Bürstadt

Super Bowl Bürstädter Redskins und Wormser Kino laden zum gemeinsamen Event / Hot Dogs, Burger und Fachsimpeleien

Football-Fans machen die Nacht zum Tag

Archivartikel

Bürstadt/Worms.Der blaue Vorhang in Saal vier öffnet sich Punkt 23.32 Uhr. Damit beginnt für die Bürstadt Redskins in der „Kinowelt“ Worms und knapp 200 Football-Fans die Nacht der Nächte: Der 54. Super Bowl steht an.

Das wohl größte Sportereignis der Welt lebt von seinem Eventcharakter. Fände das Finale der National Football League (NFL) nicht sowieso an einem Sonntag statt, hätte dieser Tag in den USA wohl längst offiziell Feiertagsstatus. Doch auch in Deutschland erfreut sich der Super Bowl großer Beliebtheit. Nicht erst seit diesem Jahr werden etliche Hallen und Kinos zum Schauplatz einer Football-Übertragung. In Worms machen die Kinowelt und die Redskins, die Footballer des TV Bürstadt, gemeinsame Sache.

Gespräche für 2021 geplant

Es ist die erste Kooperation dieser Art – und soll nicht die letzte sein. Das stellt Christian Graber, Kino- und Theaterleiter und selbst großer Football-Fan, am Ende der Partynacht gegen 4.30 Uhr klar. „Fürs Jahr 2021 werden wir wieder mit den Redskins in Gespräche gehen“, sagt der Mann, der das Event mit seiner Kollegin Lorena Naumann und den Bürstädter Footballern in den vergangenen sechs Monaten geplant hat: „Für ein erstes Mal lief es erstaunlich problemlos. Die Redskins haben die Veranstaltung zu einer Party gemacht.“

Bis 20 Uhr läuft das normale Filmprogramm, erst danach können Graber, Naumann und Kollegen den Abend vorbereiten. Natürlich ist der Großteil der Kinobesucher den Redskins und dem TV Bürstadt verbunden. Viele Spieler der Herren- und Jugendteams, Cheerleader, Trainer, Freunde und Angehörige sind dabei.

Eine Privatvorstellung für die Redskins ist es allerdings nicht. Laut Graber haben sich knapp 60 externe Besucher Tickets im Vorverkauf besorgt, die den Zutritt zur „Pre-Game-Party“ beinhalten. Ein gutes Dutzend Karten geht an der Abendkasse weg. Ein paar Besucher kommen lediglich für das Spiel vorbei: Der Eintritt ist ab 23.45 Uhr gratis. Wer rechtzeitig da ist, kann sich früh einen Sitzplatz suchen. Die hinteren Reihen sind schnell weg, am Ende ist Saal 4 fast restlos belegt.

Die Party vor dem Spiel verspricht, was sie hält. In Foyer und Kinosaal legen zwei DJ-Teams auf. Rote, weiße und blaue Luftballons sind allgegenwärtig. US-Flaggen, Spielerhelme, Bälle und ein Stand mit Fanartikeln dienen als Blickfänger – genauso wie die Football-Trikots, die viele Kinobesucher am Sonntagabend tragen. Kastanienbraun – Maroon – dominiert, und damit die Farbe der Redskins.

Unter den diesjährigen Finalisten – den San Francisco 49ers und den Kansas City Chiefs – hat der fünffache Champion aus Kalifornien klare Vorteile. Ein 49ers-Fan erscheint in voller Montur und trägt das Trikot von Vereinsikone Joe Montana. Im Foyer versorgen sich die Besucher auch während des Spiels mit Vorräten. Es gibt American Food wie Hot Dogs und Hamburger. Beim Essen werden letzte Prognosen ausgetauscht. Hier hängt auch ein Banner der 49ers, mit Mark Nzeocha gehört ein deutscher Spieler zum Team.

Der Super Bowl begeistert die Zuschauer schnell. San Francisco und Kansas City liefern sich ein hochklassiges Finale, es geht hin und her. Und genauso schnell wird klar: Die 49ers-Anhänger haben doch Konkurrenz. Eine Reihe an Zuschauern hält es unüberhörbar mit dem Außenseiter aus Missouri, der seit 50 Jahren auf den Gewinn der Vince Lombardi Trophy wartet – und der nach dem dritten Quarter vermeintlich abgeschlagen 10:20 zurückliegt.

Ob das Daumendrücken für Kansas City auch daher rührt, dass sich die Chiefs und die Bürstadt Redskins den „Tomahawk Chop“ als Schlachtgesang teilen? Vielleicht. Die Begeisterung ist jedenfalls groß, als das Team um Kultcoach Andy Reid im letzten Viertel drei Touchdowns erzwingt und den Super Bowl mit 31:20 für sich entscheidet.

Saal 4 leert sich schnell. Es ist eben doch spät – oder früh. Wie es nun mal so ist, wenn Football-Fans die Nacht zum Tag machen.

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