Bürstadt

In 85 Jahren wird es in der Region Starkenburg keinen Acker mehr geben

Zum Thema Flächenverbrauch:

Wer vertritt die Bauern in Bürstadt? Die Interessengemeinschaft (IG) gegen Flächenverbrauch. Gott sei Dank werden diese Interessengemeinschaften immer mehr. Es sind aufgeklärte Bürger, die wissen, dass Gewerbe- und Baugebiete Böden unwiederbringlich zerstören. „Beton kann man nicht essen.“ Auch der BUND sieht das so. Wir Landwirte hingegen, so sagt man, hätten nur wirtschaftliche Interessen.

Dabei leben wir von unserer Arbeit und den von uns auf unseren Feldern erzeugten Früchten. Die hohe Intensität der Nahrungsmittelerzeugung wird nicht aufrechtzuerhalten sein. Die Düngeverordnung nötigt uns, unsere Düngung um 20 Prozent zu reduzieren. Bei immer mehr Pflanzenschutzmitteln läuft die Zulassung aus, neue kommen fast keine mehr dazu. Die BASF ist aus der Entwicklung ausgestiegen. Immer mehr Kollegen stellen auf Bio um. Konsequenz: Die Flächen reichen nicht mehr annähernd für eine Selbstversorgung, da die Erträge merklich zurückgehen. Natürlich kann man aus dem Ausland mehr importieren, doch dort gelten niedrigere Standards und man wird es sich bezahlen lassen, wenn man merkt, dass die deutschen Bauern nicht mehr hinten hochkommen.

In Starkenburg (fünf südhessische Landkreise) haben wir 15 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche und noch 28 Prozent Ackerfläche, der Rest ist Wald und Grünland. Bei zwei Hektar (= 20 000 Quadratmeter) Flächenverbrauch pro Tag in Südhessen – Starkenburg hat noch 60 000 Hektar Ackerland – gibt es hier in 85 Jahren keinen Acker mehr. Das kann und darf nicht sein. Politiker versprechen uns, in Zukunft Flächen sparen zu wollen. Man spricht von Leerstandskataster, Innenstadtsanierung, von Nullenergie- und Mehrfamilienhäusern. Oft tut sich nichts, denn es ist einfacher und lukrativer, schöne, ebene Ackerflächen zu vertickern. Ein positives Beispiel ist Mannheim mit der Umwandlung von Kasernen in Wohngebiete. Es wird Zeit, dass wir die Politiker zwingen, ihre Versprechen umzusetzen.

Es kann nicht sinnvoll sein, jedem Bürger ein Einfamilienhaus zu versprechen, alle Ackerflächen vollzupflastern und dann den Hungerländern in Afrika ihre Nahrungsmittel abzukaufen und als Rückfracht unsern Elektroschrott zu liefern.

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