Bürstadt

Gesundheit Kreis veranstaltet Workshops für neunte Klassen an der EKS / Dezernentin Stolz appelliert eindringlich

„Impfgegner bringen ihre Mitmenschen in große Gefahr“

Bürstadt.Während Deutschland über den Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Impflicht gegen Masern diskutiert, macht sich die Erich Kästner-Schule (EKS) in Bürstadt mit Unterstützung von Kreis, Stadtverwaltung und Hausärztin Elfi Hoffmann für Information und Prävention stark. Das Kreisgesundheitsamt hat am Dienstag alle neunten Klassen in einem einstündigen Workshop detailliert zum Thema Impfen unterrichtet.

Wobei Diana Stolz (CDU), Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin, Spahn ausdrücklich unterstützt hat. „Impfgegner bringen ihre Mitmenschen in große Gefahr“, sagte sie bei einem Pressegespräch in der Schule. Sie wolle nicht in der Haut der Eltern stecken, die erfahren, dass in der Kita ihres noch nicht impffähigen Babys ein Masern-Fall aufgetreten ist, veranschaulichte Stolz.

Bei aller Freiheitsliebe verteidige sie die Verpflichtung durch den Staat, Kinder gegen Masern impfen zu lassen, betonte die Dezernentin mehrfach. Sie fände es auch richtig, weil notwendig, nicht gegen Masern geimpfte Kinder von Kindergarten oder Kita auszuschließen. Stolz: „Masern sind hochansteckend und extrem gefährlich – und das nicht nur für den Infizierten selbst, sondern für die Gesellschaft.“

Deshalb bedankte sie sich bei den beiden Biologie-Lehrerinnen Eva Stahl und Constanze Ernst, auf deren Initiative hin der Workshop in der EKS zustande kam. Deren Chefin, Schulleiterin Stephanie Dekker, schloss sich ausdrücklich an.

Cornelius Weidenauer, Arzt beim Kreisgesundheitsamt in Heppenheim, erarbeitete die Impfthematik mit den 60 Neuntklässlern in Gruppen zu je 20 Schüler, wie Dekker erklärte. Die Bedeutung der Impfung, ihre Erfindung und die Veranschaulichung der Erreger von Masern, Röteln, Polio und FSME (Zecken) durch Mikroben-Modelle aus Plüsch waren Inhalte. Der Arzt befragte die Schüler nach ihrem Kenntnisstand und sah sich ihre Impfpässe an.

Impfbuch prüfen lassen

Elfi Hoffmann, eine von mittlerweile noch vier niedergelassenen Hausärzten in Bürstadt (2014 waren es sechs), lobte die Veranstaltung an der Schule ausdrücklich und hob deren Bedeutung hervor. Die Jahrgangsstufe neun sei genau das richtige Alter für diese Unterweisung. Denn die Zeit der regelmäßigen Untersuchungen sei bei den Jugendlichen vorbei. Andererseits sei aber das Impfen bei vielen in Vergessenheit geraten, auch bei längst Erwachsenen. „Deshalb ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, die Jugendlichen aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren“, sagte Hoffmann. Jetzt sei es an der Zeit, den Hausarzt ins Impfbuch schauen und eventuell nachsorgen zu lassen.

Ärztin Hoffmann sprach sich gegen eine Impfpflicht aus. Dieser Zwang widerspreche den freiheitlichen Prinzipien dieser Gesellschaft und würde die Zahl der Impfgegner womöglich noch erhöhen. Allerdings schränkte Hoffmann ein: „Bei Kindergartenkindern bin ich jedoch ausdrücklich für die Impfpflicht.“

Dezernentin Stolz warb bei dem Pressegespräch für die Impfung Jugendlicher, weiblich wie männlich, gegen das Human Papillomvirus (HPV). Es kann neben Gebärmutterhalskrebs auch Karzinome bei Jungen auslösen. Hier sehe sie noch große Defizite. Stolz: „Stellen Sie sich vor – es gibt eine Impfung gegen Krebs. Das ist doch wunderbar.“

Die Dezernentin und Bürgermeisterin Bärbel Schader betonten mehrfach das vorbildliche Engagement der Erich Kästner-Schule bei der Gesundheitsprävention.

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