Bürstadt

Musik RosaKehlchen werben bei ihrem Konzert in Bürstadt für Toleranz und unterhalten ihre Zuhörer bestens

„Jetzt tanzen alle Tucken“ und machen gute Laune

Bürstadt.Ein eher ungewöhnlicher Chor gab in der evangelischen Kirche in Bürstadt seine Visitenkarte ab. Die RosaKehlchen aus Heidelberg traten dort ab 19 Uhr vor voll besetzten Rängen auf. Die 1992 gegründete Formation schwuler Männer ist inzwischen längst ein fester Bestandteil der Musikszene des Rhein-Neckar-Raumes. Dabei sehen die Sänger ihre Aufgabe nicht nur in der Unterhaltung eines möglichst großen Publikums. Seit jeher wagt die aktuell aus etwa 20 Sängern bestehende Gruppe den Spagat zwischen eingängigem Gesang, humorvollem Entertainment und der Vermittlung gesellschaftlich relevanter politischer Botschaften.

Dafür benutzen die Kehlchen jenseits der Musik insbesondere ein Stilmittel: den Humor. Schon das Eröffnungslied sorgt für mehr Lacher, als in einer Kirche für gewöhnlich vernommen werden. In Abwandlung des bekannten Hits der „Muppet-Show“ heißt es „Jetzt tanzen alle Tucken“. Der ungezwungene Umgang mit der eigenen Sexualität ist nicht nur sympathisch, sondern lässt ein Fremdeln zwischen Künstlern und Zuhörern von Beginn an erst gar nicht aufkommen.

Großes Repertoire

„Ein Lied kann eine Brücke sein“, ist der Name des Programms und auch gleichzeitig dessen Inhalt. Mit viel Selbstironie singt man eine eigene Interpretation, wonach man sein Herz nicht nur in Heidelberg verloren, sondern gleichzeitig viel Spaß am Neckarufer beim Verlust der eigenen Unschuld gehabt hat. Das Repertoire ist sehr groß. Von der Klassik über Pop geht es bis hin zum Rock, von lustig und laut bis zur melancholischen Schwermut.

Geleitet wird das bemerkenswerte Ensemble vom Ungarn Rolf Fritz, der schon auf der Internetseite als „Quotenhete“ bezeichnet wird und somit der einzig Heterosexuelle auf der Bühne des Abends ist. Die Männer, die sich selbst als „Schwestern“ bezeichnen, treffen jeden Ton, und doch liegt die Botschaft zwischen den Noten. Einige Stellungnahmen werden nicht gesungen, sondern vorgetragen. Es gehe immer um Toleranz, vieles sei dabei schon erreicht und inzwischen gesellschaftlich akzeptiert worden, doch der Weg sei noch lang. Dass dieser auch frohgemut beschritten werden kann, demonstrieren die RosaKehlchen bei dieser Veranstaltung.

Die Laune ist sowohl auf den Rängen als auch davor bestens. Ab und zu wird der Zuhörer daran erinnert, dass die Problematik bisweilen dramatische Züge hat. Bis in die Nacht hinein bauen die RosaKehlchen singend Brücken und werben dafür, Menschen zu akzeptieren, egal welche Hautfarbe, Religion oder sexuelle Orientierung sie haben. Dem Applaus nach zu urteilen, fiel dies in Bürstadt auf fruchtbaren Boden.

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