Bürstadt

Elitär und realitätsfern

Martin Schulte zum Vorgehen im Sonneneck

Es war viele Jahre lang politisch sehr still um die ehemaligen Bürgermeister Horst Strecker und Alfons Haag. Beide haben Nachfragen in der Vergangenheit stets mit der Formel pariert, eine Einmischung in das aktuelle politsche Tagesgeschäft gehöre sich nicht nach Ablauf der eigenen Zeit in Verantwortung. Das war diplomatisch überaus elegant, aber auch glaubhaft – weil ebenso durchgehalten. Vor diesem Hintergrund ist es sehr bemerkenswert, wenn die beiden Herrschaften sich nun doch zu Wort melden. Denn es ist eben sehr außergewöhnlich – und verleiht ihrem Anliegen damit zugleich ein großes Gewicht. Unüberhörbar.

Ihre Einmischung indessen verdient Respekt. Sie prangert einen Missstand an von ungeheuren Ausmaßen: Die Knappheit von Wohnraum, auch der Begriff Wohnungsnot ist vielerorts keine Übertreibung mehr, bedeutet sozialen Sprengstoff. Die Entscheidung der Stadtverordneten, Menschen, die auf sozialen Wohnraum angewiesen sind, vom Sonneneck V auszuschließen, passt nicht in die Zeit. Sie hält der Realität nicht stand. Sie ist überkommen und provokativ elitär. Die Begründung der CDU-Fraktion durch ihren Sprecher Jürgen Eberle bereitet Schmerzen: „Sozialwohnungen passen da nicht hin. Wir wollen da Familien mit hohen Einkommen.“ Wäre nicht ein Schutzzaun angemessen?

SPD und Grüne haben in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung zumindest noch für die Zulassung von drei Stockwerken auf wenigstens vier Grundstücken gekämpft – um von CDU und FDP überstimmt zu werden. Aber Sozialwohnungen will auch SPD-Mann Franz Siegl nicht im Sonneneck. Ist es tatsächlich zu weit vom Zentrum entfernt?

 
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