Bürstadt

Sport Bernd Fengel blickt auf erfolgreiche Jahre der Footballer unter dem Dach des TV zurück

Jugend ist der Schlüssel zum Erfolg der Bürstädter Redskins

Bürstadt.Die Redskins blicken auf 40 Jahre Football-Geschichte zurück (wir berichteten). Seit 2008 sind die Footballer in Bürstadt unter dem Dach des TV angesiedelt. Bernd Fengel war damals maßgeblich beteiligt, betont allerdings, dass er sich nicht als Mann der ersten Stunde sieht. „Ich war nur einer davon. Als Bürstädter ging die Idee vielleicht von mir aus, aber alleine hätte ich hier gar nichts bewirkt“, erklärt der Jugendfachwart und Nachwuchstrainer – und nennt den damaligen Abteilungsleiter Oliver Billinger als einen weiteren Initiator des Umzugs. „Es hätte auch schiefgehen können“, räumt Fengel ein: „Aber wir hatten sowieso keine andere Wahl. In Viernheim wäre es für uns nicht weitergegangen. Also brauchten wir eine Alternative, um die Redskins zu retten.“

Heute, elf Jahre später, steht Fengel immer noch auf dem Trainingsplatz – und ist stolz. An einem „ganz normalen Dienstag“, wie er sagt, blickt der Coach über den Rasenplatz der TV-Leichtathletikanlage. Die U13, U16 und U19 machen sich nahezu selbstständig warm. Nur vereinzelt muss Fengel das Gespräch mit dem Südhessen Morgen unterbrechen, um Anweisungen zu geben. „Wir haben 27 Spieler in der U16, obwohl wir erst im Januar wieder angefangen haben, diese Altersklasse zu etablieren. 21 Spieler sind es in der U13, und in der U19 haben wir knapp 20 Spieler“, zählt Fengel auf, der zu Viernheimer Zeiten schon Spielertrainer und sportlicher Leiter war. Obwohl die reguläre Saison schon gelaufen ist, trainieren die meisten Spieler weiter. Manche nehmen Zugfahrten auf sich, reisen aus Heppenheim, Zwingenberg oder Gernsheim an.

Unschwer lässt sich festhalten: Die American-Football-Abteilung des TV Bürstadt hat sich in ihrer dritten Heimatstadt nach Mannheim und Viernheim etabliert. „Wir haben den Namen Redskins zu unserer Philosophie gemacht“, sagt Fengel mit einem Augenzwinkern. „Wie bei einem Indianerstamm kommt es nicht darauf an, an welchem Ort man sich befindet, sondern dass man eine Ausgangslage hat, in der es einem gut geht und auf die man bauen kann. Viele Familien bringen sich hier ein und leben diesen Stammesgedanken mit uns.“ Auch Fengel ist nicht allein: Der 16-jährige Sohn Frederic spielt in der U17 und U19.

Dass sich die Redskins so gut in Bürstadt etablieren würden, war im Frühling 2008 noch nicht abzusehen. Damals stellte Fengel die American Footballer auf der Jahreshauptversammlung des TV Bürstadt vor – und blickte nicht nur in begeisterte Gesichter. „Es war ja etwas komplett Fremdes, da waren Ressentiments normal. Zumal es Vorbehalte wegen der Trainingszeiten und Sorgen um den Rasenplatz gab“, erinnert sich Fengel. „Darüber wurde aber geredet. Der damalige Vorsitzende Karl-Heinz Köhler stand uns von vornherein aufgeschlossen gegenüber. Wir wurden letztlich mit einer großen Mehrheit aufgenommen.“

Heute freut sich Fengel, der bei den Heimspielen des Redskins-Herrenteams auch als Stadionsprecher aushilft, über ein einwandfreies Verhältnis zu den anderen Abteilungen. Zwischen den Cheerleadern und den Vereinsturnern sei es schon öfter zu Kooperationen gekommen, weiß der Nachwuchstrainer. „Wir profitieren voneinander.“

Den Schlüssel zum Erfolg kann Fengel mit der Jugendarbeit sofort benennen – vollends erklären kann er ihn sich nicht. „Ich habe keine Ahnung, woran es lag, aber in der Jugend lief es von Anfang an“, erinnert sich der Jugendfachwart an den hessischen Flag-Football-Meistertitel der B-Jugend 2010, dem 2009 die Vizemeisterschaft vorausgegangen war.

Einige Junioren von damals gehören heute zum Seniors-Team: Rene Aumann, Lukas Brems, Tom Ludwig, Maximilian Roos und Christian „CJ“ Steffan. Fast alle packen zusätzlich als Jugendtrainer an. „Wenn sich die Jugendlichen mit einer Mannschaft identifizieren, wird sie ein Teil dieser Stadt“, glaubt Fengel – und sieht die Redskins noch lange nicht am Ende ihrer Aufbauarbeit: „Viele außerhalb von Bürstadt wissen gar nicht, dass es uns gibt.“

Aus dem personell bedingten Rückzug des Seniors-Teams aus der Oberliga 2015 scheinen die Redskins ihre Lehren gezogen zu haben. „Ohne Jugendspielbetrieb wird es keinen Herrenspielbetrieb bei den Redskins geben“, gibt Fengel die Devise vor, die unter den neuen Abteilungsleitern Ingo Ofenloch und Anna Messina gelebt wird.

Spätestens hier verbinden sich Vergangenheit und Zukunft, merkt der erfahrene Übungsleiter an: „Die meisten Trainer des Herrenteams sind ehemalige Mannheimer Redskins, ich habe die Redskins in Viernheim erlebt. Wir alle haben tolle Erinnerungen und sind froh, dass es die Redskins noch gibt. Und ich bin mir sicher: Die Jungs, die heute bei uns spielen, werden irgendwann genauso denken.“

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