Bürstadt

Kulturbeirat Bodo Bach denkt im Bürstädter Bürgerhaus über Glück, Pech und Dummheit nach / Begeistertes Publikum

Funke springt direkt über

Archivartikel

Bürstadt.Spätestens seit Bodo Bach im Jahr 2001 eine eigene Fernsehshow bekam, ist er bei nahezu jedem Comedy-Fan der Republik bekannt. Was die meisten nicht wissen: Es handelt sich um eine Kunstfigur, hinter der der Frankfurter Radiomoderator und Komiker Robert Treutel steckt. Im Bürstädter Bürgerhaus konnten sich jetzt 300 Zuschauer daran erfreuen, wie Treutel sich auf Einladung des Kulturbeirats in Bodo Bach verwandelte und dabei sein aktuelles Programm „Pech gehabt“ vorstellte.

Eins gleich vorweg: Bürstadt und Bach haben von Beginn an nicht miteinander gefremdelt. Dass der Funke direkt übersprang, lag wohl nicht zuletzt daran, dass der Frankfurter Dialekt des Künstlers dem südhessischen Zungenschlag recht ähnlich ist und es so nie zu Verständigungsproblemen kommen konnte. Und ohnehin ist die Wahrnehmung von Pech immer und überall die gleiche.

„Das Glück ist nie weg“

„Wenn es anderen passiert, ist es meistens komisch“, meinte Bach. Und natürlich kennt jeder im Saal das Gefühl, wenn ein Missgeschick Gelächter und Schadenfreude hervorruft. „Das Glück ist nie weg, sondern nur gerade bei jemand anderem“, ruft Bodo Bach zu Gleichmut auf, wenn es gerade mal nicht so klappt wie gewünscht. Außerdem warnt er davor, Pech und Dummheit zu verwechseln. Als Beispiel dient ein samstäglicher Besuch bei Ikea. Wer das macht, habe nicht Pech, weil er sich in einem überfüllten Kaufhaus sein Wochenende ruiniert. Sondern er sei lediglich einfach blöd.

Die Dinge, die Bach vorbringt, sind meist Episoden aus dem eigenen Leben und haben hörbar Wiedererkennungswert. Natürlich kommt „Pech gehabt“ auch nicht ohne den größten aller menschlichen Konflikte aus: den zwischen Mann und Frau. Der Gatte möchte in Jogginghosen und mit Bier in der Hand die Sportschau genießen. Die bessere Hälfte will stattdessen eine Einladung der yogatreibenden Nachbarin annehmen und sich an einem vegetarischen Mahl erfreuen. Für den Liebhaber des kalten Gerstengetränks erschließt sich auch der Sinn einer von der Gattin erwünschten Weinwanderung nicht, denn entweder wird gesoffen oder gewandert.

Gott sei Dank ist Bach ein echter Romantiker und scheut nicht davor zurück, im richtigen Moment ein Zeichen zu setzten, zum Beispiel in dem er seiner geliebten Frau Gerda am Sonntagmorgen den Abwasch ans Bett bringt. Altersmilde sei er geworden. „Erst wenn eine Fliege auf deinem Hoden sitzt, lernst du, Probleme ohne Gewalt zu lösen“, gibt er sich geradezu konfuzianisch.

Die Menge im Bürgerhaus ist begeistert – und Bach unverkennbar einer von ihnen. Nach einer zweistündigen Vorstellung, die gänzlich ohne erhobenen Zeigefinger auskam, erntet Bodo Bach sehr viel Beifall von seinem Bürstädter Publikum, welches an diesem Abend trotz des irreführenden Programmtitels Glück gehabt hatte, einem echten hessischen Original bei der Arbeit zuschauen zu dürfen.

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