Bürstadt

Elternforum Medienpädagoge Jan Rathje berichtet in der EKS über vorgetäuschte „Wahrheiten“

Fake News erkennen

Archivartikel

Bürstadt.Nicht wenige Menschen glauben, dass der amerikanische Präsident Donald Trump täglich seine teilweise abwegigen Ideen und obskuren Meinungen selbst twittert. „Er lässt twittern“, machte Medienpädagoge Jan Rathje beim Elternforum in der Erich Kästner-Schule deutlich. Er verlässt sich dabei ebenso auf Medienberater, die provozieren, wie Youtuber „Rezo“, der als „das Gewissen der Jugend im Internet gilt“.

„Fake News sind gefühlte Wahrheiten, lehnen wissenschaftliche Erkenntnisse ab und geben einfache Antworten auf komplexe Sachverhalte“, berichtete Schulleiterin Stephanie Dekker die interessierten Gäste in der Aula der Schule. Fake News – also vorgetäuschte Nachrichten – verhinderten Kompromisslösungen und seien mittlerweile eine ernstzunehmende Gefahr für die Demokratie. Oft würden sie auch als „alternative Fakten“ deklariert.

Gleich zu Beginn seines 90-minütigen Vortrages machte Jan Rathje deutlich: „Fragen Sie sich, wer will mich beeinflussen, und wer will mir etwas verkaufen.“ Die Flut täglicher Nachrichten sei kaum zu überblicken. Zudem seien in der Werbung Unwahrheiten vermehrt anzutreffen. Manche Bilder seien gestellt oder aus besonderen Blickwinkeln aufgenommenen und würden so weiter verbreitet – „verkauft“, wie es der Experte ausdrückt.

Neu hinzugekommen sei das sogenannte „Deep Fake“. Dabei würden mit Hilfe der Technik täuschend echt wirkende Bilder oder Videos hergestellt und diese Fälschungen weitergegeben und verbreitet. „Das ist kinderleicht“, erklärte Rathje. So hatten Schüler eines Heppenheimer Gymnasiums einen Lehrer in einen Pornofilm „eingearbeitet“. Sie wurden identifiziert und flogen von der Schule.

Nicht selten wird auch mit dem Heraufbeschwören von Ängsten gearbeitet. Nachzulesen sei dies in dem Buch „Digitale Demenz“ von Manfred Spitzer, führte Rathje aus. Zudem werde auf vielen TV-Kanälen gemobbt. Als Beispiel nannte er Sendungen mit Stefan Raab, Heidi Klum oder Dieter Bohlen, in denen die Beteiligten provoziert und beleidigt werden.

Jan Rathje empfahl den Eltern, als Vorbilder für ihre Kinder das eigene Medienverhalten zu überprüfen. „Wenn Eltern nur konsumieren und nicht hinterfragen“, werde dieses Verhalten von den Kindern übernommen. Gemeinsame Aktionen und das Stärken der Eigenverantwortung seien wichtig. Zudem sei Medienkompetenz die beste Prävention. Aus eigener Vatererfahrung berichtete er, dass Kinder sich unterschiedlich entwickeln.

Zudem machte er auf Seiten im Internet aufmerksam, die sich eingehend mit der Recherche von Falschmeldungen befassen. So etwa die 2011 gegründete Internetseite Mimikama, die über Internetmissbrauch aufkläre. Auch Klicksafe.de und „Lie Detectors“ versuchten, auf die Mediennutzung von Schülern einzugehen.

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