Bürstadt

Sommertour CDU besucht Traditionsbetrieb von Gregor Gebhardt in Bürstadt

Interessante Einblicke in die Bäckerzunft

BÜRSTADT.Einen Bürstädter Traditionsbetrieb besuchten jetzt die Mitglieder und Freunde der CDU auf ihrer Sommertour. Auf Einladung des Ortsverbandes statteten die Christdemokraten der Bäckerei Gebhardt einen Besuch ab und ließen sich von Gregor Gebhardt über die Arbeitsabläufe eines modernen Bäckereibetriebs, aber auch über die aktuellen Sorgen und Nöte des Handwerkers informieren.

Parteivorsitzender Alexander Bauer und rund 20 weitere Gäste starteten ihre Besichtigung in der großen Backstube, wo Gebhardt über die Fakten und Zahlen seines im Jahr 1883 gegründeten Hauses berichtete. 33 Mitarbeiter erwirtschaften im Hauptgeschäft und den Filialen in der Mainstraße, in Bobstadt und in Biblis aktuell einen Umsatz von etwa 1,2 Millionen Euro pro Jahr. „Die Gewinnmarge aber ist mittlerweile sehr gering, und es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, positive Erträge zu erzielen“, sagte Gregor Gebhardt.

Mehr als 50 Prozent Lohnkosten für die neun Bäcker, vier Lehrlinge, einen Ausfahrer und die Verkäuferinnen schlagen alljährlich zu Buche. „Pro Jahr verarbeiten wir für Brot und Brötchen 120 Tonnen Mehl und weitere Rohstoffe, die wir von Zulieferbetrieben aus der näheren Umgebung beziehen“, erklärte der Bäckermeister, der seit 2013 seinen Betrieb in vierter Generation als alleinverantwortlicher Besitzer führt. „Hinzu kommt natürlich auch das gute Bürstädter Wasser“.

Ausführlich beschrieb Gebhardt den Herstellungsablauf vom Mehlsilo über die Rührmaschinen und Backöfen, bis hin ins Verkaufsregal. Die Arbeitszeiten in der Backstube selbst sind etwas für echte Frühaufsteher. Ab 1.30 Uhr in der Nacht geht es los bis etwa neun Uhr am Morgen. „Am Freitagabend geht es dann aber für den Verkauf am Samstagmorgen schon ab 21 Uhr los bis um 7 Uhr in der Früh“, verriet der Bäcker aus Leidenschaft. „Denn unsere ersten Kunden warten schon teilweise ab fünf oder sechs Uhr am Wochenende auf frische Brötchen und ihr Lieblingsbrot“.

Auf die aktuelle Situation des Bäckerhandwerks angesprochen, berichtete Gebhardt über etliche Probleme seiner Zunft. „Derzeit schließen jedes Jahr 400 Bäckereien in Deutschland. Durch die vielen Backstationen der Filialisten und in den Supermärkten wird nur noch jedes vierte Brot beim Bäcker gekauft“, schilderte er die Situation.

In Bürstadt gibt es laut Gebhardt mit seinen Kollegen Blüm und Friedle nur noch drei echte Bäckereien oder Konditoren. „Extrem belastend ist für uns alle die immer größer werdende Bürokratie und neue Bestimmungen von allen Seiten. Auch der kaufmännische Teil unseres Geschäfts wird immer umfangreicher und zeitintensiver“.

Doch Gregor Gebhardt zog für sich und seinen Betrieb, der vor 135 Jahren von Uropa David Gebhardt gegründet worden war, trotz aller Probleme ein positives Fazit. „Heutzutage müssen wir als Bäckerei vor Ort jeder für sich seine eigene Richtung finden, um unsere Kunden zu binden und zufriedenzustellen. In unserem Handwerk kommt es neben dem Geschick vor allem auf den Willen an, gleichbleibend gute Qualität zu liefern“. Dass das so ist, konnten alle Besucher bei einer Verkostung süßer und deftiger Leckereien aus eigener Herstellung im Verkaufsraum der Bäckerei feststellen.

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