Bürstadt

Landwirtschaft Andreas List vom Bärli-Hof in Bürstadt sieht im warmen Januar eine verzögernde Wirkung / Viele weitere Faktoren

Früher Start? Spargel-Profi bremst Euphorie

Archivartikel

Bürstadt.Kältesumme. Wärmesumme. Dormanz. Nein, nein, das ist schon der Lokalteil dieser Tageszeitung – und nicht etwa die Seite Forschung & Technik. Aber es geht um Spargel. Und der ist bekanntermaßen eine Wissenschaft für sich. Während in der ganzen Region die Folien verlegt werden, oder schon liegen, und der eine oder andere Anbauer über einen womöglich sehr frühen Saisonstart frohlockt, sprechen wir mit einem, der die Euphorie bremst. Andreas List betreibt seit 1993 den Bärli-Hof auf dem Boxheimerhof in Bürstadt, er hat sich auf Frühspargel spezialisiert. Und er ist ein ausgemachter Profi auf dem Feld der weißen und grünen Stangen.

Also, die Kältesumme: Andreas List erklärt, dass der Spargel eine gewisse Kältemenge und -dauer brauche, damit die Keime ruhen könnten. Womit wir bei der Dormanz wären: Der Begriff rührt aus dem Lateinischen, kommt von dormire für schlafen. Der Spargel ist eine Dormanz-Pflanze, sie braucht Kälte, dann kann sie ihren Stoffwechsel herunterfahren und regenerieren. Quasi Kraft schöpfen für die neue Saison.

Keime im Winterschlaf

„Dafür war der Winter, vor allem der Januar, bis jetzt viel zu mild“, sagt List. „Hätten wir beispielsweise im Januar zwei Wochen mit minus 10 Grad gehabt, könnten wir schon eher auf einen frühen Start hoffen. Aber da gibt es halt noch mehr Faktoren.“

Dazu kommen wir noch. Das mit der Wärmesumme müssen wir erst klären. „Ja, eben“, sagt der Fachmann. „Eine zu geringe Kältesumme – und davon sprechen wir im Moment – erfordert eine um so größere Wärmesumme.“ Will sagen: Fehlt dem Spargelkeim die Kälte für seine Regeneration, ist die Pflanze weniger stark – und braucht deswegen in der fortgeschrittenen Jahreszeit ausgesprochen viel und lange Sonne.

Da aber der Februar noch mit erheblicher Kälte aufwarten könne, sei es, Stand heute, noch nicht zu spät für eine ausreichende Dormanz. Andreas List schränkt jedoch sofort wieder ein: Ausreichender Schlaf allein versichere auch noch längst keinen frühen Saisonbeginn. Denn dann komme ja die Wärmesumme zunächst wieder ins Spiel. Wenn zum Beispiel der März trübe und verregnet wäre, würden auch ausgeschlafene Spargelkeime nicht früh austreiben, sagt List.

Der Spargelbauer meint, wir könnten froh sein, wenn es Mitte März losgeht. Und: „Ach, wissen Sie was? Warten wir es doch einfach ab.“ Genau.

Aber ein Thema wollen wir noch ansprechen, es ist wetterunabhängig: Die vielen Kilometer Kunststofffolie, die zum Teil dreistöckig über die Reihen gespannt wird – viele Menschen stören sie, sie haben etwas Unnatürliches. Und Umweltschützer sagen, sie würden der Natur Fläche entziehen, außerdem große Mengen an Plastikmüll verursachen Die Folien, so List, würden mehrfach verwendet und danach nicht weggeschmissen, sondern recycelt.

Andreas List meint, das müssten auch Umweltschützer gut finden: „Die Folien machen Herbizide überflüssig, weil unter ihnen kein Unkraut wächst. Hätten wir keine Folie, müssten wir Unkrautvernichter spritzen.“

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional