Bürstadt

Zeitgeschichte Bürstädter Hobby-Archäologe Dieter Heumann berichtet von der Anbindung Riedrodes an die Bahnlinie

Erster Zug hält im Mai 1939

Bürstadt.Einen ganz besonderen Knopf hat der Bürstädter Hobby-Archäologe Dieter Heumann gefunden, der auf einen ganz speziellen Bürstädter Jahrestag hinweist: „Am 15. Mai 1939 hielt zum ersten Mal ein Zug am neu erbauten Bahnhof in Riedrode“, berichtet er dem „Südhessen Morgen“. Der Knopf muss zu einer Uniform eines Bahnbediensteten aus dieser Zeit gehört haben. Gefunden hat er ihn in der Nähe der damaligen Gleisführung.

Auch ein Bild hat er parat, das den ersten Halt einer Dampflok in Riedrode zeigt. „Ja, es passt alles zusammen“, freut sich Heumann, der regelmäßig rund um Bürstadt unterwegs ist und schon etliche alte Schätze – vor allem Münzen – aus dem Boden geholt hat. Und jetzt eben auch den Uniformknopf, auf dem die Initialen der Hessischen-Ludwigsbahn-Gesellschaft, abgekürzt HLB, zu sehen sind. Abgebildet ist auf dem Knopf auch die Kontur einer Lokomotive. Heumann ist sich sicher, dass es sich um eine „Adler“ handelt, Deutschlands erste kommerzielle Dampflok, die am 7. Dezember 1835 ihren Betrieb aufnahm.

Die 18,29 Kilometer lange Nebenstrecke Bensheim-Hofheim wurde von der HLB erbaut und am 1. November 1869 in Betrieb genommen. Allein zwischen Bürstadt und Lorsch gab es sieben beschrankte Bahnübergänge. In den Jahren 1938/39 wurde der Riedrode Bahnhof als offene Pfeilerhalle erbaut, wie Heumann aus der Bürstädter Chronik zitiert. „Damals wurde die Halle ihrem Zweck übergeben – wohl sehr zur Freude der Riedroder Einwohner über diese neue Verkehrsanbindung“, meint er. Und hat noch mehr Details zu bieten: „Gebaut wurde die Adler im Auftrag der königlich privilegierten Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft von der britischen Firma Robert Stephenson & Co. in Newcastle upon Tyne. Nach fast zweimonatiger Reise kam die Lokomotive Ende Oktober in Franken an – zerlegt in 100 Einzelteile, verpackt in 19 Kisten von 177 Zentnern Gewicht.“

Mit seinen 66 Jahren gehört der Hobby-Historiker der Generation an, die in der Jugendzeit Dampflokomotiven täglich live erlebte. Heumann wuchs in der Nähe des Bahndammes auf. Noch heute braucht er „nur die Augen zu schließen und schon sind die Bilder von schwarzen Rauchfahnen, die typische Geräuschkulisse und vor allem dieser unvergleichliche Geruch nach Kohle, Dampf und Öl in allen Sinnen wieder zugegen“, erzählt er. Als Maschinenbau-Ingenieur hat er ohnehin ein Faible für die Technik dieses Lokomotiv-Typs – „eben Maschinenbau pur!“, findet er.

Für ihn gehört dazu auch die Uniform der Bahnbediensteten. „Und was machte eine gute Uniform aus? Die auffallenden Knöpfe, meist mit Bezug zu der Berufsgattung“, erläutert er. Gefunden hat er das Relikt aus alter Dampflokzeit ganz in der Nähe der Gleise. „Es ist davon auszugehen, dass der Knopf einmal mit einer Vergoldung oder Versilberung die Uniform schmückte“, berichtet Heumann. red

Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional