thoma und Mitarbeiter Hendrik Maul dem Gremium. Seit Mitte Oktober sei man 45 Mal gefahren, aus anfangs zwei Tagen wurden Einsätze in der ganzen Woche. 25 ehrenamtliche Fahrer haben sich in der kleinsten Gemeinde des Kreises Darmstadt-Dieburg gemeldet. „Die Entwicklung ist sensationell“, so Bürgermeister Thoma.

Ihn hat gewissermaßen das Schicksal nach Bürstadt geführt, war er doch einst Lehrerkollege von Bärbel Schader an der Karl-Kübel-Schule in Bensheim. Für Thoma ist der Neunsitzer „nicht nur ein Bus“. „ Es sind auch die Gespräche, die entstehen, die Besuche, die wieder möglich werden. Die Transportmöglichkeit steigert die Lebensqualität“, ist er begeistert. Schon jetzt zeichne sich ab, dass sich das Projekt auch finanziell trage.

Keine Konkurrenz zum ÖPNV

Allerdings, so betonte Mitarbeiter Henrik Maul, dürfe das Angebot nicht in Konkurrenz zum ÖPNV, zum Taxi-Gewerbe oder zu Krankenfahrtdiensten stehen. In Fischbachtal, das in sechs Stadtteile aufgeteilt ist, gibt es im Gegensatz zu Bürstadt keinen Stadtbus. „Der fährt bei uns am Wochenende aber auch nicht“, hob Bärbel Schader hervor. Beim Projekt Bürgerbus hat sie besonders die Anbindung der Stadtteile in Blick. Das Projekt müsse eine Ergänzung zum ÖPNV sein.

In einem ersten Schritt müsste die Verwaltung ein Betriebskonzept ausarbeiten und dem Land vorlegen. Die Vertreter aus Fischbachtal ließen dazu alle nötigen Unterlagen aus ihrer Bewerbung da.

Doch so weit ist es in Bürstadt ohnehin noch nicht. Die Stadt will zunächst unverbindlich anfragen, ob überhaupt eine Chance besteht, einen Bürgerbus zu bekommen. „Die Situationen von Fischbachtal im vorderen Odenwald und unserem Mittelzentrum sind nämlich kaum zu vergleichen“, betonte SPD-Fraktionsvorsitzender Franz Siegl. Bürstadt müsse also eine Nische finden – etwa Strecken, die für eine regelmäßige Bedienung im ÖPNV wirtschaftlich nicht vertretbar sind. So oder so – die Bürgermeisterin will es zumindest versuchen. Mit Förderbescheiden kennt sich Bärbel Schader ja auch bestens aus.

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