Bürstadt

Bauhof Einsatz in den frühen Morgenstunden ist „hartes Brot“ / Streusalz aufs Gramm abgemessen

Flüchtiger Winterzauber hält genau einen Vormittag

Bürstadt.Wer früh genug unterwegs war, konnte den kurzen Wintereinbruch in vollen Zügen genießen: Wenn auch nur wenige Zentimeter dick, gab es in Bürstadt am Dienstagmorgen immerhin eine geschlossene Schneedecke. Bislang hatte die weiße Pracht nur vom fernen Odenwald herüber geleuchtet. Bis zum Vormittag war in der Region allerdings das letzte Restchen Schnee wieder verschwunden. „Damit haben wir gerechnet“, verrät Bauhof-Leiter Bernd Bildstein unserer Redaktion. „Deswegen waren wir beim Streuen sehr zurückhaltend.“

Die Wettervorhersagen sind mittlerweile richtig gut, bestätigt der Bauhof-Chef. Zwischen fünf und sechs Uhr sollte es anfangen zu schneien, später dann Nieselregen aufkommen. Trotzdem war Bildstein mehrmals in der Nacht draußen, um zu prüfen, ob es auf den Straßen glatt wird. Ab vier Uhr war er dann unterwegs, gegen fünf alarmierte er seine Mannschaft. Der Schnee kam schließlich erst gegen halb sieben, dann allerdings heftig: Dicht wie ein Vorhang fielen die Flocken, dazu wehte ein kräftiger Wind. In kurzer Zeit waren Straßen und Wege weiß.

Kreisel und Brücken zuerst

Für das Team von Stadtgärtnerei und Bauhof allerdings kein Problem, winkt Bildstein ab. „Der Wintereinbruch Anfang Dezember war schlimmer“, sagt er. In wenigen Stunden streuten die zwölf Männer die wichtigsten Straßen, alle Kreisel und auch die Brücken. Busstrecken und Feuerwehr-Stützpunkte mussten ebenfalls zügig von Schnee und Eis befreit werden. Und auch die Radwege sind wichtig, macht Bildstein klar.

Trotzdem wird nur genauso viel Salz verwendet wie nötig. Aufs Gramm genau kann gesteuert werden, welche Mengen auf der Straße landen. „So ein Einsatz kostet viel Geld“, gibt Bildstein zu bedenken. Material, Arbeitsstunden, Verschleiß, da kommt einiges zusammen. Aber auch der Umweltschutz spielt eine wichtige Rolle: Das Salz schadet der Natur, deshalb achtet der Bauhof-Leiter ganz genau darauf, dass kein Körnchen zu viel auf der Straße landet.

Darauf weist auch der hessische NABU-Vorsitzende Gerhard Eppler hin: „Streusalz schädigt Bäume, trägt zur Versalzung von Gewässern bei und greift die Pfoten von Wild- und Haustieren an“, macht er deutlich. Das Salz könne den Nährstoffhaushalt der Pflanzen durcheinander bringen. Das führe zu Trockenschäden, die sich oft erst im Sommer zeigten. Vor allem Stadtbäume sieht er dabei einem besonderen Stress ausgesetzt. Er empfiehlt, zu Alternativen zu greifen und mit Split oder Sand dafür zu sorgen, dass es vor der Haustüre nicht rutschig ist.

Zwar dürften auch Privatleute Streusalz verwenden, und nicht nur die Städte und Gemeinden. Allerdings spricht sich auch Bernd Bildstein fürs Maß halten aus. „Höchstens in haushaltsüblichen Mengen“, lautet sein Rat. Zumal es gute Alternativen gebe.

Allerdings mussten Bildstein und seine Mitarbeiter in den vergangenen Jahren immer seltener zu solchen Einsätzen ausrücken. „Wir haben Glück gehabt“, findet er. Im Winter zuvor war die Mannschaft nur zwei bis drei Mal zum Streuen unterwegs.

Milderes Klima

Und auch diesmal rechnet er nicht mit einem allzu heftigen Wintereinbruch. „Noch den Februar abwarten, dann ist’s wohl rum“, schätzt er. Der Klimawandel spiele dabei ganz sicher eine wichtige Rolle. Aber vorsichtig bleibt er trotzdem. Mit Überraschungen sei immer zu rechnen.

Diesmal ist alles gut gelaufen. „Eigentlich locker“, sagt Bildstein. Trotzdem sei es „hartes Brot“, so früh bei eisigen Temperaturen draußen im Einsatz zu sein. Für die Kinder tut es ihm allerdings ein bisschen leid, dass die weiße Pracht hier so schnell verschwunden ist. Schlitten fahren geht nach wie vor nur in den Bergen.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker überregional