Bürstadt

Eisdielen Gastronomen in Biblis und Bürstadt ziehen gemischte Saison-Bilanz / Schließung im April besonders hart / Sitzplätze im Cafés blieben leer

Eisdielen ziehen gemischte Saisonbilanz

Archivartikel

Biblis/Bürstadt.Denkt Jürgen Ruh an die letzten Monate, muss er immer wieder den Kopf schütteln. „Es war einfach ein ganz ungewöhnliches Jahr“, sagt der Besitzer des Eiscafés Kilian in Bürstadt. Das Coronavirus und seine Folgen haben den Gastronomen beinahe in Existenznöte gebracht. „Letztendlich sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, bilanziert Ruh am Dienstag. Am 18. Oktober verabschiedet sich seine Eisdiele in die Winterpause.

So entspannt wie jetzt war Ruh nicht immer in diesem Jahr. Es war der 20. März, als für den gelernten Konditor kurzzeitig die Welt zusammenbrach. Zwei Mitarbeiter des Gesundheitsamtes teilten ihm ohne Vorwarnung mit, dass er sein Eiscafé unverzüglich schließen müsse. „Eis wurde nicht als Grundnahrungsmittel eingestuft, also blieb das Geschäft einen Monat lang zu“, so Ruh. Und während im April das Thermometer plötzlich die 20-Grad-Marke überschritt und die Sonne vom strahlendblauen Himmel schien, machte sich der Gastronom Gedanken über seine Zukunft. „Wir hatten keine Einnahmen mehr und konnten somit auch keine Rücklagen für die Wintermonate bilden, in denen wir geschlossen haben“, erläutert er.

Anzahl der Sitzplätze halbiert

Als ab 21. April der Straßenverkauf zugelassen wurde, ließen sich die Bürstädter auch wieder ihr Eis schmecken – allerdings ausschließlich im Freien. Gäste, die es sich mit Eisbecher oder Cappuccino im Café gemütlich machten, gab es nur sehr wenige. „Die Sitzplätze auf der Terrasse mussten wir um die Hälfte auf 30 Stühle reduzieren, trotzdem haben wir bis in den September hinein gute Umsätze gemacht“, erzählt Ruh.

Das gute Wetter und die Tatsache, dass viele Menschen auf ihren Urlaub verzichteten, waren die ausschlaggebenden Faktoren für die positiven Verkaufszahlen. „Dennoch wird am Jahresende ein Umsatzminus von 30 Prozent zu verzeichnen sein“, schätzt Ruh. Denn nicht der heiße Sommer, sondern das Frühjahr sei für Eisdielen die wichtigste Jahreszeit.

Wenige hundert Meter vom Kilian entfernt, fällt die Eis-Bilanz 2020 negativer aus. „Es war ein ganz schlechtes Jahr“, gibt Graziella Bonsanti unumwunden zu. Die Inhaberin des Eiscafés Adria bedauert, dass Veranstaltungen, wie der Tanz in den Mai, nicht stattgefunden haben. „Die sorgen für einen guten Umsatz“, sagt Bonsanti.

Unzufrieden mit dem Jahr ist auch Hadryan Frassetto. Der Filialleiter der Bibliser Eisboutique Da Carlo hat 2020 so wenig Umsatz gemacht wie noch nie. Denn auch nach dem Lockdown kamen die Gäste in überschaubaren Zahlen. „Durch Kurzarbeit hatten viele Leute weniger Geld zur Verfügung, außerdem schreckt das Ausfüllen der Kontaktformulare ab“, vermutet er.

Insgesamt 13 Eisboutique-Filialen mit rund 50 Angestellten gibt es im Großraum Darmstadt sowie im Landkreis Bergstraße. Ob es auch im Februar 2021, wenn nach der Winterpause die Türen wieder öffnen, noch so viele sind, ist ungewiss. „Wir wissen leider noch nicht, wie es nächstes Jahr weitergeht“, sagt Frassetto.

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