Bürstadt

Bildung Kurse an der Bürstädter Schillerschule für Dritt- und Viertklässler und die Sportlehrer

Flott auf dem Roller unterwegs

Archivartikel

Bürstadt.Slalomstangen elegant umkurven oder mit beiden Füßen auf dem Standbrett durch die Turnhalle cruisen, weil auf dem Hallenboden imaginäre Piranhas schwimmen – für Lina, Hanna und Jonathan kein Problem. Die Schillerschüler aus Bürstadt haben’s voll drauf auf zwei Rädern.

Schließlich fahren sie, wie viele ihrer Mitschüler auch, täglich mit dem Roller zum Unterricht. Dass das – rein mechanische – Gerät auf den Gehweg gehört, wissen sie deshalb schon. Doch vom sogenannten „A-Lauf-Stopp“ haben sie noch nichts gehört. „So kann man viel schneller und sicherer bremsen“, erklärt ihnen Alica Hirsch. Und macht es in der Wasserwerkshalle prompt vor.

Die professionelle Trainerin der Firma „City Skate“ hüpft von ihrem Gefährt und läuft zwei abfedernde, breitbeinige Schritte weiter. Als sie zum Stehen kommt, formen ihre Beine ein „A“. Lina und ihre Freunde haben bisher immer die Fußbremse benutzt oder mit einem Fuß auf dem Boden „ausgeschlittert“. „Das sieht zwar cool aus“, sagt Alica Hirsch, dauert aber sehr lange“. Deshalb zeigt sie den Schülern gleich mehrere, effektivere Bremsmanöver.

Für das Projekt „RollerKIDS“ ist sie mit ihrem Kollegen Steven Moser aus Schlüchtern angereist. Gemeinsam trainieren sie jährlich an 40 Schulen mit Kindern und deren Lehrkräften. Finanziert wird das Ganze von der Unfallkasse Hessen, bei der sich alle Grundschulen um diese für die Schulen kostenlosen Kurse bewerben können. Zentrales Ziel ist die Steigerung der Verkehrs- und Bewegungssicherheit der Kinder. Schüler sollen praxisnah auf Herausforderungen des Straßenverkehrs vorbereitet werden.

Die Idee aus der Schillerschule sei passenderweise aus der Arbeitsgemeinschaft „Wahrnehmung und Bewegung“ gekommen, wie Konrektor Rolf Winkler berichtet. Bevor der Spaß in der Turnhalle aber so richtig los geht, gibt es erstmal theoretische Grundlagen. Oberstes Gebot: Immer einen Helm aufziehen. Außerdem darf der Lenker maximal bis zum Bauchnabel gehen, zwischen Helmriemen und Kinn sollten maximal zwei Finger passen.

Die drei Profis Lina, Hanna und Jonathan wissen das natürlich schon – aber längst nicht jeder ist so sicher wie die drei Nachbarskinder. Ihre Spielstraße machen die drei fast täglich mit dem Roller unsicher. Dass überhaupt so viele Kinder mit dem Roller zur Schule kommen statt etwa gefahren zu werden, freut den Konrektor Winkler. Doch außerhalb der verkehrsberuhigten Bereiche lauern auch für geübte Fahrer jede Menge Gefahren: Gegenverkehr, Autos aus Einfahrten, Passanten oder Hunde. „Fertigkeiten wie schnelles Abstoppen oder Ausweichen sind enorm wichtig“, weiß Winkler. Das Motto der Aktion lautet deshalb: „Roller fahren – aber sicher!“.

Nach der ersten Gruppe am Vormittag, die aus Kindern der Nachmittagsbetreuung Bärenhöhle besteht, sind dann die Erwachsenen selbst dran. Zuvor hatten sie schon „hospitiert“ und sich einige Tricks auf dem Klemmbrett notiert. Nun sammeln zehn Lehrer und vier Betreuer der Bärenhöhle selbst Praxiserfahrung auf dem Roller und merken: Gar nicht so einfach. Gemeinsam mit den Profis können sie so Unterrichtsideen ausarbeiten. Das Equipment mit Rollern und Helmen bleibt die ganze Woche in der Grundschule. Bis dahin werden alle zweiten und dritten Klassen von den Sportlehrern geschult. „Bei 26 Klassen und einer Woche Zeit können leider nicht alle teilnehmen“, erklärt Konrektor Winkler, verspricht aber: „Es profitieren davon alle“. Denn die nun ausgebildeten Lehrer wollen das Rollertraining in den Sportunterricht integrieren. So soll künftig jeder Schüler möglichst sicher im Umgang mit den flotten Zweirädern sein. Auch wenn am Anfang der Stunde noch so mancher auf den Boden plumpst, am Ende der Übungseinheit sind alle Schüler ein kleines bisschen sicherer unterwegs. Ganz ohne Mehrkosten für die Schillerschule.

Info: Bewerbungen unter www.ukh/praevention.de

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