Bürstadt

Riedrode Die früheren Rivalen SG und FSV stehen kurz vor der Fusion / Erfolgreiche Zusammenarbeit

Ein Dorf im Fußball-Fieber

Riedrode.Die einstigen Fußballrivalen FSV und SG Riedrode treten seit dem vergangenen Sommer mit der gemeinsamen Fußballmannschaft als FSG Riedrode an. Die Gründung der Spielgemeinschaft war nur der erste Schritt. Am 23. März wollen beide Vereine die Fusion besiegeln: Ab 1. Juli soll es in Riedrode nur noch einen Fußballverein geben. Vorausgegangen ist eine jahrzehntelange Fußballgeschichte, die von manch heftiger Auseinandersetzung auf dem Platz und hinter den Kulissen geprägt war.

Der Beginn: Im März 1949 gründen 32 Personen unter dem Vorsitz von Johann Brutscher die SG Riedrode. Als Spieler Heinz Fuchs drei Jahre später nicht mehr in den Vorstand gewählt wird, treibt er die Gründung des FSV Riedrode im November 1952 voran.

Die 1950er Jahre: Der Sportplatzbau im Ortszentrum ist das beherrschende Thema. Als mit den Traktoren Baumwurzeln aus dem Erdreich entfernt werden, brechen Hinter- und Vorderachse des Traktors des Vorsitzenden Otto Gerich. Die SG betrachtet den Sportplatz als Heiligtum – auf dem der FSV nicht spielen darf. Doch dieser hat kein adäquates Gelände. Das Landgericht Darmstadt gibt 1955 dem FSV-Antrag statt, die Heimspiele dort austragen zu dürfen. Gerich baut allerdings wenige Stunden vor dem FSV-Heimspiel die Tore ab. Daraufhin kommt es zu einem heftigen Gerangel.

Die 1960er Jahre: Noch 1959 wird Hans Schwaier mit 46 Treffern bester Torschütze im Fußballkreis Bergstraße. Danach läuft es sportlich eher bescheiden für die SG, die 1962 in den Niederungen der Kreisliga C ankommt. Bei der Geselligkeit sieht’s besser aus: 1966 veranstaltet die Sportgemeinde das erste Waldfest. Der FSV wird 1966 C-Klassen-Meister und darf sich dank der Treffsicherheit von Egon Jakob, mit 33 Toren Bergsträßer Torschützenkönig, immerhin für zwei Jahre in der Kreisliga B beweisen.

Die 1970er Jahre: Riedrode wird 1971 nach Bürstadt eingemeindet. Der FSV bezieht 1978 den Riedroder Bahnhof als neues Domizil. Zum 25-jährigen Bestehen will der Verein 1977 Meister werden. Deswegen verpflichtet er zwölf neue Spieler – gleich mehrere kommen von der Reserve des VfR Bürstadt. Doch nach einem nicht korrekt abgewickelten Wechsel werden dem FSV vier Punkte abgezogen – die Meisterschaft ist futsch. Das holen die Blau-Weißen nach: Sie gewinnen vor dem Zweitligisten VfR Bürstadt die Stadtmeisterschaft. Danach gelingen ihnen drei Aufstiege in Folge und damit der Sprung in den Darmstädter Fußballbezirk.

Die 1980er Jahre: Nach der Gründung des Reit- und Fahrvereins verabschiedet sich die SG zwar vom Reiten, ist aber mit sechs Mannschaften in der Tischtennis-Runde vertreten. Auch die Fußballer geben Gas. Die Elf von Trainer Georg Stadtmüller bleibt bei 50 Begegnungen ungeschlagen und steigt nach den Meisterschaften 1980 und 1981 in die A-Klasse Süd (Kreisoberliga Bergstraße) auf. Im April 1984 legt die SG den Grundstein fürs neue Sportheim.

Der FSV unterhält eine A- und B-Jugend. In der Bezirksklasse Darmstadt sorgt die erste FSV-Garnitur für Furore und wäre 1982 fast in die Landesliga Süd aufgestiegen. Ab Juni 1986 leiten Horst Kreiling, Holger Kreiling, Hans-Joachim „Joe“ Metz und Josef Unger die SG Riedrode kooperativ. Sie gründet im August 1987 eine F-Jugend-Mannschaft.

Die 1990er Jahre: Die SG Riedrode reiht Erfolg an Erfolg, daran hat Trainer Günter Wüst großen Anteil. Der Verein steigt 1990 in die Bezirksoberliga auf, zwei Jahre gelingt der Aufstieg in der Landesliga Süd.

Der FSV Riedrode lädt zum ersten „Sauball“ ein und kehrt 1992 unter Trainer Kurt Wattendorf zurück in die Bezirksoberliga Darmstadt. Der frühere FSV-Torhüter Erich Keilmann (inzwischen Ehrenvorsitzender) löst 1994 Präsident Reinhold Kühn ab und führt fortan den Verein. Riedrode mit knapp 1000 Einwohnern gilt als Fußballdorf der Superlative und braucht sich hinter dem VfR Bürstadt nicht zu verstecken. Dennoch überlegt der FSV, Fusionsgespräche mit der SG aufzunehmen. Dies lehnt die Mitgliederversammlung im September 1995 ab.

Die 2000er Jahre: Der FSV Riedrode feiert 2002 seinen 50. Geburtstag. 2005 muss der FSV den Abstieg in die Kreisliga A hinnehmen. Im August 2006 wird der neue Kunstrasen eingeweiht. Neben der Stadt tragen die beiden Vereine FSV und SG wesentlich zur Finanzierung bei. Die Alten Herren bilden das Rückgrat der Reservemannschaft beim FSV Riedrode, die ohne die Altfußballer kaum ein Spiel hätte austragen können.

Die 2010er Jahre: Um dem großen Andrang im Jugendbereich gerecht zu werden, weiht die SG Riedrode 2012 ihr neues Kleinspielfeld ein. Die Sportgemeinde spielt 1997 ununterbrochen in der Kreisoberliga Bergstraße. Der FSV pendelt zwischen Kreisoberliga und Gruppenliga. Der Anbau des SG-Clubhauses wird im Sommer 2016 seiner Bestimmung übergeben.

2015 führt Christian Wartusch als Vorsitzender den jungen FSV-Vorstand an. Recht bald zeichnet sich ab, dass der FSV Fusionsgespräche mit der SG führen möchte. Anfang 2018 beschließen beide Vereine die Zusammenarbeit. In der Kreisoberliga Bergstraße steht die FSG mittlerweile auf dem ersten Tabellenplatz.

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