Bürstadt

Corona Grundschulen in Bürstadt und Biblis haben Lernpakete geschnürt und setzen auf Online-Unterricht / Technische Geräte fehlen

Erneuter Stresstest an Schulen

Archivartikel

Bürstadt/Biblis/Groß-Rohrheim.Nach dem ersten Lockdown mit geschlossenen Schulen, kommt jetzt der nächste Stresstest für Schüler, Eltern und Lehrer. Die Weihnachtsferien enden, am Montag beginnt wieder der Unterricht. Theoretisch.

Praktisch hat Hessen die Präsenzpflicht an seinen Schulen für Klasse 1 bis 6 ab Montag aufgehoben. Ab Klasse 7 gilt – mit Ausnahme der Abschlussklassen – Distanzunterricht. Diese Regelung gilt voraussichtlich bis 31. Januar. Kultusminister Alexander Lorz rief dazu auf, die Kinder der ersten bis sechsten Klassen daheim zu lassen. Diesem Aufruf scheinen in Bürstadt und Biblis auch recht viele Eltern nachzukommen.

„Bei uns sind bisher für Montag nur wenige Schüler für die Notbetreuung in der Schule angemeldet“, sagt Nicole Skubella, Rektorin der Schule in den Weschnitzauen in Biblis, auf Nachfrage dieser Redaktion. An der Bürstädter Schillerschule, ebenfalls eine Grundschule, zeigt sich ein ähnliches Bild: Rund zehn Prozent der Kinder kommen in die Schule, die Mehrheit lernt daheim. Allerdings waren auch für diese Redaktion nicht alle Schulen zu erreichen. So gab es keine Rückmeldungen von der Erich Kästner-Schule in Bürstadt, von der Astrid-Lindgren-Schule in Bobstadt, von der Steinerwaldschule in Nordheim und von der Lindenhofschule in Groß-Rohrheim.

Für alle, die ab Montag im Homeschooling sind, gibt es an der Schule in den Weschnitzauen Wochenpläne, digitale Pinnwände, Fragerunden und vieles mehr – eine Mammutaufgabe für so manche Schule, das alles zu organisieren.

Wie andere Bundesländer bietet auch Hessen eine Bildungsplattform für seine Schüler an. „Die Lernplattform moodle ist noch recht neu. Bei uns nutzen die Schüler seit dem letzten Lockdown Teams, um miteinander und mit dem Klassenlehrer in Kontakt zu bleiben“, erklärt Torsten Wiechmann, Rektor der Bürstädter Schillerschule.

Zu wenig Tablets

Täglich eine Stunde Online-Unterricht für jeden Schüler ist geplant. Auf diese Weise unterrichtet der Klassenlehrer Kleingruppen von zu Hause aus, um das Ansteckungsrisiko in der Schule zu minimieren. „Unsere Lehrer sollten alle ein Dienstgerät bekommen“, erzählt Wiechmann. „Leider hat das bisher nicht geklappt.“

Bei den Schülern ist die Versorgung mit technischen Geräten für den Online-Unterricht ähnlich schlecht. „Unser Bedarf lag bei 80 Geräten, 26 hat der Kreis als Schulträger besorgt“, so der Schulleiter. 40 Tablets habe die Bürgerstiftung dann noch zur Verfügung gestellt. „Leider konnten nicht alle Schüler mit einem Tablet versorgt werden.“ Da die Schüler versetzt unterrichtet würden, bestünde aber auch die Möglichkeit, ein Tablet zu teilen oder die eine Unterrichtsstunde über das Smartphone zu verfolgen.

Die Kinder, die weiterhin zur Schule gehen, werden in festen Gruppen von Fachlehrern betreut. „Der Unterricht findet in großen Klassensälen statt, um die Abstandsregeln einzuhalten. Momentan denken wir auch über eine Maskenpflicht im Saal nach“, erklärt Wiechmann.

Auch Nicole Skubella und ihr Kollegium haben so manchen Ferientag genutzt, damit ab Montag alles gut läuft. Neben dem Online-Unterricht verteilt die Schule Wochenpläne in Papierform, „weil viele Eltern daheim keinen Drucker haben und um das System nicht zu überlasten“, erzählt Skubella.

Bei allen Bemühungen kann das Homeschooling den Präsenzunterricht kaum ersetzen. „Nach dem letzten Lockdown haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Grundschüler danach wieder wirklich gerne in die Schule gekommen sind“, sagt der Rektor der Schillerschule. Einige, die durch Vorerkrankungen schon sehr lange daheim Unterricht haben, hätten sehr gelitten.

Einige Kinder nicht erreicht

Für andere Kinder, die gut organisiert wären, sei es vorteilhaft gewesen, mit der Unterstützung der Eltern zuhause konzentrierter arbeiten zu können. „Aber es gab auch Jungen und Mädchen, die wir leider überhaupt nicht erreichen konnten“, bedauert Wiechmann. „Deren Eltern sind mit dem Wunsch an uns herangetreten, dass ihr Kind die Klasse wiederholen kann,“ berichtet der Schulleiter.

Wichtig sei, mit Schülern und Eltern Kontakt zu halten, erklärt Nicole Skubella Das habe der erste Lockdown bereits gezeigt. „Wir hätten gerne endlich wieder normalen Unterricht mit allen Schülern“, sagt die Schulleiterin. Ein Wunsch, mit dem sie so manchen Eltern, Lehrern und Kindern aus dem Herzen spricht.

Info: Weitere Infos unter www.kultusministerium.hessen.de

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