Bürstadt

Bürgermeisterwahlen Bärbel Schader in Bürstadt wiedergewählt / Herausforderer Volker Scheib gewinnt deutlich gegen Bibliser Amtsinhaber Felix Kusicka

Große Freude und herbe Enttäuschung

Archivartikel

Bürstadt/Biblis.Bürgermeisterwahlen haben in Bürstadt und Biblis für Spannung gesorgt und auch Veränderungen eingeläutet. Hinter der Bürstädter Bürgermeisterin Bärbel Schader liegt ein Wahlabend, der sicherlich Nerven gekostet hat. Mit 52 Prozent der Stimmen haben die Wähler der CDU-Politikerin am 27. Januar eine knappe Führung vor SPD-Herausforderer Steffen Lüderwald (45,7 Prozent) verschafft. Die dritte Kandidatin Anne Stertz-Hofmeister kommt auf 2,3 Prozent. Vor der Abstimmung hat sie bereits erklärt, aus gesundheitlichen Gründen nicht für das Amt zur Verfügung zu stehen.

Mit einem Paukenschlag endet dagegen der Wahlabend am 27. Oktober in Biblis. Schon die ersten Ergebnisse aus den Wahllokalen machen deutlich, dass es für den Amtsinhaber Felix Kusicka nicht für eine Wiederwahl reicht. Volker Scheib (parteilos) gewinnt. Er hat als letzter der insgesamt vier Kandidaten seine Bewerbung bekannt gegeben. Der Sieger lässt mit 59,2 Prozent der Stimmen die drei anderen Kandidaten weit hinter sich. Kusicka, den die CDU unterstützt, kommt auf knapp 30 Prozent. Der FLB-Kandidat Ralph Bühler (AfD) erhält 6,3 Prozent und damit den dritten Platz. Ewald Gleich (SPD) verzeichnet mit 4,6 Prozent die wenigsten Wählerstimmen.

„Ich habe nicht erwartet, dass es so schnell ein so eindeutiges Ergebnis gibt. Das ist epochal. Es wird sich alles verändern“, sagt Scheib am Wahlabend. „Aber meine Unterstützer meinten, dass es sich heute Abend entscheidet.“ Und die Entscheidung kommt so schnell, dass Scheib erst mal durchatmen muss. „Ich bin sehr aufgewühlt“, gesteht er. „Ich freue mich auf das Amt.“

Der Auftritt beim Bürgerforum des „Südhessen Morgen“ in der Riedhalle habe ihm viel Zustimmung gebracht. Die Zuschauer hätten ihn als authentisch und dezent auftretenden Kandidaten erlebt. „Ein stimmiges Gesamtbild“, freut sich Scheib über das Vertrauen der Wähler.

Am 1. April 2020 wird der Wahlsieger sein Amt als Rathauschef antreten. „Das klare Ergebnis bei der Wahl zeigt, dass ich viel Rückhalt habe. Und das stärkt mich. Das ist ein guter Anfang.“ Sein Ziel ist ein glatter Übergang, damit keine Projekte auf der Strecke bleiben. Seine Schmiede in Biblis wird ruhen. Er habe mit Kollegen gesprochen, die seine Kunden übernehmen könnten. „Jetzt werden Pläne geschmiedet“, fügt Scheib an.

„Ich werde den neuen Bürgermeister unterstützen, wo es mir möglich ist“, kündigt Ewald Gleich an. Er werde weiterhin in der Gemeindevertretung mitarbeiten und bleibe auch SPD-Vorsitzender. Er sei enttäuscht, weniger Stimmen als FLB-Kandidat Ralph Bühler bekommen zu haben.

Einige Tage nach der Wahlschlappe stellt Felix Kusicka im Gespräch mit unserer Zeitung fest: „Volker Scheib ist es gelungen, die Leute anzusprechen und zu emotionalisieren. Das sei ihm mit dem Thema Stadtumbau nicht gelungen. Und: „Das habe ich in der Kommunikation versäumt.“

So richtig zufrieden ist auch die Bürstädter Rathaus-Chefin nicht mit dem Wahlergebnis. Vor allem ihre Kritiker sehen ihren mit 52 Prozent erzielten Sieg als einen Schuss vor den Bug. Die politischen Lager seien deutlich gespalten, klares Ziel von Grünen und Sozialdemokraten der Wechsel im Rathaus gewesen. „Ich habe mit einem solchen Ergebnis gerechnet“, sagt Schader kurz nach der Wahl, zeigt sich aber doch erleichtert darüber, dass sie für eine zweite Amtszeit ins Rathaus einziehen kann. „Die Arbeit geht weiter“, sagt sie. Allerdings übt sie auch Selbstkritik. Projekte wie die Messplatzbebauung und die wiederkehrenden Straßenbeiträge haben für massiven Ärger bei vielen Bürgern gesorgt. Deshalb will sie künftig das Tempo drosseln und die Menschen nicht überfordern. In der Tat sind vor allem in den sozialen Netzwerken die Emotionen hochgekocht. Von „Diktatur“ und „gegen eine Wand reden“ war zu lesen – Kommentare, die Schader sehr ärgern.

Ihrem Herausforderer Steffen Lüderwald (SPD) bescheinigt sie dagegen einen guten Stil und einen „sehr fairen Wahlkampf“. Auch bei den Bürstädtern trifft der Sozialdemokrat aus Hofheim auf Respekt und Hochachtung. Zur Unterstützung kommt der hessische SPD-Politiker Thorsten Schäfer-Gümbel nach Bürstadt und begeistert seine Zuhörer.

Vor allem in Bobstadt kann Lüderwald punkten, fährt in den beiden Wahlkreisen 55 und 54,3 Prozent ein. „Viele haben sich den Wechsel im Rathaus gewünscht und sind über den Ausgang der Wahl enttäuscht“, lautet sein Fazit. In der Politik mischt er weiter mit als Stadtverordneter in Lampertheim. Im September erhält er für seine Flüchtlingsarbeit den hessischen Landesehrenbrief.

Unter ferner liefen rangiert die unabhängige Kandidatin Anne Stertz-Hofmeister. Trotz ihres Rückzugs bleibt ihr Name auf den Wahlzetteln stehen, sie erhält 2,3 Prozent. Nur wenige Stimmanteile mehr, und sie hätte die absolute, wenn auch knappe Mehrheit Bärbel Schaders durchaus ins Wanken bringen können.

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