Bürstadt

Justiz Ex-Freundin wirft 24-jährigem Bürstädter schwere Straftaten vor / Landgericht Darmstadt zweifelt Aussagen an

Freispruch nach Vergewaltigungsanklage

Darmstadt/Bürstadt.Ein 24-jähriger Bürstädter ist von seiner Ex-Freundin der Vergewaltigung bezichtigt worden, das Landgericht Darmstadt sprach ihn am Mittwoch frei. Dabei muss es am Anfang die große Liebe gewesen sein. Beim Gokart-Fahren trafen sich die beiden zum ersten Mal, anschließend chatteten der damals 21-jährige B. und die damals 17-jährige T. miteinander, Anfang 2017 wurden sie offiziell ein Paar. Er wohnte in Bürstadt, sie bei ihrer Familie in der Nähe von Stuttgart.

Inzwischen haben sich die beiden getrennt. Nun trafen sich B. und T. vor dem Landgericht Darmstadt wieder. Die Anklagepunkte, die Staatsanwältin Cyd Hergenröder zu Beginn der Verhandlung vorlas, wiegten schwer: Mehrfache Vergewaltigung, Körperverletzung und Freiheitsberaubung.

Angesetzt war der Prozess auf drei Tage, doch bereits am Mittwochmittag verkündet die Vorsitzende Richterin Ingrid Schroff das Urteil. Freispruch. „Nach der Aussage von Frau T. gab es nur diese eine Möglichkeit“, so die Begründung. Die heute 20-Jährige hatte im Juni 2018 gegenüber der Polizei angegeben, dass sie von ihrem Ex-Freund dreimal vergewaltigt wurde. T. und B. lebten damals in Bürstadt in einer gemeinsamen Wohnung. Immer wieder gab es Streit zwischen den beiden.

Er sperre sie ein und treffe sich mit Frauen, sie wolle ihm alles verbieten und flüchte ständig nach Stuttgart, lauteten die gegenseitigen Vorwürfe. Auf die Frage von Richterin Schroff, warum sie B. denn nicht dauerhaft verlassen hätte, hatte T. nach kurzem Nachdenken eine klare Antwort: „Zu dem Zeitpunkt war ich verliebt und blind.“

Ihr damaliger Freund habe sie Anfang März 2018 nachts geweckt, zum Geschlechtsverkehr gezwungen und sie dabei gewürgt, hatte T. der Polizei erzählt. Am nächsten Tag soll er sie erneut zum Sex gezwungen haben, ein drittes Mal drei Monate später. Zu einem Zeitpunkt, als B. die Beziehung bereits beendet hatte.

Große Zweifel an den Tathergängen kamen bei Richterin Schroff nach der nichtöffentlichen Aussage von T. „Sie konnten keinen der Anklagepunkte genau schildern, haben sich in Widersprüche verstrickt und völlig andere Angaben gemacht als bei der Polizei“, so Schroff in ihrer Urteilsbegründung. Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. tbö

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