Bürstadt

Kulturbeirat Heinrich del Core unterhält 80 Besucher im Bürstädter Bürgerhaus blendend

Italo-Schwabe von nebenan

Archivartikel

Bürstadt.Als der Kabarettist Heinrich del Core am Donnerstagabend die Bühne des Bürstädter Bürgerhauses betritt, erwarten die Zuschauer kein politisches Programm. Doch die ersten Minuten widmet der 59-Jährige der aktuellen Situation rund um das Covid-19-Virus.

Er stellt die Lage der Kulturschaffenden als verzweifelt dar und beschreibt, wie er vier Monate gar nicht mehr und danach nur vor Autos spielen durfte. „Wenn es den Leuten gefallen hat, gab es keinen Applaus, sondern Lichthupe“, so der Schwabe. Kritik richtet er an die Adresse von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der Angst schüre wo dies nicht notwendig sei, indem er derlei Veranstaltungen in einen Topf werfe mit riesigen Partys oder Hochzeiten. „Auch die Ausrichter heute Abend haben ein gutes Hygienekonzept erarbeitet und diesen Auftritt so erst möglich gemacht“, dankt er dem Bürstädter Kulturbeirat.

Genuss und Sparsamkeit

Dann erst beginnt er mit seinem Programm „Glück g’habt“, welches etwa 80 Zuschauer mit Abstand verfolgen konnten. Als Glück empfindet del Core schon seine Abstammung. Vater aus Italien, Mutter aus Schwaben: Das bedeutet für ihn, das Leben sparsam genießen zu können.

Dazu gehört natürlich der schwäbische Dialekt, in dem er das Publikum unterhält und über den bei dieser Gelegenheit viel gelernt werden kann. Die hochdeutsche Frage „Ist es nicht so?“ bringt der Schwabe mit einem ebenso knappen wie prägnanten „woisch“ auf den Punkt. Geradezu unfassbar groß ist die Liste von Schimpfworten, die in dieser Mundart dabei noch nicht einmal ordinär klingen, oder weiß auch nur ein einziger Nicht-Schwabe was ein „Bruddlr“ ist?

Doch nicht nur Menschen, die in den eigenen Bart brummeln, versteht del Core nicht. Manchmal kann er auch seine eigene Vita nicht nachvollziehen. So hat sich der gelernte Zahntechniker in den frühen Jahren seiner Laufbahn als Zauberer versucht und „Heini Öxle“ genannt, bis er Jahre später merkte, dass sein richtiger Name eigentlich der viel passendere, weil klangvollere Bühnenname ist.

Familie im Mittelpunkt

Viel dreht sich in seinem Programm um seine Familie, bei der er kaum überhörbar wohl ebenfalls „Glück g’habt“ hat. Drei inzwischen erwachsene, gesunde Kinder und eine Frau, mit der er seit Jahrzehnten verheiratet ist, sind im Fokus seiner Betrachtungen. Abgesehen von einem Urlaub in Mexiko, inklusive nächtlichem Einbruch sowie Festsetzen des Täters durch den Sohn, handelt es sich bei den erzählten Episoden eher um alltägliche Begebenheiten.

Ein Mann, der im Supermarkt verzweifelt, weil er nicht weiß, dass Porree und Lauch das Gleiche sind und eine Frau, die immer eine Antwort parat hat, selbst wenn sie zuvor gar nichts gefragt wurde, scheinen Wiedererkennungswert bei den Zuhörern zu haben. Er belehrt nicht, wird nie vulgär oder laut. Man nimmt es ihm ab: Heinrich Del Core ist der Mann von nebenan, nur eben mit einem anderen Dialekt. Wer gekommen ist, braucht es nicht zu bereuen. Der Italo-Schwabe mit den roten Lackschuhen liefert mit seiner sympathischen Art einen unbeschwerten Abend mit vielen Lachern und wird dafür am Ende mit viel Beifall belohnt.

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