Bürstadt

Jugendhaus Gespräch mit dem Team der Sozialagentur Fortuna im neuen Domizil / Geschäftsführer will Jugendliche in vielen Belangen unterstützen

Haberer hat sich viel vorgenommen

Bürstadt.„Wir wollen einen Ort schaffen, an dem sich Jugendliche begegnen, voneinander lernen und sich entwickeln können“, sagt Oliver Haberer. Der 45-Jährige leitet die Sozialagentur Fortuna, die sich um die Jugendarbeit im neuen Jugendhaus kümmert. Es ist nun seit vier Wochen geöffnet, steht aber noch leer.

„Zum Teil kommen auch schon Jugendliche“, erzählt Tobias Kleiner. Der 30-Jährige ist Teamleiter im neuen Jugendhaus. „Dann fragen wir sie, was sie sich hier wünschen.“ Ein Billardtisch und zwei Tischkicker sind bestellt, ebenso die Möbel. Es dauere aber ein paar Wochen, bis diese das frühere Vereinsheim des Volkschors füllen. So lange sucht das achtköpfige Team der Sozialagentur Fortuna – und vor allem Tobias Kleiner – die Jugendlichen an unterschiedlichen Stellen der Stadt auf, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Als „Hotspots“ bezeichnet der ausgebildete Erzieher und Mediator Plätze wie die alla-hopp!-Anlage oder das Freizeitkickergelände. Ältere treffe er zudem an der Aral-Tankstelle, gleich um die Ecke vom Jugendhaus.

Derzeit geht es dem Team darum, Ideen zu sammeln, wie sich das Haus aufstellen soll. Auf den Plänen sieht es bereits einladend aus: Alle Tische haben Rollen, um sie flexibel zusammen- oder wieder auseinander schieben zu können. Dazu kommen bewegliche Hocker, die die Sitzdynamik fördern. „Das ist nicht einfach nur ein Stuhl, man sitzt wie auf einem Ball und hält den Rücken gerade“, erzählt Haberer. Alles stehe sinnbildlich für die soziale und gesunde Stadt – das Förderprogramm, mit dem sich Bürstadt die kommenden zehn Jahre weiter entwickeln will. Dementsprechend soll auch das Jugendhaus keinesfalls statisch sein, sondern Lebendigkeit und Bewegung ausstrahlen. Immerhin steht es direkt am Rand des geplanten Bildungs- und Sportcampus.

Schrauberwerkstatt im Keller

„Das wird ganz toll“, sagt Oliver Haberer euphorisch. Der große Saal im Erdgeschoss lässt sich in der Mitte durch eine Zwischenwand teilen – je nachdem wie es sich die Jugendlichen wünschen und was sie gerade vorhaben. Im Obergeschoss gibt’s Rückzugsorte – zum Hausaufgaben machen, für Versammlungen des Jugendrats oder für Vier-Augen-Gespräche. Ein grasgrünes Sofa, ein halbrundes Regal für Bücher oder Spiele sowie ein Trampolin sind auf den Plänen abgebildet. Oben soll es noch eine Holzwerkstatt geben. Im Keller kann sich Haberer eine „Schrauberwerkstatt“ vorstellen, wo die Jugendlichen ihre Fahrräder und Skateboards reparieren können. „Werkzeug ist schon bestellt.“ Von Vorteil sei dabei sein großes Team. „Wir haben Leute, die sich mit solchen Dingen auskennen.“

Haberer hat viel vor. Ihm schweben Themenabende vor mit Referenten, die in der Diskussion Pro und Contra vertreten. „Damit sich die Jugendlichen eine eigene Meinung bilden können.“ Solche Veranstaltungen will er mit seinen Besuchern planen – damit sie lernen, wie etwas organisiert wird, und was dabei alles beachtet werden muss. Ganz wichtig ist ihm dabei der Jugendrat. „Dass dieser in den vergangenen zwei Jahren ein Konzept für das Jugendhaus erarbeitet hat, ist super – und es gleicht sich zum Teil sogar aufs Wort!“ Dabei fühlt sich Haberer bestätigt.

Vom Jugendrat könnten die Jugendlichen viel lernen. Beispielsweise dass man sich zu festen Terminen trifft. „Das ist für viele schwierig – und macht auch Vereinen zu schaffen“, erzählt Oliver Haberer. Tobias Kleiner nickt. „Generation Fitnessstudio nennen wir sie: Sie können kommen, wann sie wollen und sind völlig flexibel. Aber auf dem Fußballplatz geht das nicht.“

Die Jugendlichen sollen auch lernen, dass manches Zeit braucht. Beispielsweise wenn sie – wie der Jugendrat – eine Idee umsetzen wollen. „Dafür müssen sie einen Antrag stellen. Darüber sprechen die Politiker oft in mehreren Sitzungen. Das dauert – und liegt nicht an den Erwachsenen, sondern an den Strukturen.“ Wissen vermitteln, ohne schulmeisterlich zu wirken – das ist sein Ziel.

Was im früheren Jugendhaus der Alten Schillerschule gut funktionierte, will Haberer übernehmen. Ans Newcomerfestival denkt er dabei. Dass es im „Schillers“ am Ende nicht mehr gut lief, weiß er. Rund um das neue Domizil in der Nibelungenstraße 199a sucht er übrigens schon das Gespräch mit den Nachbarn. Um Zugang zu den Jugendlichen zu finden, hält er zudem Kontakt zum Jugendrat und dem Jugendförderverein der Fußballer.

Wenn es nach Carolin Müller vom Team der Sozialagentur geht, weht bald köstlich-süßer Duft aus dem Jugendhaus. Denn Geschirr und Besteck – erstmal für 50 Personen – sind bestellt. „Wenn alles da ist, können wir Plätzchen backen“, sagt Carolin Müller lächelnd. Auch eine Theke soll es im Erdgeschoss wieder geben. „Die werden wir in einem Projekt mit den Jugendlichen selbst entwerfen und bauen“, kündigt Haberer an.

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