Bürstadt

Lärmschutzwall Anlieger entlang der B 47 müssen erweiterte Gärten wieder zurückbauen / Jahrelang Wildwuchs gepflegt

Heftiger Streit ums grüne Reich

Archivartikel

Bürstadt.Ein bisschen sieht es aus wie im Dschungel, wo Hermann Zimmermann gerade steht: Büsche und Brombeeren wuchern bis über die Paul-Ehrlich-Straße. Der Holztisch steht auf einer wilden Wiese – früher war hier eine kleine Rasenfläche. Eigentlich hat sich Zimmermann mit einem Nachbarn immer um den Wildwuchs gekümmert. Seitdem die Bürstädter Verwaltung die „Fehlnutzung der städtischen Grünflächen entlang der B 47“ untersagt hat, lässt er alles so, wie es ist. Wer seinen Garten in Richtung Lärmschutzwall erweitert hat, soll das bis Ende Juli rückgängig machen, heißt es in dem Schreiben.

Seit 34 Jahren wohnt der Bürstädter an der B 47. Das Grundstück grenzt direkt nördlich an den Lärmschutzwall. Und mit der Zeit ist das grüne Reich der Zimmermanns – wie bei vielen anderen Familien auch – immer weiter in den Hang hineingewachsen: Der gepflegte Rasen ragt ein Stück über die Grundstücksgrenze hinaus. Um das Gefälle abzufangen, hat der Hausherr eine halbhohe Mauer gebaut. Später ist noch ein kleiner Grillplatz dazu gekommen.

Vor ihren Häusern haben einige Nachbarn ebenfalls Freiflächen genutzt und kleine Bereiche gepflastert. Auch ein Unterstand für Feuerholz steht noch zwischen Paul-Ehrlich-Straße und Hang – mittlerweile allerdings leer geräumt. Von früheren Straßenfesten ist ein Holztisch übriggeblieben. Hier wurde gerne mal auf den Feierabend angestoßen. „Die Bänke drumherum haben wir schon entfernt“, sagt Zimmermann und zuckt bedauernd mit den Schultern.

Kosten tragen Anlieger

Mit dem Schreiben vom 25. Juni wird das Ehepaar aufgefordert, „die vorgenommene Grundstückserweiterung zurückzusetzen und somit den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen“. Bis zum Ende des Monats muss alles erledigt sein.

Schon vor etwa einem Jahr hatte das Rathaus die Anwohner angeschrieben und aufgefordert, alles, was in über 30 Jahren über die Grundstücke hinausgewachsen war, zu entfernen. „Andernfalls würde die Stadt alles zurückbauen lassen, und wir hätten die Kosten zu tragen“, berichtet Zimmermann. Und ärgert sich über den „übertriebenen, aggressiven Aktionismus“ der Verwaltung. Vor allen Dingen stört ihn, dass kein Versuch unternommen wurde, um mit den Anliegern entlang der B 47 zu sprechen und eine Lösung zu finden. Immerhin seien einige durchaus interessiert, eine Art „Pflegepacht“ für den Bereich zu übernehmen.

Regelmäßig hatten Zimmermann und ein Nachbar Büsche und Unkraut zurückgeschnitten, um die Straße frei zu halten. „Sonst würde es hier schon lange aussehen wie bei Dornröschen.“ Stadtgärtner hätten hier noch nie nach dem Rechten gesehen, ist er sich sicher. Bisher sei die Situation entlang des Lärmschutzwalls kein Problem gewesen: Zwar haben die Anwohner mehr Flächen genutzt als ihnen gehören – aber auch mehr gepflegt als sie müssten, hieß es. „Wir machen natürlich alles weg, wenn wir das müssen“, sagt Zimmermann. „Aber dann muss die Stadt den Wildwuchs im Zaum halten.“

Thema im Magistrat

Noch ist allerdings das letzte Wort nicht gesprochen, wie Walter Wiedemann klarstellt. „Wir beraten das Thema zurzeit im Magistrat“, berichtet der Erste Stadtrat. Dabei soll geprüft werden, ob es eine Lösung gibt, mit der alle leben könnten. Durchaus in Frage käme dabei die Möglichkeit, den Bereich als Grünfläche weiter von den Anwohnern nutzen zu lassen. „Dann darf aber auch keine Parkfläche gepflastert werden, kein Tisch stehen bleiben und kein Holz gelagert werden.“ Für eine reine Nutzung als Grünfläche müsse der Bebauungsplan nicht geändert werden. Denn das sei mit enormen Kosten verbunden.

Als großes Problem sieht Wiedemann allerdings, dass sich die Nachbarn nicht einig seien. So habe es eine Anzeige gegeben, weil ein Anlieger des Lärmschutzwalls sich zu sehr ausgebreitet habe. „Einige wollen mehr Fläche nutzen und diese auch pflegen, andere wollen das nicht“, hat Wiedemann festgestellt. „So funktioniert das nicht.“ Auch eine Pflegepacht sei zwar grundsätzlich möglich – aber eben nicht abschnittsweise. „Ein Stückchen pflegen die Anwohner, ein Stückchen dazwischen die Stadt, das geht so nicht“, stellt der Erste Stadtrat fest.

Die Rechtslage sei jedenfalls eindeutig: Alles, was über die Grundstücksgrenze hinausgeht, muss geräumt werden. Schon alleine, weil das Rathaus in der Verantwortung steht, falls etwas passiert. An anderer Stelle hatten Nachbarn eine große Schaukel aufgebaut. „Keiner weiß mehr, wo die herkommt“, seufzt Wiedemann. Sollte sich daran jemand verletzten, müsse die Stadt haften. Also kommt das Spielgerät weg. Hier ist in jedem Fall das letzte Wort gesprochen.

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