Bürstadt

Tierisch gut Hobby-Imkerin Stefanie Bechtel hat sich einen Kindheitstraum erfüllt / Inzwischen kümmert sie sich um zwölf Bienenvölker

Honigmacher summen durch Riedrode

Archivartikel

Riedrode.Ganz langsam öffnet Imkerin Stefanie Bechtel den oberen Deckel von dem Kasten, in dem das Bienenvolk sitzt. Die 46-Jährige trägt ihren Imkerhut samt Schleier und Handschuhen. Ihr gegenüber stehen zwei Fotografen und machen Bilder. Schon schwärmen die Honigsammlerinnen an diesem sonnigen Septembertag aus.

Eine von ihnen fliegt gegen den Arm eines Fotografen und sticht zu. Dabei bleibt’s. Ansonsten schwirren die Bienen schnell davon und entschwinden in Richtung Wiese, Feld und Wald. Angesichts der Tatsache, dass in einer Beute, wie der moderne Bienstock heißt, zeitweise bis zu 60 000 Bienen leben, kann in direkter Nähe ein stachliger Zusammenstoß schon mal passieren.

Inzwischen abgeschleudert

„Hier in Riedrode finden die Bienen alles“, sagt Landwirt Erich Standfuß. Auf einer Wiese hinter seiner Scheune stehen Bienenvölker von Stefanie Bechtel, die auch in dem Bürstädter Stadtteil lebt. In ihrem Garten in der Spessartstraße hält sie ebenfalls Bienen. „Ich habe auch noch welche auf einem Grundstück meines Vaters unterhalb des Schlossbergs in Heppenheim. Mit zwölf Völkern wird sie diesmal in den Winter gehen. Im Moment machen die Bienen wenig Arbeit. „Mit der Lindenblüte habe ich im Mitte Juni abgeschleudert.“ Im Frühjahr und Sommer gebe es allerdings viel zu tun.

Die Fachfrau berichtet weiter: Wenn die ersten Schneeglöckchen blühen und die Temperatur auf über 10 Grad klettert, verlassen die Arbeiterinnen ihre Behausung. Sobald die Obstbäume, Akazien und der Raps blühen, ist der Tisch für die Bienen reichlich gedeckt. Die Bäume im Wald bilden süße Säfte, an denen sich die Blattläuse laben, um dann Honigtau abzugeben. Auf dieses zuckerhaltige Ausscheidungsprodukt fliegen die Bienen.

Den gesammelten Nektar und Honigtau bringen diese ebenso nützlichen wie fleißigen Insekten in ihre Beute zurück. Die klebrige Fracht landet in den Waben, die von den Bienen zuvor aus Wachs gebaut wurden. Dann verschließen die Bienen diese mit einem Deckel.

„Die Honiggewinnung ist für den Imker teilweise richtige Knochenarbeit“, sagt Stefanie Bechtel. Um Bienenvölker von einem Ort zum anderen zu transportieren, muss die Imkerin einiges an Gewicht tragen. „Ich fahre mit einigen Völkern aber nur bis in die Pfalz.“ Ihr Ziel dort sind die Esskastanien. „Da blühen dann ganze Hänge.“

Wenn die Insekten emsig Nektar und Honigtau gesammelt und in ihren Bienenkorb getragen haben, geht für die Imkerin die Arbeit weiter. Sie nimmt die Waben aus der Beute, kehrt die Bienen vorsichtig ab, die an ihrem süßen Futter hängen. Die Imkerin löst die Deckel der Wabenöffnungen, damit sie den Honig herausschleudern kann.

„Dabei unterstützt mich meine älteste Tochter Annabelle“, sagt Stefanie Bechtel. Ihre eigene Begeisterung für die Bienen begann bereits in der Kindheit. „Bei uns in der Familie ist das eine Tradition. Mein Vater hatte immer Bienen.“ Auch bei den Eltern ihrer Mutter summten die Honigsammlerinnen umher. „Ich hatte die Imkerei immer Kopf.“ Und seit ihre eigenen Kinder etwas älter sind, kann sie sich neben dem Beruf als Anwältin endlich Zeit für die Bienen freischaufeln.

Stefanie Bechtel freut sich, wenn sie Gärten mit Blumen und Kräutern sieht, die von Bienen umschwärmt werden. „Ein englischer Rasen lockt sie nicht an“, betont sie. Doch nicht jede vermeintliche Futterpflanze tut den Bienen tatsächlich gut. „Pestizide sind immer ein Thema“, sagt Stefanie Bechtel. Bisher habe sie aber noch keine Tiere verloren. Auch die Varroamilbe sei ihren Völkern nicht zum Verhängnis geworden. Diese Milbenart gilt als Schädling für die Bienen. Bei deren Bekämpfung setzt Bechtel ausschließlich auf biologische Mittel.

Dass ihre Insekten Nahrung finden und gesund bleiben, das wünscht sich die Imkerin nicht nur wegen der Honigproduktion. „Die Bienen bestäuben über 80 Prozent der Obstbäume“, betont die Riedroderin. Wenn die Bienen von einer Blüte zur anderen fliegen, nehmen sie neben Nektar auch Pollen mit. „Bienen haben dann Pollensäckchen an den Beinen“, erklärt Bechtel. So tragen sie den Blütenstaub zur nächsten Pflanze und ermöglichen deren Befruchtung. „Es gibt auch Pflanzen, da übernimmt der Wind diese Aufgabe, aber die meisten brauchen die Insekten dafür.“ Ohne Bestäubung keine Fortpflanzung und keine Früchte. Für den Honig spielen die Pollen keine Rolle.

Die warmen Septembertage nutzen Bechtels Bienen nochmals für ausgedehnte Rundflüge. Was sie jetzt einsammeln, gehört ganz ihnen. Damit ihre Tierchen gut über den Winter kommen, versorgt die Imkerin sie zusätzlich mit einer Zuckerlösung. Winterschlaf halten sie nicht.

Winterruhe während der Kälte

Wenn es richtig kalt wird, bleiben sie allerdings zuhause in der Beute und halten Winterruhe. „Sie bilden eine Traube und nehmen die Königin in die Mitte“, erklärt die Imkerin. „Die Tiere am Rand der Traube schlagen kräftig mit den Flügeln und erzeugen damit Wärme.“ Bei dieser anstrengenden Aufgabe lösen sich die Bienen ab. „Sie rotieren von außen nach innen.“ Und im nächsten Frühjahr geht’s dann wieder los mit dem Honigmachen.

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