Bürstadt

Jubiläum Friseursalon Stumpf feiert 100-jähriges Bestehen / Treuerabatt und Piccolos als Geschenk an Kunden

Jede Haarmode mitgemacht

Archivartikel

Bobstadt.Hundert Jahre, das ist das stolze Jubiläum, das der Friseursalon Stumpf in der Holländerstraße am heutigen Samstag begeht. „Leider dürfen wir wegen Corona keine große Feier machen und auch nichts zu essen anbieten“, bedauerte Inge Stumpf. Für die Kunden gibt es daher Piccolos zum Mitnehmen und den ganzen Monat über einen Treuerabatt für den Haarschnitt.

Die 73-Jährige hätte sich als junges Mädchen nicht träumen lassen, dass sie einmal Friseurin werden und auch noch in einen Friseurhaushalt einheiraten würde. „Mit 14, als die Ausbildung anstand, wollte ich eigentlich Schaufensterdekorateurin werden“, erzählte die Meisterin.

Allerdings gab es damals keine Lehrstelle in ihrem Wunschberuf. So fing sie 1960 im Friseursalon Peter Molitor in Bürstadt an. Dort machte sie auch ihre Gesellenprüfung.

Sie heiratete Willibald Stumpf, dessen Vater Valentin den Salon in der Holländerstraße 24 hatte und fing bei ihrem Schwiegerpapa an. 1969 hat sie in der Landesfachschule in Frankfurt die Meisterprüfung im Friseurhandwerk abgelegt. 1987 hat Inge Stumpf nach dem Tod des Schwiegervaters das Geschäft übernommen.

Kleines Team

1988 wurde das Wohn- und Geschäftshaus in der Hausnummer 28 komplett umgebaut. Der moderne Salon bekam einen neuen Namen: „Er-Sie-Es“. „Es war schon immer ein kleines Team. Unter anderem habe ich meine Tochter Tanja und meine Mitarbeiterin Vera Bayer ausgebildet. Vera ist heute immer noch dabei“, erklärte die Friseurin. Ihre Tochter arbeitet inzwischen nicht mehr als Friseurin, und auch die beiden Enkel Vanessa und Marco haben sich für andere Berufe entschieden.

An Haarmoden hat Inge Stumpf seit den 1960ern alles erlebt und es gibt nichts, was sie schreckt, ob lange Haare, Hochsteckfrisuren oder kurze Schnitte. Und auch in Sachen Farbe ist sie nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen.

Als Ausgleich zur Arbeit hat Inge Stumpf immer gerne Sport gemacht. Bis vor drei Jahren spielte sie aktiv Tennis, auch in der Mannschaft. „Angefangen habe ich bei der Turngemeinde mit Gymnastik. Und als dann die Tennisabteilung gegründet wurde, bin ich gewechselt. Das hat mich fit gehalten. Und ein paar gute Gene sind wohl auch dabei“, lachte sie, denn ihr Alter sieht man ihr nicht an.

Seit elf Jahren ist Ehemann Willibald im Ruhestand. Und genauso lange hat Inge Stumpf ihren Salon nur noch an drei Tagen in der Woche, von Donnerstag bis Samstag, geöffnet. Willibald war Beamter beim Land Baden-Württemberg und hat dort unter anderem die Friseure kontrolliert. In ihrer Freizeit fahren die beiden gerne Fahrrad und verbringen viel Zeit miteinander. Außer an den Öffnungstagen, dann steht Inge im Salon. Die Kundschaft kommt nicht nur aus Bobstadt und Bürstadt, sondern auch aus den Nachbarorten wie Lampertheim, Biblis, Einhausen oder Gernsheim.

„Meine Schwiegermutter war aus Biblis und ich habe früher mal bei den Modenschauen eines Geschäfts in der Nachbarschaft die Frisuren gemacht“, erzählte Inge Stumpf. Deshalb habe sie so ein großes Einzugsgebiet. Sehr viele ihrer Kunden kommen seit Jahren zu ihr, zum Teil sogar jede Woche, und dafür ist sie sehr dankbar. Sonst hätte es den Laden nicht so lange gegeben.

Eine Nachfolge zu finden, gestaltet sich hingegen schwierig. Aber die Friseurmeisterin denkt noch gar nicht ans Aufhören: „Es macht immer noch Spaß. Solange es mir gesundheitlich keine Probleme macht, werde ich den Salon weiterführen.“

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional