Bürstadt

Interview Rainer Beckerle hängt noch zwei Jahre als Vorsitzender des SV DJK Eintracht dran und erläutert seine Gründe

Herzensentscheidung für den Verein

Bürstadt.Eigentlich wollte Rainer Beckerle nicht mehr als erster Vorsitzender des SV DJK Eintracht Bürstadt kandidieren. Am Samstag vor einer Woche überlegte es sich der 58-Jährige jedoch kurzfristig anders und ließ sich für weitere zwei Jahre wählen. Im Interview mit dem Südhessen Morgen verrät er die Gründe dafür und blickt auf elf Jahre als Vorstandschef zurück.

Herr Beckerle, wer oder was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie jetzt doch weitermachen?

Beckerle: Das Zünglein an der Waage war das gute und direkte Zureden meiner Ehefrau Silvia. Sie hat mich während der Versammlung davon überzeugt, dass es für alle besser wäre, wenn ich weitermache. Die vielen Mitglieder, die zusätzlich auf mich eingeredet haben, haben auch ihren Teil beigetragen.

Wie hat Ihre Frau argumentiert? Haben emotionale Aspekte zur „Herzensentscheidung“ geführt, von der Sie sprachen?

Beckerle: Das war ganz klar die emotionale Seite. Wenn du so nachdrücklich darum gebeten wirst, das Amt weiterzuführen, hinterfragst du dich. Dann sagst du dir: Dann mach es halt.

Hand aufs Herz: Hätten Sie wirklich loslassen können?

Beckerle: Ja, das hätte ich. Darauf war ich eingestellt. Ich hätte abgewartet, wie sich alles weiterentwickelt.

Sprechen wir uns in zwei Jahren wieder, wenn Sie erneut kandidieren?

Beckerle: Auf der nächsten Jahreshauptversammlung werde ich 60 Jahre alt sein. Der Tag, an dem ich aufhöre, wird kommen.

Wann?

Beckerle: Dazu gebe ich jetzt kein Statement mehr ab. (lacht)

Ein weiterer Grund für Ihr Weitermachen ist das Engagement von Holger Kreiling.

Beckerle: Wir hatten ein Gespräch, in dem er die Zusammenarbeit mit uns davon abhängig gemacht hat, dass ich erster Vorsitzender bleibe. Bei einem positiven Verlauf der Zusammenarbeit – davon gehe ich stark aus – hätte ich eine Wiederwahl auf einer außerordentlichen Versammlung nicht grundlegend ausgeschlossen.

Was versprechen Sie sich von der Zusammenarbeit mit ihm?

Beckerle: Holger Kreiling war lange Vorstandsmitglied bei der SG Riedrode und hat sich schon immer um Sponsoring und Vermarktung gekümmert. Dieser Bereich ist bei uns in den vergangenen Jahren stiefmütterlich behandelt worden, auch weil meine Zeit begrenzt ist. Wenn es klappt, wäre es ein erheblicher Fortschritt in der Entwicklung der Eintracht. Auch bei der Führung von Gesprächen kann er mich entlasten.

Mit der SG Riedrode ist Kreiling im Streit auseinandergegangen, beim VfB Lampertheim lief es für ihn nicht gut. Was war für Sie der Punkt, um zu sagen: Wir probieren es?

Beckerle: Ganz einfach: Weil er die nötige Kompetenz hat. Mir gegenüber hat er einen offenen Eindruck gemacht. Über die Art und Weise, wie die Zusammenarbeit funktionieren kann, waren wir uns schnell einig. Ich bin jemand, der diejenigen, die etwas im Verein machen, selbstständig arbeiten lässt – es ist mein Ziel, dass sie das tun.

Im März hatten Sie erklärt: „Ich halte es für sinnvoll, wenn andere Mitglieder neue Impulse reinbringen.“ Welche Impulse können Sie noch geben?

Beckerle: Mit dem Aufstieg in die Gruppenliga haben wir ein Level erreicht, das uns selbst überrascht hat. Dieser Aufstieg war ja nicht angedacht. Dieses hohe Level wollen wir versuchen zu halten.

Wie blicken Sie auf Ihre ersten elf Jahre als erster Vorsitzender zurück?

Beckerle: Ich habe auch schlechtere Zeiten erlebt, doch die guten Zeiten überwiegen. Mir hat immer viel an der Außendarstellung des Vereins gelegen. Eine gute Außendarstellung steht ja oft im Einklang mit sportlichem Erfolg. Ich bin stolz, dass wir uns von der Position als „Aschenputtel“ lösen konnten.

Viele verbinden die Eintracht mit Ihrem Namen. Sehen Sie darin ein Problem?

Beckerle: Ich will es mal so sagen: Ich bin nicht die Eintracht, ich bin nur der Vorsitzende. Alles, was wir geleistet haben, haben wir gemeinsam geleistet. Klar, einer muss die Richtlinie vorgeben. Wie früher bei den Indianern gibt es „Häuptlinge“ und „Krieger“. Wahrscheinlich bin ich mehr der Häuptlingstyp, aber das sollen andere beurteilen.

Werden Sie an anderer Stelle kürzer treten? Sie sind ja nicht gerade wenig eingespannt.

Beckerle: Dadurch, dass Holger Kreiling jetzt mitarbeitet, kann ich in meinem Bereich, was den Seniorenfußball angeht, etwas kürzer treten. Da wird meine Präsenz nicht mehr so erforderlich sein wie vorher. Die Freizeit, die ich benötige, nehme ich mir.

War die Fertigstellung des Kunstrasenplatzes 2008 der Quantensprung in der Vereinsgeschichte?

Beckerle: Dass wir uns als Fußballverein sukzessive weiterentwickelt haben, war ein Verdienst des Kunstrasens. Aber auch den habe ich nicht alleine gebaut – da haben viele Leute mitgewirkt. Außerdem geht der Platzbau in die Zeit von Hermann Brenner zurück, der schon früh einen entsprechenden Antrag bei der Stadt gestellt hatte und bis 2008 erster Vorsitzender war. Eigentlich muss man sogar ein Stück weiter zurückgehen und Hugo Kern nennen, der vor Brenner langjähriger Vorsitzender war. Unter seiner Leitung wurde das Vereinsheim gebaut. Ohne das eigene Vereinsheim hätten wir den Kunstrasen nicht finanzieren können.

Apropos: Wie blicken Sie zum einst großen Nachbarn VfR und auf den Bildungs- und Sportcampus, der auf dem VfR-Gelände entsteht?

Beckerle: Aufgrund der Vielzahl an Mannschaften im Jugendförderverein hatten wir Probleme bei der Platzbelegung, denn auf dem VfR-Gelände kann man im Winter nicht trainieren. Durch die Unterstützung der Dietmar-Hopp-Stiftung und andere Fördermittel ist das jetzt eine einmalige Gelegenheit, das Gelände zukunftsweisend zu gestalten. Natürlich kann ich nachvollziehen, dass es den VfR schmerzt, wenn so ein historisches Gebäude wie die Tribüne abgerissen wird. Der VfR Bürstadt hat Geschichte geschrieben, darüber müssen wir gar nicht reden. Aber vielleicht hebt der Gewinn des Neuen das Alte ja wieder auf.

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