Bürstadt

„Lesen mit Herz“ Lyrik-Abend in der evangelischen Kirche von Bürstadt steht unter dem Motto „schaurig schön“

Gedichte mit Gruselfaktor

Bürstadt.Wenn es früh dunkel wird und Nebelschwaden Häuser und Landschaften geradezu gespenstisch – also schaurig schön – erscheinen lassen, dann wünschen sich viele ein prasselndes Kaminfeuer, sanftes Licht und angenehm warme Stimmen. Wenn diese Stimmen dann die Kunst beherrschen, mit einfühlsamen Geschichten oder lustig-verschmitzten Versen der Jahreszeit einen besonderen Zauber einzuhauchen, kommt eine besondere Stimmung auf.

So erging es den Zuhörern in der evangelischen Gustav-Adolf-Kirche. Dorthin hatten Monika Barmann, Renate Gayer, Christa Kilian, Rita Lausecker, Gabi Winkler, Siegfried Gebhardt und Helmut Kaupe zum Lyrik-Abend „Lesen mit Herz“ eingeladen – unter dem Motto „schaurig schön“. Mit dem Gedicht „Des Pfarrers Katze“ bedankten sich die Vorleser bei ihrer Gastgeberin, Pfarrerin Johanna Gotzmann.

Erlkönig nach Heinz Erhardt

Von Klappern eiliger Pferdehufe begleitet, nahmen die Rezitierenden beim Goethe-Klassiker „Der Erlkönig“ die Zuhörer mit in den Sattel zu Vater und Kind: „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind“. In der Ballade kommt der Sohn ums Leben. Bei Heinz Erhardt geht die Geschichte ganz anders aus: Helmut Kaupe zitierte die verschmitzt-verdrehten Worten des berühmten Humoristen: „Der Knabe lebt, das Pferd war tot.“

Monika Barmann, die die Lesungen immer wieder mit selbst geschriebenen Gedichten bereichert, nahm mit zu einer Wanderung durch die Natur und zu einem Menhir. Es ging zu einer einsamen Waldlichtung mit Blick über einen See. Dorthin „wo aus dunklen Wolken ein Sonnenstrahl fällt“.

Wer jetzt noch keine Gänsehaut hatte, bekam sie spätestens beim Gedicht „Idyll“ von Erich Mühsam. Er beschrieb drastisch, wie ein alter, kalter Leichnam an einem Telegrafenmast hängt. Nach so viel Grusel brachte Monika Barmann mit der Ballade „Sonnenkind“ wieder Licht ins Dunkel. Christa Kilian las die Textzeile der alten deutschen Ballade „Die schöne Lilofee“.

Mit dem deutlich hörbaren Einsatz einer Fliegenklatsche unterstrich Siegfried Gebhardt seinen Vortrag. Renate Gayer erinnerte an die von Theodor Storm geschriebene „Walpurgisnacht“, in der das Böse ein Fest feierte. Dass es auch kurz und knapp geht, bewies Rita Lausecker mit dem Gedicht „Weg“. Mit den Worten des Schriftstellers und Kabarettisten Joachim Ringelnatz wurde vom Trennungsschmerz im „Letzten Weg“ berichtet.

Nach so viel Seelenschmerz wurde es Zeit für Erheiterung und Entspannung. Mit dem Gedicht „Der fröhliche Tote“ und den launigen Betrachtungen von Wilhelm Busch von Schnecken in Salat durfte auch ein „Werwolf“ nicht fehlen. Mit einem musikalischen Intermezzo des Kirchenchors St. Michael – bei dem Gabi Winkler auch als Sängerin mitwirkte – wurden die Zuhörer in die Pause entlassen.

Im zweiten Teil des schaurig-schönen Abends durfte sich das Publikum an Worten von Eugen Roth, Berthold Brecht, Heinz Eberhardt, Heinrich Heine oder Wilhelm Busch erfreuen. Chorleiterin Andrea Zeilfelder und der Frauenchor von St. Michael schickten die Zuhörer mit einem Stück aus dem Musical „Das Phantom der Oper“ in die dunkle Nacht.

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