Bürstadt

Porträt Bei Ingeborg Gärtner-Grein ist das Haus voller Kunst / Stets das Wesentliche im Blick

„Jedes Stück ist ein Unikat“

Bürstadt.Einen kleinen Gnom mit Flügeln, der verschmitzt lächelnd die Blicke auf sich zieht, hat die Bürstädter Künstlerin Ingeborg Gärtner-Grein mit feinem Pinselstrich scheinbar zum Leben erweckt. Ein Ei ist die Grundlage für diese witzige Fantasiefigur. Die Schmetterlingsflügel hat sie aus Fimo-Knet modelliert.

Aber auch freche Frösche und Eier, die sie mit Strukturmasse verziert und bemalt hat, geben dem Familienwohnzimmer eine ganz besondere Note. Mit einem Zahnarztbohrer, um dessen Kompressor die beiden Haushunde herumwuseln, arbeitet sie aus verschieden großen Eiern filigrane Muster heraus. „Jedes Stück ist ein echtes Unikat“, sagt die Kommunikations-Designerin, die in Darmstadt studiert hat. Auch beruflich ist Ingeborg Gärtner-Grein täglich kreativ.

Die künstlerischen Gene haben ihr Opa und Vater vererbt. Beide malten und gestalteten. Waren schon im Haus des Großvaters die Tapeten an den Wänden wegen der vielen Kunstwerke nicht zu sehen, so hängen auch in ihrem Haus unzählige Gemälde. Gegenständliche Motive in Aquarell- und Acryltechnik sind dort zu bewundern.

Seit neuestem beschäftigt sie sich mit „Pouring“. Die aus den USA kommende Acryl-Fließtechnik hat zwischenzeitlich die ganze Welt erobert und auch Ingeborg Gärtner-Grein infiziert. Mit einer scheinbar unendlichen Palette an interessanten Farbverläufen, Zellbildungen und Farbspielen lassen sich dabei oftmals unvorhersehbare Kreationen erzielen. Am Ende des Entwicklungsprozesses ergeben sie meist ein berauschendes Gesamtbild. „Ich bin dauernd künstlerisch tätig und es ist für mich Entspannung pur“, erklärt die Künstlerin. Aber manchmal brauche sie auch Langeweile, um auf neue Ideen zu kommen. Meist fängt sie ohne Vorlage einfach an. „Beim Eierbemalen normalerweise mit dem linken Auge“, stellt sie lachend fest. Ob am Ende das Ei zum Insekt, zu Mann oder Frau wird, steht da noch lange nicht fest.

Konzentriertes Arbeiten, das Feilen an richtigen Proportionen und die gewissenhafte Ausführung beim Erschaffen von Porträts sind ihr wichtig. Das genaue Hinsehen, Skizzieren und die Details erkennen, sind dabei für sie unverzichtbare Grundlagen.

Zum Karneval in Venedig

Ihre guten Augen und das Erkennen des Wesentlichen helfen ihr aber auch bei ihrer Leidenschaft für die Fotografie. Alljährlich fliegt sie zum Karneval nach Venedig. Dort fängt sie mit unbestechlichem Blick durch den Sucher ihrer Kamera die Masken, Kostüme und morbide anmutende Szenerie ein. Das Gestalten und Herausarbeiten von Skulpturen – ob aus Draht, Fimo oder Ton – gehören ebenso zu ihrem künstlerischen Schaffen wie ihre „Wasserbilder“. Diese übermalten Fotografien stellt sie im Moment mit neun anderen Frauen unter dem Motto „Das weibliche Auge“ in der Mannheimer Galerie C 7 einem breiteren Publikum vor.

Als Vorsitzende des Künstlervereins Bürstadt beteiligt sich Gärtner-Grein auch mit ihren Werken an der Kunstausstellung, die der Verein vom 12. bis 14. Oktober im Bürgerhaus Bürstadt ausrichtet.

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