Bürstadt

Fest Ältester Verein Bürstadts feiert sein 170-jähriges Bestehen / Christa Wasem und Elisabeth Gebhardt blicken zurück

„Ich bin gerne Liederkränzler“

Bürstadt.Das hätten sich die Gründungsväter des Liederkranz Bürstadt niemals vorstellen können: Eintreten durfte laut Satzung nur, wer eine „taugliche“ Stimme hatte und über einen untadeligen Ruf verfügte. Von Frauen – das sollte der Herrgott verhüten – war nicht die Rede. Wer heute auf den altehrwürdigen Verein schaut, der sein 170-jähriges Bestehen mit einer Messe in St. Michael feierte, wird bemerken, dass die Damen im gemischten Chor eindeutig in der Überzahl sind.

Christa Wasem führt den ältesten Verein Bürstadts, der sich mit dem gleichnamigen Chor in Bobstadt verbrüdert hat. Unter der Leitung von Herbert Ritzert ist 2016 eine erfolgreiche, von gegenseitigem Respekt geprägte Singgemeinschaft entstanden.

Zum 170. Geburtstag feierten die Sänger in der Pfarrkirche St. Michael einen adventlichen Gottesdienst mit Pfarrer Igor. Von Organist Wolfgang Becker begleitet, erfüllte schon bald der Gesang der beiden Liederkränze das Kirchenschiff. Hatte das Lied „Advent ist ein Leuchten“ schon für wohlige Gefühle dabei gesorgt, so war das gesungene „Vater unser“ ein weiterer musikalischer Höhepunkt. Anschließend strömten alle ins Gemeindezentrum, um dort die Geselligkeit zu genießen.

Christa Wasem blickte in ihrer Ansprache zurück auf die Gründungsjahre und markante Eckpfeiler im Vereinsleben. Sie erinnerte daran, dass der Liederkranz auch als erster Kirchenchor in der Chronik der Stadt verzeichnet ist. Denn bei der Glockenweihe im Jahr 1849 trat der Chor im Hochamt das erste Mal öffentlich auf und tat dies bis ins Jahr 1900. Gegen den Widerstand einiger Männer präsentierte sich der ehemals reine Männerchor erstmals als gemischter Chor. Im Jahr 1984 sollte für ein Konzert ein Frauenchor aus den eigenen Reihen gefunden werden. Dabei ist es bis heute geblieben.

Elisabeth Gebhardt als „dienstälteste Sängerin des Vereins“ berichtete von starken Persönlichkeiten und herausragenden Vorsitzenden. Dazu zählte sie den „legendären“ Heinrich Held, der auch Gründungsmitglied der Chorgemeinschaft Bürstadt war. Gebhardt erzählte von Tanzgruppen und lustigen Fastnachtsumzügen mit dem Liederkranz. Eindeutig gestand sie: „Ich bin gerne Liederkränzler gewesen und bin es heute noch!“

Es gab etliche Grußworte zum Jubiläum, unter anderem lobte Bürgermeisterin Bärbel Schader den Jubiläumsverein als Grundstein für die „Bürgerstadt mit Herz“. Der Liederkranz habe die Geschichte der Stadt mitgeschrieben. Sie wünschte dem Verein einen mutigen Blick in die Zukunft, auch wenn der Nachwuchs rar sei. Sie hofft, in fünf Jahren den 175. Geburtstag mitfeiern zu können. Zum Abschluss brachten sich die 40 Sänger mit „Zauber der Musik“ ein eigenes Ständchen. Fell

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