Bürstadt

Soziales Diakonisches Werk stellt Konzept für die Unterbringung von Wohnungslosen in Bürstadt vor

Fachliche Betreuung zwingend

Archivartikel

BÜRSTADT.Eigentlich wissen alle über die prekäre Lage in der Görlitzer und der Erbacher Straße Bescheid. Die Bewohner der Bürstädter Obdachlosenheime wünschen sich mehr Hilfe. Die Nachbarn fühlen sich belästigt. Auch die zuständigen Ämter fordern mehr Unterstützung, sind überfordert. Diese Situation wurde im Bericht des Diakonischen Werks in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses deutlich.

Rund 50 Obdachlose sind in den Gebäuden untergebracht – komplett ohne Betreuung. Ein ganzheitliches Konzept des Diakonischen Werks soll das Problem nachhaltig lösen. Katharina Alborea hat die Situation für die Diakonie analysiert und ihre Ergebnisse nun im Sozialausschuss vorgestellt. Konkrete Maßnahmen werden aber noch nicht ergriffen.

„Dass wir Handlungsbedarf haben, ist schon lange klar“, sagte auch Bürgermeisterin Bärbel Schader. Denn, so betonte Katharina Alborea, die Unterbringung von „unfreiwilligen Obdachlosen“ sei keine Frage guten Willens, sondern gesetzlich verpflichtend. Das große Problem in Bürstadt: Bisher würden Obdachlose nur in Heime eingewiesen, anschließend aber nicht mehr betreut. Zentrales Thema ist die Frage nach einem neuen Standort. Die Situation sei für alle Beteiligten unbefriedigend. Auch die Bewohner selbst würden sich eine Veränderung wünschen und seien nach eigener Aussage bereit, daran aktiv mitzuwirken. Für ihre Untersuchung hatte Alborea die Bewohner in der Görlitzer Straße 9 bis 11 und der Erbacher Straße 2 besucht.

Die Expertin glaubt, dass bei der Planung eines neuen Gebäudes nicht von der bisherigen Anzahl von etwa 50 untergebrachten Personen ausgegangen werden muss. „Viele könnten schon mit wenig Hilfe schnell in herkömmlichen Wohnraum vermittelt werden“, war Alborea sicher. Bei einer neuen Notübernachtung geht sie deshalb von einer Kapazität von etwa 20 Betten aus. Eine Ansiedlung empfiehlt die Expertin in Stadtrandlage. Eine Anbindung an den ÖPNV und an Supermärkte sei aber wichtig. Nur so könne man mit den Menschen das tägliche Leben einüben. Ein neuer Standort sei zwar unabdingbar – entscheidend für das Gelingen, sei aber nicht der Bau selbst.

Mehrere Standorte nötig

„Es ist zwingend notwendig, dass eine fachliche Betreuung, etwa ein Büro für Sozialarbeiter, dort mit untergebracht ist“, betonte Alborea. „Ansonsten verlagern wir nur das Problem, wie schon in der Vergangenheit“, gab ihr SPD-Fraktionschef Franz Siegl Recht.

Ein Standort allein reiche aber laut Alborea ohnehin nicht aus. Sie unterteilt die Wohnungsnotfallhilfe in vier Bereiche. In einer Notunterkunft empfiehlt sie zwölf Einheiten in WG-Charakter mit Dusche und WC. Die Unterbringung von Familien soll separat erfolgen. Im gleichen Haus empfiehlt sie auch die Unterbringung von älteren Menschen. Ein separates Haus mit etwa vier Wohnungen soll in der Kategorie „Unterstütztes Wohnen“ entstehen, in dem Familien in sozialer Notlage untergebracht werden. Hier wünscht sich die Expertin Gemeinschaftsaktivitäten wie Kochkurse, in die alle Bürger eingebunden werden können. Eine Teilnahme an der Sozialarbeit sei für die Bewohner verpflichtend.

Die vierte Kategorie bedient Menschen, die nur kurzfristig wohnungslos sind. Dafür solle die Baugenossenschaft bis zu drei Wohnungen vorhalten, so der Vorschlag. Durch intensive Aufklärung könnten auch private Eigentümer für einen Wohnungspool gewonnen werden, hofft Alborea. Konkrete Ideen und ein Zeitplan sollen nun bis zum Frühjahr erarbeitet werden.

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