Bürstadt

Umwelt Landwirt Richard Schöcker ärgert sich über feinsäuberlich verpackte tierische Hinterlassenschaften

Erst in die Tüte – dann ins Feld

Bürstadt.Auf einen Blick kann Richard Schöcker gleich ein gutes halbes Dutzend der – offensichtlich gefüllten – Hundekotbeutel auf seinem Acker ausmachen. Der Landwirt ist fassungslos: „Da sammeln die Leute die Häufchen ein, machen ordentliche Knoten – und werfen die Tüten dann einfach mitten in die Landschaft“, ärgert er sich.

Schöcker steht an einem seiner gepachteten Felder, das im Westen ans Bürstädter Sonneneck angrenzt. Hier hat er Blumen und Kräutern ein Plätzchen eingeräumt – als sogenannte ökologische Vorrangfläche. Ganz am Rand, nicht weit vom Feldweg entfernt, liegen die unappetitlichen Hinterlassenschaften.

Zum Vorschein gekommen sind sie erst, nachdem die wilde Wiese gemulcht worden ist. Zwischen den abgemähten und klein gehäckselten Pflanzen sind die schwarzen Päckchen jetzt deutlich zu erkennen. „Einige hat es beim Mähen regelrecht zerfetzt“, zeigt Schöcker auf die Überbleibsel, die der Wind mittlerweile großzügig verteilt hat.

Feinsäuberlich verpackt

Direkt hinter Schöckers Wiese hat die Stadt ebenfalls eine Fläche für Insekten und Kleintiere reserviert. Was zwischen den hohen Blumen und Stauden verborgen ist, kann er sich lebhaft vorstellen. Ein Rätsel ist für ihn allerdings, warum jemand ein Hundehäufchen feinsäuberlich in Plastik verpackt, um es dann wegzuwerfen. „Einfach mitnehmen und in den Müllereimer schmeißen“, appelliert er an alle Spaziergänger mit Vierbeiner. Die nächste Hundetoilette im Sonneneck steht am Solarweg. Auch am Rudolf-Virchow-Weg befindet sich ein Spender für die schwarzen Tüten – und ein Mülleimer, in dem sie entsorgt werden könnten, wie die Stadtverwaltung mitteilt.

Mit oder ohne Plastik-Verpackung – tierische Hinterlassenschaft haben auf einem Feld nichts zu suchen. „Wir sind in einem Sonderkulturengebiet, hier werden Kartoffeln, Zwiebeln und Kräuter angebaut“, erläutert Schöcker. Mit dem Hundekot landeten jede Menge Bakterien mittendrin in den Lebensmitteln. „Eine Sauerei“, findet der Landwirt.

Auf dem Grundstück direkt beim Sonneneck wächst allerdings schon seit Jahren kein Gemüse mehr. Fünf Prozent seiner Ackerfläche, so schreibt es die EU vor, muss ein Landwirt der Natur überlassen – den Insekten und vielen Kleintiere zuliebe. „Es braucht nur noch ein paar Wochen – und vor allem Regen – dann ist hier wieder alles grün.“ Schwarze Tüten will Schöcker hier dann trotzdem nicht mehr sehen.

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